Fussball

Corona-Krise und ihre Folgen für Spielerverträge: Fragen und Antworten zur neuen FIFA-Richtlinie

SID
Ist von den neuen FIFA-RIchtlinen bei Saisonverlängerung unmittelbar betroffen: BVB-Star Mario Götze

Durch die Coronakrise ist der Profifußball nahezu weltweit zum Erliegen gekommen. Ob die derzeit unterbrochenen Ligen bis zum regulären Saisonende am 30. Juni fertig gespielt werden können, erscheint mehr als fraglich. Daher hat die FIFA nun mit Anpassungen reagiert und ermöglicht so auch vertragsrechtlich die Verlängerung der Saison über das reguläre Ende hinaus. Doch diese haben auch Konfliktpotenzial. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet das für auslaufende Verträge?

Mit dem regulären Saisonende am 30. Juni enden auch auslaufende Spielerverträge. Sollte die Saison jedoch darüber hinaus gehen, droht Chaos. "Aus diesem Grund sollen Verträge bis zum effektiven Ende der Saison verlängert werden", schrieb die FIFA in ihrer Mitteilung. Sollte die Saison beispielsweise erst am 30. August enden, gelten auslaufende Verträge auch bis dahin. Die FIFA will dadurch "sportliche Integrität und Stabilität" sicherstellen.

Wie sieht es mit Verträgen aus, die zum 1. Juli 2020 bereits abgeschlossen wurden?

Auch hier setzt die FIFA auf Flexibilität. Bei einer möglichen Verlängerung der Saison verschiebt sich auch der Start der folgenden Spielzeit nach hinten - neue Verträge werden daher erst wirksam, wenn die neue Saison "effektiv beginnt".

Welche Spieler wären in der Bundesliga betroffen?

Prominentester Name ist sicherlich WM-Finaltorschütze Mario Götze, dessen Vertrag bei Borussia Dortmund Ende Juni ausläuft. Leverkusens Charles Aranguiz oder Schalkes Benjamin Stambouli stehen derzeit ebenfalls noch vor einer ungewissen Zukunft ab Sommer. Sollte sich die Saison verlängern, müsste etwa Torhüter Alexander Nübel länger auf seinen ablösefreien Wechsel von Schalke 04 zu Rekordmeister Bayern München warten.

Gibt es rechtliche Bedenken?

Die Richtlinien könnten durchaus Probleme hervorrufen. "Da sehe ich ein hohes Streitpotenzial", sagte Sportrechtler Michael Lehner dem SID: "Das scheint mir sehr weitreichend zu sein, wenn Betroffene nicht einverstanden sind und sich dagegen wehren." Zwar müsse der Heidelberger Jurist erst konkrete Fälle abwarten, er sieht jedoch einen "erheblichen Eingriff in die Privatautonomie der jeweiligen Vereine, Verträge und Spieler".

Welche Auswirkungen haben die Richtlinien auf das Transferfenster im Sommer?

Auch die Wechselperiode wird sich verzögern, sollte die Saison länger als normalerweise geplant dauern. Bislang begann das Sommer-Transferfenster stets am 1. Juli und endete in den meisten Ligen am 31. August, auch dies würde neuen faktischen Gegebenheiten angepasst werden. Die FIFA strebt "flexible Lösungen" an, um die Transferperiode zwischen das Ende der alten und den Beginn der neuen Saison zu verschieben - wann auch immer diese sein mögen.

Sind diese Empfehlungen bindend?

Nein, zumindest nicht offiziell. Doch die FIFA ließ wenig Spielraum. Der Weltverband hoffe und erwarte, dass die Richtlinien "weltweit befolgt werden", schrieb er in der Mitteilung.

Wie groß sind die Chancen, dass die Saison doch bis zum 30. Juni beendet werden kann?

Das ist schwer abzusehen. Die Bundesliga pausiert offiziell zunächst bis zum 30. April. Sollte der Spielbetrieb im Mai tatsächlich mit "Geisterspielen" wieder aufgenommen werden, wäre es durchaus möglich, die Bundesliga bis Ende Juni zu Ende zu spielen. Champions und Europa League sind indes auf unbestimmte Zeit unterbrochen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hatte zuletzt im ZDF angekündigt, dass die Spielzeit im Europapokal spätestens im August beendet sein müsse. Alle Länderspiele im Juni sind bereits vertagt, um Freiräume für den Klubfußball zu schaffen.

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