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Ex-United-Star Eric  Djemba-Djemba: Wie sich Ronaldos Zimmerkollege in der 5. Schweizer Liga einen Kindheitstraum erfüllte 

Von Oliver Maywurm
Eric Djemba-Djemba im Trikot des FC Nantes, bei Manchester United und mit den Farben Kameruns (v.l.).

Als Top-Talent wechselte Eric Djemba-Djemba 2003 vom FC Nantes zum Weltklub Manchester United und teilte sich dort ein Zimmer mit Cristiano Ronaldo. Nicht der einzige Traum, der in der Karriere des Kameruners wahr werden sollte.

16. August 2003: Manchester United spielt gegen die Bolton Wanderers. Auf den ersten Blick nur ein standesgemäßer 4:0-Sieg der Red Devils zum Auftakt der neuen Premier-League-Saison. Auf den zweiten Blick dann aber doch ein historisches Datum: Der Tag nämlich, an dem ein gewisser, damals 18-jähriger Cristiano Ronaldo sein Debüt für die Red Devils feierte und damit seine Weltkarriere einläutete.

Woran heute längst keiner mehr denkt: Kurz nach CR7, in der 66. Minute, wird ein anderer hoffnungsvoller Neuzugang Uniteds eingewechselt. Eric Djemba-Djemba, ein 22-jähriger Kameruner, der sich in der Ligue 1 beim FC Nantes einen Namen gemacht hatte und kurz zuvor für 4,5 Millionen Euro ins Old Trafford gewechselt war. Doch während Ronaldo heute fünffacher Weltfußballer ist, lebt Djemba-Djemba seinen Traum bei einem Schweizer Fünftligisten.

Von vorn: Djemba-Djemba, der mit 18 aus der kamerunischen Heimat nach Nantes kam, hatte der damalige United-Trainer Sir Alex Ferguson höchstpersönlich in Frankreich beobachtet. In der Saison 2002/03 eroberte sich der zentrale Mittelfeldmann dort einen Stammplatz. "Eric hat uns jedes Mal, wenn wir ihn beobachtet haben, mit seinem Spielverständnis überzeugt", sagte Ferguson. "Er ist schnell, aggressiv, hat ein gutes Passspiel und ist genau der Typ athletischer Spieler, nach dem wir suchen."

Djemba-Djemba kam also mit vielen Vorschusslorbeeren nach Manchester. Und für ihn ging ein Traum in Erfüllung, seit Kindheitstagen war er United-Fan gewesen. "Das erste Trikot, das mein Vater mir schenkte, war von United, mit Cantona und seiner Nummer 7 hinten drauf. Mein Spitzname zuhause war immer Cantona deswegen", sagte er in einem Interview mit American Gambler.

Djemba-Djemba über CR7: "Er war mein bester Freund"

Mit Ronaldo verstand er sich indes auf Anhieb prächtig. Dass sie beide gerade neu in einer fremden Umgebung waren, schweißte zusammen. "Bei Auswärtsspielen war er mein Zimmerpartner, er war mein bester Freund", erinnerte sich der mittlerweile 38-jährige Djemba-Djemba vergangenes Jahr.

Täglich seien sie zusammen zum Training gefahren, mal in seinem Auto, mal in Ronaldos. Und der Portugiese nahm es mit der Disziplin in Sachen Ernährung seinerzeit offenbar noch nicht so ernst wie heutzutage: "Nach dem Training aßen wir immer bei Nando's (Fast-Food-Kette, d. Red.) in Manchester. Dank ihm entdeckte ich Nando's", verrät Djemba-Djemba.

Es entwickelte sich ein inniges Verhältnis zu CR7. "Mal kam er zu mir zum Essen, ich wohnte im alten Haus von Rio Ferdinand. Mal war ich bei ihm zu Hause, seine Mutter lebte damals noch mit ihm im Haus", erzählt der frühere kamerunische Nationalspieler. "Cristiano ist ein emotionaler Typ. Man muss mit ihm reden, um zu erkennen, wie er wirklich ist. Als meine Mutter starb, sagte er zu mir: 'Eric, wenn du mich brauchst, du kannst mich anrufen, mich besuchen. Keine Sorge, ich bin für dich da'."

Sportlich lief es für Djemba-Djemba in England nicht gut. Hatte er beim Debüt gegen Bolton kurz nach seiner Einwechslung noch ein Tor für Paul Scholes aufgelegt und danach dreimal in Folge in der Startelf gestanden, büßte er seinen Platz in der Folge ein. Kapitän Roy Keane, der zunächst noch verletzt gefehlt hatte, kam zurück - und der Neue aus Nantes musste auf die Bank.

Eric Djemba-Djemba: "Habe nicht alles verloren, aber viel"

"Es war schwierig", sagte Djemba-Djemba der Sun. "Ich war 22, kam gerade aus Frankreich und ging zu einem der größten Teams der Welt. Der Druck war enorm und Roy Keane ein gestandener Mann." Er machte in seiner ersten Saison zwar immerhin 15 Spiele in der Premier League, aber er fand keinen Rhythmus, spielte teilweise monatelang überhaupt nicht.

Und nachdem es zu Beginn seines zweiten Jahres kurz so ausgesehen hatte, als würde er im Old Trafford doch noch die Kurve bekommen, musste er bei Halbzeit der Saison 2004/05 gehen, wurde an Aston Villa verkauft. Auch dort lief es nicht - und zu den sportlichen Problemen kamen auch noch finanzielle hinzu.

"Es war schwer, mit dem vielen Geld umzugehen. Jetzt bin ich erwachsen, habe dazugelernt. Aber damals war ich einfach zu leichtgläubig." Er vertraute seinem Berater, der Steuerzahlungen versäumte und ihm damit Schulden aufbürdete. Er verteilte das Geld sorglos an Freunde in Kamerun und Frankreich. "Ich habe nicht alles verloren, aber viel", sagt er.

Berichte über Djemba-Djembas Insolvenz, die nach seinem Aus bei Villa im Sommer 2007 aufkamen, seien allerdings unzutreffend gewesen, betont er. Zurück in die Premier League kam er seither nie wieder, es blieb bei 31 Einsätzen in Englands Eliteliga.

Djemba-Djemba, 2007 ja erst 26, hatte eine ruhmreiche Laufbahn verspielt. Er ging zunächst für ein Jahr nach Katar, machte dann in vier Jahren bei Odense immerhin noch mehr als 100 Erstligaspiele in Dänemark.

Djemba-Djemba: Kindheitstraum in der 5. Schweizer Liga

Nach weiteren Stationen in Serbien, Israel, Schottland, Indien und Indonesien kickt Djemba-Djemba seit Ende 2016 in der Schweiz. Fünfte Liga, weit weg von Profifußball, beim FC Vallorbe-Ballaigues in der Nähe von Genf. "Ich kam wegen meines Freundes Jacques Etonde hierher, mit dem ich in Kamerun aufwuchs", erklärt er.

Damals, beim Zocken in den Straßen der Millionenstadt Douala im Südwesten Kameruns, hatten sie beide gemeinsam von Großem geträumt. "Als mein Vertrag in Indonesien auslief, fragte er, ob ich aufhören wolle oder Angebote vorliegen habe. Es war unser Kindheitstraum, eines Tages zusammen in Europa zu spielen, nachdem wir in Afrika zusammen aufgewachsen waren."

Kumpel Etonde wechselte 2018 zwar den Verein, Djemba-Djemba schnürt seine Schuhe aber immer noch auf den Schweizer Amateurplätzen. Er ist glücklich, ist nach Jahren des auf der ganzen Welt umherwandernden Profidaseins wieder in der Nähe seiner Familie. "Meine Kinder wachsen in Nantes auf, es war schwer für mich. Ich konnte sie nur zweimal im Jahr wirklich sehen. Jetzt, da ich hier lebe, habe ich zu ihnen nur eine Zugfahrt von zwei oder drei Stunden, das ist viel besser", erklärt er.

Wie lange er noch weiter macht, ist offen. Jedenfalls genießt er es, auch mal wieder Bodenständigkeit zu leben. "Ich bin nicht anders als meine Teamkollegen. Ich liebe es einfach, zu spielen. Und nach dem Training schleppe ich die Ballsäcke und Wasserflaschen."

Das Erlebte, das Spielen in der wohl besten Liga der Welt, hat er dabei für immer in seinen Erinnerungen gespeichert. Genau wie den berühmten Freund, den Djemba-Djemba dabei fand: "Wir haben noch Kontakt. Cristiano wechselt zwar seine Handynummer wie seine Unterhose, aber wenn ich mit ihm reden will, weiß ich schon immer, wie ich das anstelle."

Eric Djemba-Djemba im Steckbrief
Geburtsdatum (Alter)4. Mai 1981 (38)
Geburtsort/NationalitätDouala/Kamerun
Größe1,77 Meter
PositionDefensives Mittefeld
Länderspiele/Tore26/2
Aktueller VereinFC Vallorbe-Ballaigues
Ehemalige Vereine (u.a.)Chennaiyin FC, Hapoel Tel Aviv, Partizan, Odense BK, Aston Villa, Qatar SC, FC Burnley, Manchester United, FC Nantes,
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