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Fussball

Ibarbo, Gervinho, Doumbia: Die Geschichte des nervigsten FIFA-Trios aller Zeiten

Von Dennis Melzer
Ibarbo, Gervinho und Doumbia waren das nervigste FIFA-Trio aller Zeiten.

Die drei Roma-Akteure Victor Ibarbo, Gervinho und Seydou Doumbia raubten manch einem FIFA-Spieler den letzten Nerv. Warum das Trio zur virtuellen Legende wurde? SPOX und Goal erzählen die Geschichte.

Schnell wird das letzte Stück Pizza Salami mit dem Pfanner-Eistee aus dem Zweiliterpack heruntergespült - keine Zeit verlieren im verrauchten, testosterongeschwängerten Keller-Jugendzimmer. Es geht ums Wesentliche! Die fettigen Griffel langen nach dem Controller, ein leiser, vertrauter Piepton verkündet die frohe Botschaft: Die Konsole springt an, schnurrt wie ein Kätzchen. Freitagabend, FIFA-Turnier.

Eine freudige Zusammenkunft, der Spaß steht im Vordergrund, egal, wie es ausgehen mag. So lautet der hoffnungsvolle Schwur (und bitte die Controller funktionstüchtig lassen, die sind im Original echt teuer). Stunden später sind die guten Vorsätze dahin, das Zimmer ist ein Tollhaus, ein Konglomerat aus Vorwürfen, Beleidigungen und Tobsucht.

Unfair behandelt fühlen sich die Verlierer, weil dieser eine Spieler immer schneller ist als die komplette eigene Hintermannschaft. Das hat doch nichts mit Können zu tun. Wahlweise beschwichtigend ("Ist doch nur ein Spiel") oder hämisch ("Haha, Du Noob") reagieren die Gewinner.

In der 2015er Version der Fußballsimulation brauchte es lediglich drei Kicker, um oben dargestellte Szenerie zu kreieren - derjenige, der sie hatte, befand sich auf er Sonnenseite, den restlichen Turnierteilnehmern trieben sie die Zornesröte ins Gesicht: Victor Ibarbo, Gervinho und Seydou Doumbia.

Ja, tatsächlich. Das Offensivtrio, das damals gemeinsam in Diensten der AS Rom stand, avancierte zum größten Alptraum-Dreigestirn seit Gregor und Mario von den Kickers sich mit dem Teufelsdreier herumärgern mussten.

FIFA 15: Schnelligkeit ist Trumpf

Doch, warum waren Ibarbo, Gervinho, Doumbia, die bei FIFA nicht einmal mit einem übermäßig hohen Gesamtrating gesegnet waren, so gefürchtet? Simple Antwort: Jeder für sich war brutal schnell, im Kollektiv schier unaufhaltsam. Es reichte - einfach gesagt - sich den Ball vorzulegen und mit bis zum Anschlag gedrückter Sprinttaste nachzulegen (Pace spielte damals mit die wichtigste Rolle im EA-Game).

Im beliebtesten FIFA-Spielmodus FUT lieferten die drei ganz besonders ab, weil sie für den gleichen Verein spielten und somit auf bestmögliche Harmoniewerte (Stichwort Chemie) kamen.

Das Triumvirat aus der Ewigen Stadt ist noch heute legendär, die Roma selbst twitterte 2018 ein Bild mit den Spielkarten, auf denen die Pace-Werte (93 bei Gervinho und Doumbia, 91 bei Ibarbo) zu sehen sind. "Nur ECHTE Fans erinnern sich an diesen Roma-Sturm" schrieb die Social-Media-Abteilung der Giallorossi dazu. Viele erinnerten sich zähneknirschend.

Auf dem virtuellen Rasen echte Maschinen, aber wie sah die Wirklichkeit aus - und was machen sie heute?

Victor Ibarbo (Gesamtstärke: 75, PAC: 91, Sturm/Rechter Flügel)

Ibarbo wechselte im Alter von 21 Jahren aus seinem Heimatland Kolumbien nach Europa. Der italienische Klub Cagliari Calcio überwies rund zwei Millionen Euro für den Offensivmann von Atletico Nacional.

Bei den Sarden mauserte Ibarbo sich nach kurzer Eingewöhnungszeit schnell zum Stammspieler, ohne ganz große Torausbeute. Im Winter 2015 folge der Wechsel zur AS Rom, für die er dementsprechend fortan auch bei FIFA 15 auflief.

Nach nur einer Halbserie und 13 Einsätzen ohne Tor, zog es den sprintstarken Südamerikaner am Deadline-Day des Sommers 2015 - abermals leihweise - zum FC Watford nach England. Eine Meldung, die bei den FiFA-Spielern rund um den Globus für Furore sorgte. Mit dem Wechsel habe er die Folgeversion FIFA 16 bereits vor Veröffentlichung des Games zerstört, war zu lesen.

Im realen Leben vermochte Ibarbo jedoch nicht das zu halten, was seine FIFA-Karte versprach. Bei Watford setze sich der Nationalspieler nicht durch, wanderte - natürlich leihweise - zu einem Ex-Klub Nacional ab, von dem es im Sommer 2016 zurück nach Cagliari ging.

Die Rossoblu konnten jedoch nichts mehr mit Ibarbo anfangen, verliehen ihn weiter zu Panathinaikos und später zu Sagan Tosu nach Japan. In den Asiaten fand Cagliari schließlich 2017 einen Abnehmer. Sagan zahlte 500.000 Euro. Immerhin gelangen in 44 Pflichtspielen elf Tore und zehn Vorlagen. Aktuell kickt der mittlerweile 30-Jährige in der zweiten japanischen Liga bei V-Varen Nagasaki.

Gervinho (Gesamtstärke: 81, PAC: 93, Linker Flügel)

Gervinho hinterließ deutlich größere Fußspuren bei der Roma als Ibarbo. 2013 mit der Empfehlung von 63 Premier-League-Spielen vom FC Arsenal an den Tiber gewechselt, festigte sich der Ivorer gleich von Beginn an. Nach seiner ersten Spielzeit in Rom standen wettbewerbsübergreifend neun Tore und zwölf Vorlagen zu Buche.

Ähnlich wie bei FIFA glänzte Gervinho mit seiner Sprint- und Dribbelstärke. Der Flügelflitzer wartete mit enormer Wendigkeit sowie Torgefahr auf. In zweieinhalb Jahren brachte Gervinho 26 Treffer und 20 Assists auf die Uhr, ehe der chinesische Erstligist Hebei China Fortune 18 Millionen Euro Ablöse auf den Tisch legte.

Im Reich der Mitte verdiente Gervinho eigenen Angaben zufolge zehn Millionen netto jährlich. "Ein Gehalt dieses Ausmaßes kann nicht ablehnen", sagte er seinerzeit im Gespräch mit France Football. Trotz des vielen Geldes machte sich wohl bald Sehnsucht nach dem Dolce Vita breit.

Der Angreifer kehrte China im Sommer 2018 den Rücken und heuerte bei Serie-A-Neuling Parma Calcio an. Er habe Italien "wirklich sehr vermisst", erklärte er der italienischen Sportzeitung Corriere dello Sport. "Sobald ich wusste, dass ich zurückkehren konnte, habe ich allen anderen Angeboten abgesagt."

Ein Schritt, der sich als goldrichtig erweisen sollte. In bislang 68 Spiele knipste er 22-Mal, zuletzt netzte er sehenswert zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen Inter Mailand (Endstand 2:2).

Seydou Doumbia (Gesamtstärke: 82, PAC: 93, Stürmer)

Doumbia und Gervinho kannten sich bereits aus der ivorischen Nationalmannschaft, als der Mittelstürmer von ZSKA Moskau im Winter 2015 in Rom ankam. 14,4 Millionen Euro zahlte die AS für den damals 27-Jährigen.

Doumbias Weg nach Europa war etwas unkonventionell, wechselte er doch von der Elfenbeinküste zunächst nach Japan, bevor er 2008 für den Schnäppchenpreis von 130.000 Euro zu den Young Boys aus Bern ging.

In der Schweiz machte sich der Torjäger einen Namen, zwei Jahre nach seiner Ankunft bei den Eidgenossen war er ZSKA satte elf Millionen Euro wert. Klar, immerhin hatte Doumbia in 79 Spielen 58 Tore erzielt. Der Umzug nach Russland änderte nichts an seiner Treffsicherheit. Ganz im Gegenteil: 150-Mal wurde Doumbia insgesamt eingesetzt, 95 Tore sprangen dabei heraus.

Doch die Roma sollte sich nicht als beste Entscheidung entpuppen. Nach einem halben Jahr wechselte er auf Leihbasis zurück in die Wohlfühloase namens ZSKA, später ging es weiter nach Newcastle.

Ähnlich wie in Ibarbos Fall folgte ein Leihmarathon, der Doumbia zum FC Basel und Sporting verschlug. Die Lissabonner nahmen der Roma ihr Missverständnis im Anschluss für drei Millionen Euro ab. Nach Zwischenstationen bei Girona und Sion, ist der 32-Jährige seit März dieses Jahres vereinslos.

Bei ihm bedeutete der FIFA-Hype ganz offensichtlich mehr Fluch denn Segen.

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