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Fussball

Auswärtsspiel - die SPOX-Kolumne: Mario Götze spielt mit PSV Eindhoven um die Champions League - es ist keine Auferstehung

Von Fatih Demireli
Mario Götze will mit der PSV Eindhoven in die Champions League.

Mario Götze hat beim PSV Eindhoven sein Fußball-Glück zurückgefunden. Am Dienstag kann er den Klub gegen Benfica Lissabon in die Champions League schießen (21 Uhr). Darum aber von einer Auferstehung zu sprechen, ist nicht richtig. Und sie ist auch gar nicht nötig, um den deutschen WM-Helden von 2014 glücklich zu machen.

Da ist sie wieder - die typische Mario-Götze-Nachricht. Unbekannte sind am vergangenen Donnerstag bei Mario Götze eingebrochen und haben mehrere Luxus-Gegenstände mitgehen lassen. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen sucht nach den Dieben und ist auf die Hilfe von möglichen Zeugen angewiesen. Ausgerechnet. Es ist eine weitere Episode vieler Missgeschicke des Mar... oh Stopp! Falscher Mario Götze.

Tatsächlich wurde bei Götze eingebrochen, doch es handelt sich nicht um den Fußballer, der Deutschland 2014 zur Weltmeisterschaft schoss, sondern um einen Grill-Guru aus Gevelsberg, dem Diebe zehn Luxus-Grillgeräte entwendeten. Bei Instagram bittet der bärtige Mario um sachdienliche Hinweise.

Dabei hätte es doch so gut gepasst. Es gibt diese Art von öffentlichen Personen, gerne auch Fußballer, bei denen einfach jede Art von Nachrichten zieht. Steht das Auto fünf Prozent im Parkverbot, ist es eine News. Hat irgendjemand irgendetwas über diese Person angedeutet - genau, eine News.

Mario Götze gehört zu diesen Personen. Er ist seit 2009 Teil des öffentlichen Lebens, genau genommen seit dem 21. November 2009, als er mit 17 Jahren sein Debüt für Borussia Dortmund feierte und fortan Deutschlands neuer Hoffnungsträger war.

Mario Götze: Flick wollte ihn zum FC Bayern zurückholen

Jedes Götze-Tor eine Sensation, jeder Pass ein Vorwand, um ihn auf eine Stufe mit den Besten dieser Welt zu hieven. Götze wurde zum Popstar, man verglich ihn mit Justin Bieber. Nicht nur die Fußball-Blätter interessierten sich für ihn. Götze spielte das Spiel mit, auch wenn seine Worte nie laut wirkten. Götze flüsterte, während um ihn die volle Dröhnung lief.

Und so eine Figur kann man dann auch locker fallen lassen. Glücklos beim FC Bayern, glücklos beim zweiten BVB-Anlauf. Dazwischen eine Krankheit, die ihn lange außer Gefecht setzte. Et voila, die Story des gefallenen Helden war perfekt.

Als Hansi Flick im Sommer 2020 laut überlegte, Götze zum FC Bayern zurückzuholen, war die Aufregung groß. Für den Vorstand der Münchener kam das gar nicht in Frage. Nun winkt Götze ein Comeback in der DFB-Elf unter Flick. Damals wurde Götze überall gehandelt - mal war es Spanien, mal England. Dann doch Hertha BSC. Die Wahl fiel überraschend auf PSV Eindhoven. Trainer Roger Schmidt meldete sich mal telefonisch, um bei Götze nachzufragen, ob er sich das vorstellen könne und gab die Hoffnung schon auf, weil der Rückruf bis Anfang Oktober nicht stattfand.

Doch dann rief Götze an und sagte zu. Unter all den Angeboten, die er hatte, nahm er das aus den Niederlanden an. Ist Schmidt der Götze-Versteher? Fand der PSV-Trainer - wie oft in diesen Fällen geschildert wird - die warmen Worte, die Götze glücklich machen und daran erinnern, dass er besser ist als viele denken? Ist der eher als impulsiv und extrovertiert geltende Schmidt plötzlich zum lieben Papa geworden, der Streicheleinheiten verteilt? Nein.

Mario Götze bei PSV: Vier Tore in acht Spielen

Götze traf eine rationale Entscheidung. Als der inzwischen 29 Jahre alte Offensivspieler im Oktober 2020 die Beweggründe für seinen Wechsel erklärte, spielten die Emotionen keine Rolle. "Das Spiel, das Roger Schmidt auf dem Platz sehen will - deshalb bin ich hierhergekommen", sagte Götze: "Hohe Intensität und hoher Druck, dieses Konzept passt zu mir. Der Trainer hat eine sehr klare Vision und kann seine Gedanken klar vermitteln." Punkt.

Götze funktionierte schon im 4-4-2 ganz gut, zumeist agierte er auf der rechten Seite. Verletzungen verhinderten, dass es mehr als 25 Einsätze wurden, aber sechs Tore und sieben Vorlagen in diesen 25 Spielen waren dann doch eine ordentliche Hausmarke. Zu Beginn dieser Saison stellte Schmidt das System nun um, auch weil Donyell Malen zum BVB gewechselt ist und anders gespielt werden kann. Götze spielt zentral und geht in dieser Rolle noch mehr auf. Eine Rolle, die er kennt und die ihn zum Bundesliga-Profi und Nationalspieler werden ließ.

In wettbewerbsübergreifend acht Saisonspielen erzielte Götze schon vier Tore und gab einen Assist ab. Die Fans sind verzückt. Am Dienstag müssen PSV und Götze gegen Benfica Lissabon und Götzes ehemaligen BVB-Kollegen Julian Weigl ein 1:2 wettmachen, um in die Champions League einzuziehen. "Die Spannung von allem oder nichts, dieses Gefühl habe ich gesucht. Und hier sind wir. Ich freue mich darauf und habe Vertrauen in unser Team", sagte Götze dem Algemeen Dagblad.

"Es ist einfach toll, mit Mario zusammenzuspielen. Er macht mir das Leben viel leichter, weil er fast immer alles richtig macht", sagt PSV-Stürmer Eran Zahavi. Auch Schmidt gefällt sein Schützling. "Seit er bei uns ist, nehme ich ihn als relaxten Menschen wahr, der voll im Leben steht", sagt Schmidt und zählt auf: "Der nett ist, der mega professionell ist. Der seinen Fokus total auf den Fußball legt, der eine überragende Trainingsmentalität hat. Der physisch absolute Topwerte hat. Er bewegt sich überragend in den Räumen, ist immer anspielbar. Bei Mario ist alles top, top, top."

Götze: Die Performancekultur passt

Beim BVB klang das am Ende noch anders. BVB-Sportdirektor Michael Zorc nannte die Situation am Ende "nicht zufriedenstellend" und Lucien Favre sagte offen, dass Götze nicht in seine Gedankengänge passt und Götze deswegen keinen Platz im System hat. Götze sah das Problem dagegen bei Favre, wie er zuletzt im Interview mit "11 Freunde" offen ansprach: "In den letzten beiden Jahren beim BVB gab es aus meiner Sicht keine Performancekultur, die ausschließlich auf Leistung ausgelegt war." Götze weiter: "Ich denke, dass die Leistung im Vordergrund stehen sollte und sich das dann in Einsätzen widerspiegeln muss. Das war unter ihm am Ende leider nicht mehr der Fall."

Bei Schmidt scheint die Performancekultur zu passen und Götze durch Leistung zu überzeugen. Von einer Auferstehung zu sprechen, wirkt dennoch vermessen. Götze erlebte das, was viele Fußballer vor ihm durchmachten und auch nach ihm durchmachen werden. Sportliche Blockade, Wechsel und die Suche nach dem Glück. Es ist auch keine Auferstehung, weil Götze nicht wieder dort angekommen ist, wo er schon einmal war. Als er der Welt beweisen musste, dass er besser als Messi sei und der Weg dorthin gar nicht so weit schien. Als er Deutschland zum WM-Titel schoss. Als ihn die besten Klubs Europas haben wollten.

Für Götze ist es aber wohl auch kein Problem, dass er nicht mehr dort ist. Er ist glücklich in seiner Rolle als funktionierender Spielmacher einer sehr guten Mannschaft. Er geht in seiner Rolle auf. Gelingt ihm und PSV das 1:2 aus dem Hinspiel gegen Benfica zu drehen, wäre er auch wieder in der Champions League perfekt. Zur Feier kann er sich ja einen Grill bestellen, wenn der andere Mario noch einen im Lager hat.

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