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Fussball

Ex-Nationalspieler Andreas Beck verrät: So ist Thomas Tuchel wirklich

Von SPOX
Andreas Beck bestritt neun Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft.

Andreas Beck wurde unter anderem von Thomas Tuchel und Ralf Rangnick geprägt. Im Interview sprach der Verteidiger über seine Ex-Trainer.

Der frühere deutsche Nationalspieler Andreas Beck, inzwischen beim belgischen Erstligisten KAS Eupen aktiv, hat im exklusiven Interview mit SPOX und Goal über die Besonderheiten von Chelsea-Coach Thomas Tuchel und Bundestrainerkandidat Ralf Rangnick gesprochen.

"Wir schreiben uns heute noch ab und zu. Ich liebe es, wie er seine Karriere aufgebaut hat. Er ist einer der Besten", sagte Beck über Tuchel, der ihn einst im Nachwuchs des VfB Stuttgart trainierte und mit dem er 2005 deutscher A-Jugend-Meister wurde. "Er ist ein ganz spezieller Charakter mit einer einzigartigen Energie. Er war immer fokussiert darauf, ein Weltklasse-Trainer zu werden - und genau das hat er geschafft."

Neben der technischen und taktischen Trainingsarbeit beeindruckte ihn an Tuchel, der Chelsea Ende Januar übernahm und die Londoner zurück in die Erfolgsspur gebracht hat, vor allem dessen Einwirken auf die mentale Stärke seiner Spieler: "Ich bewundere sein Denken. Thomas war einer der besten Coaches, die ich hatte. Manche Trainer sagen: 'Geht raus und genießt es'. Thomas aber sagt: 'Genießt es, indem ihr alles gebt'. Das ist die Mentalität, die es braucht, um Champions zu machen und Titel zu gewinnen."

Beck über Training unter Tuchel: "Jede Einheit war intensiv"

Auch als Jugendtrainer habe Tuchel das schon von seinen Nachwuchskickern verlangt, betonte der inzwischen 34-jährige Beck. "Jeden Tag wollte er das sehen, selbst bei den einfachsten Passübungen im Training sagte er: 'Spielt jeden Pass als sei es der letzte Eurer Karriere.' Jede Einheit war intensiv. Es war extrem hart, aber man muss eben alles aus sich herausholen, um erfolgreich zu sein." Tuchels Herangehensweise sei "nicht die einfachste", führte der Deutsche Meister von 2007 aus: "Nicht jeder Spieler mag das. Aber das ist mir von Thomas in Erinnerung geblieben und ich respektiere ihn dafür."

Zwischen Tuchel und dem früheren Leipzig-Trainer Rangnick, unter dem Beck mit Hoffenheim in der Saison 2008/09 die Bundesliga aufmischte, gebe es indes durchaus Parallelen, "sie sind aber zwei unterschiedliche Persönlichkeiten". Auch Rangnick sei sehr fordernd und habe den Fußball in der Bundesliga "neu erfunden. Mit Hoffenheim spielten wir dieses unglaubliche Pressing. Es war ein sehr offensiver Stil mit sehr wenig Platz zum Durchatmen. Wir jagten zu jeder Sekunde den Ball und spielten in unserer ersten Bundesliga-Saison ganz oben mit, obwohl niemand Hoffenheim kannte."

Die Kraichgauer begeisterten seinerzeit ganz Fußball-Deutschland und standen als Aufsteiger nach der Hinrunde an der Tabellenspitze, Beck war als Rechtsverteidiger gesetzt. "Wir schlugen zum Beispiel Jürgen Klopps Dortmund zuhause mit 4:1 und ich erinnere mich noch, wie Klopp hinterher sagte: 'So müssen wir spielen'."

Beck über Rangnick: "Er war innovativ, wollte Dinge verändern"

In der Rückrunde konnte die TSG ihre Erfolge seinerzeit nicht ganz aufrechterhalten, wurde am Saisonende aber immerhin Siebter. Rangnick, der seit Sommer letzten Jahres ohne Anstellung ist und als einer der heißesten Kandidaten auf die Nachfolge von Joachim Löw nach der EM gilt, blieb indes bis Anfang 2011 in Hoffenheim und heuerte nach einer zweiten Amtszeit auf Schalke im Sommer 2012 dann als Sportdirektor bei RB Leipzig und RB Salzburg an.

"Was er in Hoffenheim bewirkt hatte, wiederholte er später dann in Leipzig", betont Beck. "Das fußt alles auf seinen Ideen. Ralf hat sich ein Erbe geschaffen und die Menschen werden sich immer daran erinnern. Er war innovativ, wollte Dinge verändern und nun sieht man Dortmund oder Bayern, wie sie ständig den Ball jagen. Auch Manchester City macht das unter Pep Guardiola."

Beck stand einst kurz vor Wechsel zu Juventus

Beck sprach indes auch über seine eigene Laufbahn und verriet dabei, über die Jahre immer wieder mit internationalen Top-Klubs in Kontakt gestanden zu haben. "Lyon war mal interessiert, da gab es auch Gespräche. Ich weiß, dass auch Newcastle angeklopft hat und da gab es diese Zeit, als Ralf (Rangnick, d. Red.) Hoffenheim verließ und meine Zukunft unklar war. Es gab ein Angebot von Juventus Turin, aber wir konnten den Deal nicht unter Dach und Fach bringen. Der Vertrag war schon fertig, aber ich wollte noch bis zum Sommer (2011, d. Red.) warten. Antonio Conte (heutiger Trainer von Inter Mailand, d. Red.) übernahm und er wollte vor allem Spieler, die die italienische Liga kannten. Daher kam es nicht zustande."

Bereut habe er den geplatzten Wechsel zu Juve zwar nie, als 2015 nach sieben Jahren bei Hoffenheim dann aber eine Offerte von Besiktas auf dem Tisch lag, "musste ich das annehmen", betonte Beck. "Das Team und das Angebot waren unglaublich und es war die richtige Entscheidung, dorthin zu gehen."

In zwei Jahren kam Beck auf 76 Pflichtspiele für Besiktas, wurde zweimal türkischer Meister. 2017 kehrte er zu seinem Jugendklub nach Stuttgart zurück, kickt nun seit 2019 in Eupen. "Ich bin jetzt 34, die Zeit fliegt", sagt Beck, der zwischen Februar 2009 und November 2010 neun Länderspiele für Deutschland absolvierte. "Ich genieße meine Zeit hier in Eupen, denn ich weiß, dass die Karriere eines Tages vorbei sein wird." Becks Vertrag bei den Belgiern, mit denen er aktuell auf Platz 13 steht, läuft noch bis Sommer 2022.

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