Fussball

Vom SV Lonsee nach Amerika: Lasoggas Schwager macht von sich reden

SID
Kai Wagner mischt die MLS auf.

Vor eineinhalb Jahren ist der Deutsche Kai Wagner ein wenig überraschend in der US-Profiliga MLS gelandet. Dort gilt er mittlerweile als einer der besten Linksverteidiger.

Sein erster Treffer war ein schöner, strammer Linksschuss - "eine schöne Rakete", wie Kai Wagner selbst sagt. Und der Social-Media-Abteilung der Major League Soccer gefiel die Szene des jungen Deutschen der Philadelphia Union so gut, dass sie sie hinausschoss in die weite Welt der Netzwerke. "Letztes Jahr", sagt Wagner im SID-Gespräch, "waren es ja leider nur Vorlagen." Aber: 2019 etablierte er sich auch als einer der besten Linksverteidiger der US-Profiliga MLS.

In Deutschland hat Wagner nicht groß Karriere gemacht. Und Amerika war so ziemlich das Letzte, an das er im Januar 2019 dachte. Der gebürtige Geislinger hatte da gerade "sehr gute" eineinhalb Jahre bei den Würzburger Kickers in der 3. Liga hinter sich, doch er wollte jetzt mehr. Ein Vertrag in der 2. Bundesliga oder Bundesliga, das wäre es gewesen. Aber: Es gab Ärger mit den Mainfranken, für sein letztes halbes Vertragsjahr drohte die Ersatzbank. Da kam Ernst Tanner ins Spiel.

Tanner war unter anderem mal Manager der TSG Hoffenheim, ihm wird ein Auge für Talente nachgesagt, sechs Jahre lang war er Leiter der Nachwuchsabteilung von Red Bull Salzburg. Seit dem 9. August 2018 ist der Bayer Sportdirektor bei Philadelphia Union in der MLS. Zu Tanners ersten Transfers gehörten Marco Fabian von Eintracht Frankfurt - und Kai Wagner (23), erster Verein: SV Lonsee, danach Jugendspieler beim SSV Ulm 1864 und beim FC Augsburg, später wieder Ulm, Schalke 04 II und eben Würzburg.

Kai Wagner erkämpfte sich gleich einen Stammplatz in der MLS

"Es war ein großer Schritt, überhaupt nach Amerika zu kommen", berichtet Wagner, und nein, "das war nicht in meinem Kopf oder mein erster Gedanke, nach Amerika zu gehen. Aber im Nachhinein würde ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war." Kann man so sagen: Wagner erkämpfte sich gleich einen Stammplatz, überzeugte als Torvorbereiter, das Spiel von Philadelphia ist mittlerweile sogar auf ihn zugeschnitten. Dazu gibt's gutes Geld: 360.150 Dollar Jahresgehalt (ca. 315.000 Euro).

Beim Einstieg habe ihm geholfen, dass man in Deutschland in der Schule Englisch lernt, auch seine Frau, sagt Wagner, sei ihm eine große Stütze gewesen beim und seit dem Umzug. Mit Jenny, jüngere Schwester des langjährigen Bundesligaprofis Pierre-Michel Lasogga, lebt er etwa 30 Meilen außerhalb von Philadelphia. Seit dem 6. März sind beide Eltern. Wagner hat in den vergangenen Wochen viel Zeit mit Frau und Kind verbracht: Er war verletzt, und dann war da noch Corona.

Bruch am Wadenbeinknochen, kein Training, keine Freunde sehen - "für mich war das eine schwere Zeit", sagt Wagner. Aber nun, beim Turnier der MLS in Florida, folgte sein erster Profi-Treffer überhaupt beim 2:1 gegen David Beckhams Inter Miami. Vor dem letzten Gruppenspiel am Dienstag gegen Orlando sind Wagner und die Union damit für das Achtelfinale qualifiziert. Das sei, betont Wagner, doch "wunderbar". Aber noch lange nicht das Ende.

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