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Fussball

Ivica Olic im Interview: "Womöglich ist unsere Genetik einfach besonders"

© imago

Ihre erfolgreichste Zeit in Deutschland hatten Sie aber beim FC Bayern, wo Sie von 2009 bis 2012 spielten. Was verbinden Sie mit dem Klub?

Olic: Der FC Bayern hat mir die Möglichkeit gegeben, Titel zu gewinnen und europäischen Spitzenfußball zu spielen. Als kleines Kind war ich Bayern-Fan - so wie die meisten anderen Kroaten auch. Der FC Bayern ist der beliebteste Verein in Kroatien. Das liegt wohl auch daran, dass Zagreb und München nur knapp 500 Kilometer voneinander entfernt sind.

Sie kamen 2009 gleichzeitig mit dem neuen Trainer Louis van Gaal in den Verein.

Olic: Ich hatte bereits unterschrieben, bevor klar war, dass van Gaal kommen würde. Das erste, was er zu mir sagte, war: "Ich habe genügend Stürmer, du kannst gleich wieder gehen." Immerhin standen damals Miroslav Klose, Luca Toni und Mario Gomez unter Vertrag. Daraufhin habe ich geantwortet: "Ich bin doch gerade erst gekommen und will um meine Chance kämpfen. Zurück zum HSV kann ich auch im nächsten Sommer."

Wie ging es weiter?

Olic: Nach drei Wochen Vorbereitung kam er wieder zu mir und meinte: "Wenn du so weitermachst, bist du Stammspieler." Viele Trainer sagen, dass nicht der Name, sondern nur die Leistung zählt - van Gaal ist einer der wenigen, der das auch tatsächlich umsetzt.

Wie hat er persönlich auf Sie gewirkt?

Olic: Am Anfang hat er mir ein bisschen Angst eingejagt. Ein Erlebnis werde ich nie vergessen: Wir waren bei einer Trainingseinheit nicht so konzentriert und daraufhin wurde er so nervös, dass er nicht mal essen konnte. Nur weil ein einziges Training schlecht war. Aber wenn alles gut lief, war er auch zu Späßen aufgelegt.

Aktuell trainiert Ihr Landsmann Niko Kovac den FC Bayern. Zuletzt stand er in der Kritik.

Olic: Niko hat es verdient, Bayern-Trainer zu sein. Ich bin mir sicher, dass er in den nächsten Jahren noch viele Titel mit Bayern gewinnen wird. Mit Frankfurt hat er beinahe Unmögliches geschafft. Als er den Trainerposten übernahm, war es dort fast so chaotisch wie in Hamburg. Und als er ging, war der Klub DFB-Pokalsieger. Er hat Stabilität gebracht und auch schönen Fußball spielen lassen.

Sie haben in der kroatischen Nationalmannschaft mit Kovac zusammengespielt. Was ist er für ein Charakter?

Olic: Niko ist ein Deutscher in kroatischer Haut. Schon als Spieler war er ein hundertprozentiger Profi und das gleiche fordert er jetzt von seinen Spielern. Ich glaube, er ist in seiner gesamten Karriere kein einziges Mal zu spät gekommen. Wir haben damals bei der kroatischen Nationalmannschaft am Abend oft Romme gespielt. Die Vorgabe vom Trainer war, dass wir um 23 Uhr im Bett liegen. Niko ist immer als Einziger um 22.55 Uhr aufgestanden und in sein Zimmer gegangen. Alle anderen haben die Zeit kroatisch ausgelegt: erstmal bis 23.10 Uhr weiterspielen und schauen, was passiert.

War damals schon absehbar, dass er das Potenzial zum Trainer besitzt?

Olic: Als ich 2002 erstmals nominiert wurde, war Niko schon lange dabei und sehr erfahren. Er spielte als Sechser und war eigentlich der Trainer auf dem Platz. Er hat gedacht und gehandelt wie ein Trainer. Wenn ich eines Tages einen Cheftrainerposten bekommen sollte, würde ich als erstes Niko anrufen und mir Tipps von ihm holen.

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