Fussball

Andreas Beck im Interview: "Der VfB ist ein unglaublich komplizierter Verein"

Andreas Beck stieg mit dem VfB Stuttgart in die 2. Liga ab.

Wenn wir zu Ihrem neuen Verein kommen: Der Wechsel nach Eupen kam überraschend, wie überrascht waren Sie von der Option KAS Eupen?

Beck: Als mein Bruder meinte, dass es eine spannende Geschichte aus Belgien gibt und ich dann zum ersten Mal Eupen gehört habe, war meine Reaktion auch: Okay, das habe ich so jetzt noch nicht gehört. (lacht) Ich hatte auch ein paar andere Angebote auf dem Tisch und habe den Gedanken an Belgien zusammen mit meiner Frau einige Tage gedeihen lassen, aber als die Gespräche dann forciert wurden, habe ich jeden Tag ein besseres Gefühl bekommen. Mir war recht schnell klar, dass es das ist, was ich gerne machen will.

Die Verbindung nach Katar durch die Aspire Foundation hat Sie nicht abgeschreckt?

Beck: Mir ging es um eine neue Liga, eine neue Fußballkultur, persönliche Wertschätzung, ein Vertragsangebot über drei Jahre, es hat so viel gepasst. Dazu kommt eine junge dynamische Mannschaft mit einem spannenden Trainer und sehr spannendem Konzept, der mich aufgrund meiner Erfahrung als Stütze sieht. Das war mir wichtig. Natürlich weiß ich um den finanziellen Hintergrund, aber ich habe auch hier von Anfang an die positiven Seiten gesehen. Vielleicht liegt es an meiner Hoffenheim-Vergangenheit, ich habe da viele Parallelen und Gemeinsamkeiten entdeckt. Ich finde viele Inhalte der Aspire Academy spannend. Ich habe mir viel erzählen lassen, gerade was den Bereich Talentförderung und das Scoutingnetzwerk angeht. Im Hinblick auf die WM 2022 wurde einiges auf die Beine gestellt, was sich ja auch darin zeigt, dass Katar den Asien-Cup gewonnen hat. Mit einer Mannschaft, die auch von Spielern aus Eupen geprägt war.

Bei genauerer Betrachtung passt nochmal ein Wechsel nach Belgien auch besser zu Ihnen. Ihre Zeit in der Türkei war prägend, jetzt kommt ein neues völlig anders gelagertes Abenteuer.

Beck: Das stimmt. Ich hätte auch nochmal einen Vertrag in der Bundesliga unterschreiben können, aber die Frage war, was mir wichtig ist. Mir bedeutet es nicht so viel, ob ich jetzt 290 Bundesligaspiele habe oder 320. Ich wollte mal wieder aus der Komfortzone heraus und über den Tellerrand hinausschauen. Ich habe keine Ahnung, ob es sportlich erfolgreich wird, oder total schwer, beides kann passieren. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich neue Herausforderungen immer mit offenen Armen annehme. Es prasselt zwar sehr viel auf mich ein, auch privat, weil ich in Bälde zum zweiten Mal Vater werde, aber es hält einen auch lebendig. Ich bin mir sicher, dass mich diese drei Jahre wieder weiterbringen werden. Ich lasse mich total drauf ein.

Andreas Beck: "Ich bin vom Niveau positiv überrascht"

Auch auf den neuen Modus?

Beck: Auch auf den neuen Modus. (lacht) Ich bin gespannt, wie es mit Meisterrunde und Playoffs so ist. Nach der Saison können wir dann ein Fazit ziehen.

Haben Sie es schon ausgenutzt, im Dreiländereck zu leben?

Beck: Ich lebe im Moment noch in Aachen im Hotel und es gab tatsächlich schon Tage, als ich morgens in Deutschland aufgewacht bin, dann in Belgien trainiert habe und später noch in Maastricht im äußersten Süden der Niederlande war. Das ist eine richtig schöne Stadt. Es hat schon seinen Charme, im Dreiländereck zu leben. Es ist alles sehr idyllisch. Klein, aber fein. Das Trainingszentrum ist top, aber es gibt auch noch einige Stufen, die wir erklimmen müssen als Verein. Das ist unsere Aufgabe.

Wie beurteilen Sie die Qualität, die in Ihrer neuen Mannschaft vorhanden ist?

Beck: Ich bin vom Niveau sehr positiv überrascht. Wir haben gute Jungs in der Truppe und einen Trainer, der Fußball spielen lassen will und schon Erfolge nachgewiesen hat.

Andreas Beck: "Ich muss dann zurück auf die Schulbank"

Benat San Jose ist erst 39 Jahre alt und in seiner Vita stehen als Stationen schon Saudi-Arabien, Chile, Bolivien und Dubai.

Beck: Er ist eine extrem spannende Persönlichkeit. Wenn du noch keine 40 bist, aber als Spanier mit der spanischen Fußballmentalität in diesen Ländern auf der Welt schon gearbeitet und Erfolge gefeiert hast, sagt das für mich einiges aus. Er ist sehr gut ausgebildet und weiß ganz genau, was er will. Er will Spieler mit Erfahrung auf dem Platz haben, mit der nötigen Abgezocktheit, er fördert aber auch ganz viel Kreativität. Teilweise hat das Spiel auch einen etwas wilden Charakter, was gut ist, solange wir es in die richtige Balance bringen. Testspielergebnisse sagen nicht unbedingt viel aus, aber wir haben zum Beispiel Leverkusen mit 4:3 geschlagen. Wir wollen die beste Saison in der Vereinshistorie spielen. Das bedeutet, dass wir die Top 10 knacken wollen. Das wird nicht einfach, ist aber machbar.

Sie haben für drei Jahre unterschrieben. Ist danach Schluss?

Beck: Ich weiß es nicht. Ich bin im Moment in einer Phase meiner Karriere, in der ich jedes einzelne Training und jedes einzelne Spiel genieße. Darauf liegt mein ganzer Fokus. Ich weiß nicht, wie lange der Motor noch läuft. Wie lange die Motivation noch da sein wird. Davon wird es abhängen. Aber es kann auch noch länger gehen. Ich weiß auch noch nicht, was ich nach der Karriere machen will. Ich denke schon, dass ich im Fußball bleiben werde, aber aktuell genieße ich noch total die Zeit als Spieler. Ich genieße auch die Leiden. Als Fußballprofi leidest du, weil du körperlich und mental an deine Grenzen stößt, aber das genieße ich tatsächlich auch. (lacht)

Der VfB hat Ihnen die Tür zur Rückkehr bereits aufgemacht.

Beck: Das ist eine schöne Geste. Aber bevor ich eines Tages in irgendeiner Position zum VfB zurückkehren könnte, müsste ich mir ohnehin erst einmal die nötigen Qualifikationen dafür erwerben. Nur weil ich vielleicht ein verdienter Spieler bin, will ich keinen Posten bekommen. Ich muss dann erstmal zurück auf die Schulbank, mir die nötigen Fachkenntnisse aneignen und mich über Jahre beweisen, egal ob es als Trainer, Manager oder in einer anderen Rolle ist.

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