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Fussball

Ex-HSV-Spieler Matti Steinmann im Interview: "Mir war klar: Wir schaffen das nicht mehr, komme was wolle"

Matti Steinmann stieg 2018 mit dem HSV ab.

Matti Steinmann stand gleich mehrmals beim HSV unter Vertrag und erlebte in der Hansestadt unter anderem den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte mit. Wie es nach dem 34. Spieltag der Saison 2017/18 in der Kabine zuging, erzählt Steinmann im Interview mit SPOX und Goal.

Außerdem berichtet Steinmann, der am heutigen 8. Januar seinen 26. Geburtstag feiert, von seinem Bundesliga-Debüt gegen den FC Bayern und warum es ihn mittlerweile nach Indien verschlagen hat.

Dort schnürte der Mittelfeldspieler zuletzt für seinen Klub SC East Bengal einen Doppelpack. Für SPOX und Goal war er einige Tage zuvor via Skype erreichbar.

Herr Steinmann, wo treffe ich Sie gerade an?

Matti Steinmann: Ich bin seit Mitte Oktober in Indien und werde auch die Feiertage hier verbringen. Alle elf Mannschaften der Liga sind in verschiedenen Hotels der Stadt einquartiert und wir dürfen das Hotel auch nicht verlassen, außer zum Training.

Sie kennen bisher also nur den Flughafen, das Hotel und das Stadion?

Steinmann: Ja genau, Indien kenne ich nur aus dem Busfenster von der Fahrt zum Training. (lacht) Aber ich bin ja auch zum Fußball spielen hier, nicht zum Urlaub machen.

Haben Sie das so erwartet, als Sie in Indien unterschrieben haben?

Steinmann: Ich wusste nicht, dass ich das Hotel nicht verlassen darf. Das ist ein bisschen schade, aber im Moment dürfen ja viele Menschen nicht das Leben führen, das sie gern führen würden. Im Team spielen wir zusammen Karten, essen zusammen und gammeln zusammen rum. Das Ganze ist ein wenig wie eine Klassenfahrt.

Etwas zu alt für eine Klassenfahrt, mit 19 aber dennoch sehr jung waren Sie am 14. September 2014. Damals gaben Sie beim 0:0 gegen den FC Bayern Ihr Bundesliga-Debüt für den HSV. Wie erinnern Sie sich an den Tag?

Steinmann: Ich weiß noch, wie ich vom Warmmachen zur Seitenlinie gelaufen bin und ganz nervös versucht habe, meine Schienbeinschoner irgendwo reinzuschieben. Es war super aufregend. Weil ich nur zwei Minuten gespielt habe, hatte ich dann glücklicherweise nicht so viel Zeit nachzudenken.

Steinmann: "Habe mir damals sicherlich eine Karriere in der Bundesliga erträumt"

Damals waren Sie gerade aus der A-Jugend hochgekommen, waren U-Nationalspieler und hatten in Joe Zinnbauer einen Trainer, der Sie bereits aus der 2. Mannschaft kannte und Ihnen vertraute. Was war das für ein Gefühl?

Steinmann: Direkt eingesetzt zu werden und das Vertrauen vom Trainer zu spüren war natürlich super. Ich habe mir damals sicherlich eine große Karriere in der Bundesliga erträumt, wusste aber auch, dass das die Wenigsten schaffen. Darum war ich umso glücklicher, für den HSV mein Bundesliga-Debüt geben zu können. Letztlich hatte ich mir natürlich noch mehr Einsätze erhofft, habe mich aber leider kurz nach dem Bayern-Spiel am Knie verletzt und war so erstmal raus.

Auch wenn Sie rund einen Monat später nochmal gegen den FC Bayern im DFB-Pokal randurften, der Durchbruch blieb Ihnen 2014/15 verwehrt. Was hat Ihnen damals gefehlt?

Steinmann: Ich würde sagen, mir hat ein wenig die Geduld gefehlt. Als es mit meinem Knie nicht sofort wieder lief, habe ich mir nicht die Zeit gegeben, stärker wieder zurückzukommen, sondern wollte direkt wieder angreifen. So ein bisschen habe ich mir zu der Zeit natürlich auch erhofft, möglichst schnell Stammspieler in der Bundesliga zu sein, statt das Ganze als Prozess zu begreifen. Aus heutiger Sicht hätte ich da mehr dranbleiben sollen und sagen sollen 'ich setz mich jetzt hier durch'.

Im Sommer 2015 wollten Sie den HSV dann verlassen, der 1. FC Kaiserslautern, damals noch Zweitligist, bemühte sich um eine Verpflichtung. Wie war es, als Sie erfuhren, dass der HSV Sie nicht dauerhaft gehen lassen, sondern nur verleihen wollte?

Steinmann: Eigentlich wollte ich ja weg, weil ich die Jahre zuvor viel bei den Profis trainiert hatte und mir gesagt wurde 'wir bauen auf dich', es letztlich aber nicht so geklappt hat. Darauf hatte ich keine Lust mehr. Wie gesagt, ich war sehr ungeduldig damals. Als dann nach der U20-WM der Anruf kam und die HSV-Verantwortlichen mir mitteilten, dass sie mich doch nochmal testen wollen, war ich eher weniger begeistert, habe aber zugestimmt. So habe ich die Vorbereitung beim HSV mitgemacht, letztlich aber doch die Entscheidung getroffen, etwas Neues ausprobieren zu wollen. Ich wollte mehr spielen.

Steinmann: "Wollte in Mainz unter Super-Trainer Sandro Schwarz spielen"

Nach einer Leihe in die 3. Liga zum Chemnitzer FC lösten Sie Ihren Vertrag beim HSV 2016 auf und gingen zur zweiten Mannschaft von Mainz 05. Wieder 3. Liga, diesmal Abstiegskampf. Wieso der Rückschritt?

Steinmann: Um beim HSV für die Profis zu spielen, hätte ich in Chemnitz bessere Leistungen abrufen müssen. Ich hatte dort zwar einige gute Spiele, aber keine überragende Saison und so hat es nicht gereicht. Und da ich nicht wieder bei der zweiten Mannschaft des HSV versauern wollte, haben wir den Vertrag aufgelöst. Dauerhaft in Chemnitz zu bleiben war dann auch eine Option, als mich allerdings Sandro Schwarz anrief und mir sagte, er wolle mich in Mainz, war mir sofort klar, dass ich das machen will. Er hatte mich im Spiel mit Chemnitz gegen seine Mannschaft gesehen und wollte mich pushen und sagte mir, dass in ein, zwei Jahren vielleicht auch der Weg nach oben offen sein könnte. Klar war ich etwas skeptisch, weil es wieder eine zweite Mannschaft war, aber durch die Gespräche mit Sandro wollte ich unbedingt unter diesem Super-Trainer spielen. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung.

Der Plan, es eventuell zu den Profis in Mainz zu schaffen, ist bekanntlich nicht aufgegangen, stattdessen ging es nach einem Jahr wieder zum HSV in die Regionalliga.

Steinmann: Das stimmt, sportlich hat sich der Wechsel zu Mainz nicht so ausgezahlt, wie ich mir das erhofft hatte, aber ich hatte dort persönlich ein tolles Jahr. Ich hatte mir Sandro einen tollen Trainer und habe es keine Sekunde bereut, nach Mainz gegangen zu sein. Durch den Abstieg aus der 3. Liga ging es in Mainz für mich aber nicht weiter. Ich habe für mich anschließend beschlossen, nicht mehr so viel umziehen zu wollen und lieber wieder in Richtung Heimat zu gehen. Damals habe ich überlegt, ein ganz anderes Leben zu beginnen, zu studieren etwa und Fußball nur nebenbei zu spielen. Als dann das Angebot des HSV kam, passte das als Gesamtpaket genau dazu. Eigentlich war mir recht früh klar, dass ich nicht 15 Jahre Fußball spielen und nebenbei nichts machen werde.

Wie weit war die Bundesliga damals gedanklich weg?

Steinmann: Kilometerweit, weiter ging es eigentlich gar nicht. Zu dieser Zeit habe ich keine Sekunde daran gedacht, dass ich nochmal in der Bundesliga auflaufen könnte, ich hatte damit eigentlich schon abgeschlossen. Blöd war damals nur, dass ich aufgrund eines Fehlers bei meiner Uni-Bewerbung nicht wie geplant studieren konnte. Sportlich lief es beim HSV aber wieder super, vor allem wegen Christian Titz.

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