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Fussball

Hany Mukhtar im Interview: "Der hat sich doch glatt meinen Torjubel tätowieren lassen"

Von Michael Reis

Was würden Sie jungen Spielern mit Ihrem Wissen von heute mit auf den Weg geben?

Mukhtar: Die jungen Spieler müssen lernen, sich durchzubeißen und sich nicht nur auf das Talent verlassen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und nur das zählt am Ende, wenn man sich durchsetzen will. Dazu gehört es auch, im Training immer etwas mehr zu machen, als andere. Das ist harte Arbeit.

Was hat bei Ihnen den Ausschlag für eine Wende zum Guten gegeben?

Mukhtar: In Kopenhagen war Rodolph Austin mein Nachbar. Ein erfahrener, jamaikanischer Nationalspieler, der zuvor bei Leeds United ein Star war. Wir haben fast jeden Abend zusammen gegessen und uns unterhalten. Er meinte: ‚Hany, wenn Du selbst nicht an Dich glaubst, dann wird niemand auf der Welt an Dich glauben.' Das hat mich berührt und fortan geprägt. Nur mit dieser Einstellung kommt man im Fußballgeschäft weiter. Nur wenn man seinen eigenen Stärken vertraut, vertraut auch ein Trainer darauf.

Haben Sie deshalb den Hashtag #teamdreambig in Ihrem Instagram-Profil?

Mukhtar: Ja, das #teamdreambig habe ich mir dazu ausgedacht. Und der größte Traum, den man verwirklichen kann, ist erst einmal immer der nächste. Ich versuche jeden Tag, in meiner Entwicklung einen großen Schritt vorwärts zu machen.

Auf Instagram nennen Sie sich auch Prince. Warum?

Mukhtar: Als Berliner Junge bei der Hertha habe ich zu Kevin-Prince Boateng aufgeschaut. Seine Karriere ist faszinierend. Dann haben mich in der Jugend viele Prince gerufen. Es wurde so eine Art Kosename. Ich habe das damals auf Facebook in meinem Profil benutzt und bei Instagram weiter übernommen.

Hatten Sie sonst noch Vorbilder?

Mukhtar: Als kleiner Junge haben mich immer die Stars fasziniert, die etwas Besonderes mit dem Ball konnten. So wie Ronaldinho und Zinedine Zidane. Denen habe ich sehr gerne zugeschaut.

Mukhtar erzählt witzige Tattoo-Anekdote

Und mit wem haben Sie am liebsten zusammengespielt?

Mukhtar: Jonas von Benfica Lissabon. Wenn ich über ihn rede, bekomme ich gleich wieder Gänsehaut. Er war nicht der schnellste oder dribbelstärkste oder dynamischste Spieler. Aber bei ihm wusste man nie, was mit seinem feinen Fuß als Nächstes kommt, womit er einen überrascht. Es machte einfach immer Spaß, ihm beim Spielen zuzuschauen.

Haben Sie auch einen Gegenspieler, der Sie beeindruckt hat?

Mukhtar: Philipp Lahm hat mich total beeindruckt. Ich habe zwar nur zwei Mal kurz gegen ihn gespielt. Er hatte zuvor Jahre lang als rechter Verteidiger gespielt. Dann kommt Pep Guardiola zum FC Bayern, setzt ihn im defensiven Mittelfeld ein und Lahm tritt da so auf, als hätte er nie auf einer anderen Position gespielt. Dass er auch eher klein und wendig war, so wie ich, hat mir auch gefallen. Insgesamt macht es mehr Sinn, sich von Spielern mit ähnlicher Statur etwas abzuschauen.

Welches Erlebnis war nach dem EM-Titel das schönste Ihrer Karriere?

Mukhtar: Das war eine kuriose Aktion eines Fans nach meinem Siegtreffer in der Schlussminute im Derby 2018 gegen den FC Kopenhagen. Der hat sich doch glatt meinen Torjubel auf die rechte Brust tätowieren lassen. Ich habe ihn angeschrieben und getroffen und ihm ein signiertes Trikot sowie meine Fußballschuhe geschenkt.

Hany Mukhtar: "Der Umgang mit den Medien war ein kleiner Schock"

Was erwarten Sie sich nun von der Zeit in Nashville?

Mukhtar: Ich bin nicht nach Nashville gewechselt, um Urlaub zu machen und nur ein wenig zu kicken. Dream big - ich will mit Nashville eine Ära für den Verein prägen. Spielerisch finde ich das Niveau in der MLS übrigens sehr gut, vor allem offensiv. Es sind ein paar mehr Räume da, das kommt mir zugute. Und wenn man sich mal die Tore an jedem Spieltag anschaut, sind gefühlt neun von zehn Traumtore. Das ist der Wahnsinn.

Was ist in der MLS noch anders als in den anderen Ligen?

Mukhtar: Der Umgang mit den Medien war ein kleiner Schock. Wir sind keine fünf Minuten in der Kabine und auf einmal wird eine Horde Journalisten reingelassen. Einige Spieler standen nur in Unterhose rum. Aber die waren das ja teilweise schon alle gewohnt. So läuft das in den USA. Ich dusche jetzt extra immer ein bisschen länger. Ich werde von unserer Medienabteilung auch noch ein wenig geschützt. Unser Kapitän Dax McCarty übernimmt den Hauptpart meist.

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