Fussball

Heimat von Rashford, Lingard & Co.: Wie Manchesters Talentschmiede Fletcher Moss funktioniert

Von schleichenden und trainierenden Scouts

Fletcher Moss' Ruf im Nachwuchsfußball ist mittlerweile so exzellent, dass sich bei fast allen Spielen Scouts großer Klubs herumtreiben. "Damit wir den Überblick behalten, bitten wir jeden Scout, sich erst bei uns zu registrieren", erklärt Horrocks. "Die meisten halten sich daran, aber manche Scouts schleichen sich auch einfach rein, verfolgen die Kinder und Eltern danach auf den Parkplatz, sprechen sie dort an und versprechen ihnen die Welt. Den Eltern wird dann gesagt, dass sie uns nicht informieren sollen und das Kind einfach zum Probetraining kommen soll. Und wir haben keine Ahnung, was mit dem Kind los ist. Wenn es beim Profiklub nicht klappt, taucht es dann ein paar Wochen später auf einmal wieder bei uns auf."

Horrocks schüttelt sicherlich desillusioniert den Kopf, als er diese Sätze langsam ins Telefon spricht. Denn: "Wir würden einem Kind ohnehin niemals verbieten, zu einem Profiklub zu wechseln. Genau das ist es doch, was wir wollen." Fletcher Moss verfügt nicht einmal über eine eigene Erwachsenenmannschaft, die älteste ist die U17. Der Klub ist geschaffen als Durchgangsstation, als Plattform für talentierte Spieler, um sich Profiklubs zu zeigen. Ein Schlüssel dorthin sind sogar die eigenen Trainer, die ihre besten Spieler oftmals direkt an Profiklubs empfehlen. Gleich mehrere arbeiten hauptberuflich als Scouts.

Kein Geld vom großen Fußball für die kleinen Rangers

Irgendwie müssen die Trainer von Fletcher Moss ja auch ihr Geld verdienen, ihre Tätigkeit ist nämlich wie die aller anderen Vereinsmitarbeiter rein ehrenamtlich. Die einzige Einnahmequelle des Klubs sind die Mitgliedsbeiträge der Eltern und die fließen vorrangig in die Infrastruktur. Nötig sind sie, weil vom großen Fußball bei den kleinen Rangers kein Geld ankommt.

"Natürlich bin ich darüber enttäuscht", erklärt Horrocks. Enttäuscht vom englischen Verband FA, der sich seiner Meinung nach zu wenig um Amateurklubs wie Fletcher Moss kümmert, und enttäuscht von Profiklubs wie Manchester United. "Wir versorgen sie haufenweise mit Spielern und würden uns freuen, wenn sie das finanziell wertschätzen würden", sagt Horrocks. "Aber bisher haben wir keinen Penny bekommen." Ausbildungsentschädigungen sind im englischen Fußball in den betreffenden Altersklassen keine vorgesehen.

Gemeldet haben sich nur Jesse Lingard und Tyler Blackett

Und vielleicht am allerenttäuschtesten ist Horrocks von denen, die bei seinem Klub das Fußballspielen lernen - und das bei ihrem Profidebüt Jahre später reihenweise vergessen zu haben scheinen. Lediglich zwei aktuelle Profis hätten sich später gemeldet. Wobei: immerhin zwei. Wenn Horrocks vom Wiedersehen mit ihnen erzählt, wirkt es, als ob diese Erlebnisse vieles wettmachen. Ihm Auftrieb geben, auch mit seinen 66 Jahren weiterzumachen, mit dem was ihm Spaß macht: talentierten Kindern eine Plattform und damit eine Perspektive bieten.

Wer hat sich denn gemeldet? "Jesse Lingard ist vor drei Jahren auf einmal bei uns am Vereinsgelände aufgetaucht und hat einen unserer Trainer gefragt, wie er helfen kann", erzählt Horrocks. "Er meinte, dass seine Mannschaft neue Trainingsjacken braucht und Jesse sagte: 'Kauf sie und gib mir Bescheid, wie viel sie gekostet haben. Ich zahle.' Und das hat er dann auch gemacht."

Der andere war Tyler Blackett, der nach seinem Abschied von Fletcher Moss zunächst die United-Akademie durchlief und aktuell in der zweitklassigen Championship für den FC Reading verteidigt. "Er hat mich vor etwa drei Monaten kontaktiert und gefragt, ob der Klub irgendetwas braucht", erinnert sich Horrocks. "Im Scherz habe ich gesagt: 'Ja, 250.000 Pfund, um unser Vereinsgelände fertigzubauen.' Er meinte, dass er leider nicht so viel Geld habe, aber gerne anders helfen würde. Dann hat er uns 14.000 Pfund gegeben, damit wir allen Kindern neue Trikots kaufen können."

Insgesamt rund 250 Kinder spielen aktuell für Fletcher Moss - und 18 Ex-Spieler in der Akademie von Manchester United. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Horrocks' Liste die Dreistelligkeit erreicht. Und womöglich ist irgendwann auch einer dabei, der die 250.000 Pfund für die Fertigstellung des Vereinsgeländes finanziert. Vor fünf Jahren habe der Klub mit der Errichtung angefangen, erzählt Horrocks. Aber weil das Geld ausgegangen ist, mussten die Bauarbeiten mittlerweile eingestellt werden.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung