Fussball

Ex-Red-Bull-Torhüter Thomas Dähne im Interview: "Kimmich hat unseren Zeugwart zur Weißglut getrieben"

Von Daniel Nutz
Thomas Dähne spielt aktuell in Polen bei Wisla Plock.

Büchsen Jungs mit 16 oder 17 während einer WM-Endrunde auch mal aus?

Dähne: Ausgebüchst sind wir nicht, es gibt aber eine andere nette Anekdote.

Und zwar?

Dähne: Beim Spiel um Platz drei wollte Matthias Sammer, der damals für den DFB tätig war, zu uns in die Kabine kommen. Da er keine Akkreditierung hatte, nahm der Teammanager meine, um ihn ins Stadioninnere zu schleusen. Direkt im Anschluss an unser Spiel fand das Finale statt und ohne Akkreditierung hatte ich selbst dann keinen Zutritt zur Tribüne. Letztlich stellte sich heraus, dass Sammer mit meiner Akkreditierung schon auf dem Weg zum Flughafen war. Ein Security-Mitarbeiter machte sich dann auf den Weg dorthin und brachte sie mir rechtzeitig zurück.

Aufgrund des Turniers war der Hype um den Jahrgang 1994 sehr groß. Wieso hat es bis auf Can niemand in die Weltspitze geschafft?

Dähne: Es ist schwierig, dafür eine Erklärung zu finden. Letztlich war es eben Juniorenfußball, zwar auf höchstem Niveau, aber trotzdem nicht zu vergleichen mit dem Drumherum bei einer Profimannschaft. Von einem Juniorenspieler auf höchstem Niveau zu einem gestanden Bundesligaspieler ist es ein extrem weiter Weg. Selbst mit 16 oder 17 Jahren kann man nicht vorhersehen, wo es hingeht.

Thomas Dähne von Joshua Kimmich beeindruckt

Welcher Ihrer Mitspieler - egal ob bei Salzburg, Leipzig oder den U-Nationalmannschaften - hat Sie besonders beeindruckt?

Dähne: Joshua Kimmich in Leipzig. Er und Diego Demme waren die Spaßvögel der Mannschaft. Unseren Zeugwart haben sie regelmäßig zur Weißglut getrieben, indem sie Sachen versteckt oder weggenommen haben, die er vorbereitet hatte. Heute ist Joshua ein internationaler Top-Star, und das konnte man damals schon ahnen. Bereits in jungem Alter war er ein absoluter Leader, der permanent mit Mitspielern gesprochen hat. Er hat gecoacht, Hilfestellungen geleistet oder auch - falls nötig - kritische Worte gefunden. Das war für so einen jungen Spieler schon beeindruckend. Ich hätte mir so ein Auftreten in diesem Alter nicht zugetraut. Joshua war dabei immer respektvoll, und hatte schon damals diesen extremen Siegeswillen. Wenn er ein Trainingsspiel verloren hat, war er danach böse.

Wie machte sich das bemerkbar?

Dähne: Er hat beispielsweise die Bälle weggedroschen. Man konnte es ihm einfach ansehen, dass er angepisst war. Natürlich ist das bei vielen Spielern der Fall, keiner verliert gerne, aber er wollte einfach alles und zu jeder Zeit gewinnen.

Sie haben unter anderem unter Niko Kovac, Roger Schmidt, Achim Beierlorzer und Alexander Zorniger trainiert. Haben Sie einen Favoriten?

Dähne: Roger Schmidt. Er hatte eine unglaublich gute und sympathische Art im Umgang. Ich war damals dritter Torwart bei Salzburg. Wenn er mit mir gesprochen hat, fühlte ich mich jedoch wie seine Nummer eins. Er war einfach ein geiler Trainer mit einer guten Spielidee sprich mit Pressing und schnellem Umschaltspiel. Er hatte allerdings auch genau die richtigen Spieler, die seine Philosophie perfekt umsetzen konnten. Sadio Mane beispielsweise ist heute wie geschaffen für den Klopp-Fußball und war es damals für den Schmidt-Fußball.

Niko Kovac war Ihr Trainer bei der zweiten Mannschaft von Salzburg.

Dähne: Ich kann mich noch daran erinnern, dass er beim Kreisspiel immer dabei und sich nicht zu schade war, einen Spieler wegzugrätschen, wenn der aus der Übung einen Spaß machen wollte.

Wie bewerten Sie seine Zeit beim FC Bayern?

Dähne: Ich denke nicht, dass Bayern zu groß war für ihn. Was intern passierte, kann ich natürlich nicht einschätzen. Als Trainer beim FC Bayern hast du permanenten Erfolgsdruck, das ist eine extreme Herausforderung. Vielleicht ist bei den Münchnern einfach ein anderer Typ gefragt.

Macht sich ein Thomas Dähne mit 26 bereits Gedanken über seine Zeit nach der Karriere?

Dähne: Ja, ich habe vor einem Jahr eine Art Fernstudium zum Immobilienmakler gemacht, weil mich das interessiert und weil ich es wichtig finde, auch für die Zeit nach dem Fußball etwas zu haben. Sollte ich meine Karriere irgendwann mal beenden, wäre ich mit einem Job in dieser Branche auf jeden Fall glücklich.

Abschlussfrage an einen Experten: Wer ist derzeit der beste Torhüter der Welt?

Dähne: Es gibt einige gute Keeper. Liverpools Alisson gefällt mir aktuell sehr gut, das Komplettpaket passt einfach, auch mit Ball am Fuß ist er sehr gut. Außerdem natürlich Marc-Andre ter Stegen und - auch wenn er in den vergangenen Jahren durchaus kritischer beäugt wird - Manuel Neuer. Zu Neuer habe ich jahrelang aufgeschaut, er war über einen langen Zeitraum die unangefochtene Nummer eins. Aktuell ist für mich jedoch Alisson der beste Torwart der Welt.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung