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Fussball

Brasilien knüpft endgültiges Ja zur Copa America an Auflagen

SID
Die vom südamerikanischen Fußballverband CONMEBOL aus dem Hut gezauberte Verlegung der Copa America (13. Juni bis 11. Juli) nach Brasilien ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Die Verlegung des südamerikanischen Turniers an den Zuckerhut stößt angesichts von rund 460.000 Coronavirus-Toten in Brasilien auf Unverständnis.

Der Volksmund reagierte schnell und titelte die Südamerika-Meisterschaft flugs zur "Cova America" um. Das Wort "Grab" an Stelle der Copa gibt nun passend den Zynismus wieder, den Brasilien vom Kontinentalverband CONMEBOL mit der übereilten Verlegung des ältesten Fußball-Nationenturniers an den Zuckerhut (13. Juni bis 11. Juli) ausgesetzt wird.

Das Land mit der zweithöchsten Sterberate an Coronavirus als Retter eines Sportevents, das turnusgemäß 2023 hätte stattfinden sollen, nun aber immer in EM-Jahre fällt, wirft viele kritische Fragen auf. Klar war offenbar, dass eine Austragung 2024 den an TV- und Sponsor-Geldhähnen hängenden Funktionären zu weit weg war. Fakt ist allerdings: Das Event ist dieses Jahr überflüssig!

"Kartell von Negationisten: Regierung, CONMEBOL und CBF", schimpfte Senator Renan Calheiros lautstark. Der 65-Jährige ist als Vorsitzender einer Parlamentarischen Kommission, die das (Miss-)Verhalten von Staatspräsident Jair Bolsonaro in der Coronakrise untersucht.

Er ist derzeit so etwas wie der Oppositionsführer und kritisiert ironisch: "Die Angebote für Impfstoffe verschimmeln in den Schubladen, aber das Okay für das Turnier kam flott."

Luiz Eduardo Ramos: "Es ist noch nichts abgesegnet"

Und überraschend. Kaum zwölf Stunden nach der Absage an Argentinien zauberte die CONMEBOL den Copa-Gastgeber von 2019 als neuen Ausrichter aus dem Hut. Und bekam so schnell Gegenwind, dass sogar Brasiliens Regierung leicht zurückruderte.

"Es ist noch nichts abgesegnet. Wir sind mitten im Prozess", stellte Kanzleramts-Minister Luiz Eduardo Ramos am Abend klar. Laut des 64 Jahre alten Armee-Generals ist die endgültige Zusage vor allem an zwei Auflagen geknüpft: keine Zuschauer in den Stadien und alle Teams sollen geimpft sein.

Mehr gab es am Montag offiziell von Regierung oder dem nationalen Verband CBF nicht zu hören. Von Politikern querbeet außerhalb des Bolsonaro-Lagers, von Wissenschaftlern aller Disziplinen, von Fußball-Experten die Medien hindurch jedoch vor allem Kritik, Unverständnis und eine Botschaft: Nein zur Copa America.

"Es ist nicht der richtige Moment, wenn ein Land dem Risiko einer dritten Welle ausgesetzt ist. Es hat einen sehr starken Symbolcharakter", äußerte die Epidemiologin Lucia Pellanda bei GloboNews. TV-Moderator-Ikone Galvao Bueno sprach gar von "einem Sportevent, der zu einem politischen Wettkampf" wurde.

Copa America für Bolsonaro willkommenes Marketing-Instrument

Brasilien startete die Woche mit schon insgesamt knapp 463.000 am Coronavirus verstorbenen Bürger. Allein die Toten der letzten drei Monate machen dabei fast 45 Prozent der Gesamtzahl aus. Die Zahl der Corona-Toten der letzten zwei Wochen hat sich auf rund 1800 täglich eingependelt. Ein Sinken ist nicht in Sicht.

Auch weil der rechtspopulistische Bolsonaro strikte Sanitärmaßnahmen unterminiert, sich gegen Quarantäne und Maskenpflicht stellt, Impfungen eher boykottiert als vorantreibt. Und jetzt sieht der 66-Jährige, gegen den es am Samstag landesweit Protestaktionen gab, die Copa America - wie vor zwei Jahren mit dem Heimsieg der Selecao - als willkommenes Marketing-Instrument.

Doch nicht alle ziehen mit, schon bei der Wahl der Spielorte gibt es Widerstand. Das Bundesland Pernambuco mit seiner WM-Arena in Recife hat abgewinkt, Rio Grande do Sul sperrt sich ebenfalls gegen Spiele in den beiden großen Stadien von Porto Alegre. Andere äußerten sich zunächst ausweichend.

Ligabetrieb läuft während des Turniers weiter

Der Ligabetrieb im Land läuft während des Turniers weiter. Auch international wird immer noch in Copa Libertadores und Sudamericana gespielt. Und dieser Tage reisen selbst die Nationalmannschaften zur WM-Qualifikation quer über den Kontinent.

So muss Chile am Donnerstag nach Argentinien, das die Copa nicht mehr haben wollte. Und Ecuador "testet" am Freitag Brasiliens Gastgeber-Tauglichkeit. "Es gibt kein Publikum, oder? Kein Publikum, kein Problem", bemerkte Brasiliens Vize-Präsident Hamilton Mourao lapidar. Klingt irgendwie zynisch.

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