Fussball

Mourinho-Biograph Pereira im Interview: "Die Bundesliga fehlt noch"

Jose Mourinho ist seit dem 18. Dezember 2018 vereinslos.

Manuel Pereira zählt zu den bekanntesten Journalisten Portugals. Der 70-Jährige lebt seit 1979 in Madrid, wo er hauptsächlich als Korrespondent für die große portugiesische Sportzeitung A Bola sowie als Dozent für Journalismus im Einsatz ist. Kaum ein Reporter kennt Jose Mourinho so gut wie er. 2012 schrieb Pereira in enger Zusammenarbeit mit Mourinhos Berater Jorge Mendes die Biographie "Mourinho - El Unico" (auf Deutsch: "Mourinho - Der Einzigartige").

Im Interview mit SPOX und Goal spricht der Mourinho-Experte über die Entlassung des "Special One" bei Manchester United, dessen gestörtes Verhältnis zu Paul Pogba und die Zukunftspläne des 55-Jährigen. Neben einer Rückkehr zu Real Madrid sei auch ein Engagement in der Bundesliga für Mourinho denkbar, so Pereira.

Herr Pereira, was lief schief zwischen Jose Mourinho und Manchester United?

Manuel Pereira: Ich bin mir sicher, nicht einmal Mourinho selbst hat eine klare Antwort auf diese Frage. Es gab von Anfang an Schwierigkeiten zwischen ihm und den Verantwortlichen. Er wünschte sich Spieler, die er nie bekam. Das frustrierte ihn, weil er nicht der Meinung war, mit dieser Mannschaft um alle Titel mitspielen zu können. Mit den Spielern verstand er sich zu Beginn aber. Das zeigte auch der Erfolg in der Europa League. Spätestens mit Beginn dieser Saison verlor er aber mehr und mehr die Unterstützung der Kabine, bis er nicht mehr tragbar war. Wie groß seine Probleme mit der Mannschaft am Ende waren, wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie sie jetzt unter seinem Nachfolger spielt.

Wie kam es zu dem Bruch in der United-Kabine? Bei Real Madrid und dem FC Chelsea zerstritt sich Mourinho ebenfalls mit wichtigen Spielern.

Pereira: Korrekt. Die Geschichte hat sich wiederholt. Mourinho ist nun einmal ein Trainer für kürzere Perioden. Er ist nie länger als zwei, drei Jahre bei einem Klub, hat erst Erfolg und geht schließlich doch im Streit, weil die Chemie intern einfach nicht mehr stimmt. Das ist eben Mourinho. Ein sehr ambitionierter und fordernder Trainer, für manche Spieler nach einer gewissen Zeit aber zu fordernd. Sie lassen irgendwann locker und ruhen sich aus. Das war auch in Manchester der Fall - und für mich schon vor der Saison absehbar.

Trennung von Rui Faria entscheidend: "Er war sein Spiegel"

Warum?

Pereira: Weil Rui Faria, sein Co-Trainer, ging. Er war so etwas wie Mourinhos rechte Hand, Mourinhos Spiegel. Ein Fußball-Fachmann, der Mourinhos Arbeitsweise besser als jeder andere verstand. Die Trennung von ihm, aber auch die einmal mehr nicht zustande gekommenen Transfers waren letztlich maßgeblich entscheidend für Mourinhos Scheitern.

Der Klub soll Mourinho eine Abfindung in Höhe von 25 Millionen Euro gezahlt haben.

Pereira: Es ist immer noch preiswerter, einen Trainer zu entlassen anstatt eine ganze Mannschaft. Den Verantwortlichen blieb keine andere Wahl mehr. Der Druck war riesig. Ein Klub wie Manchester United kann sich nicht mit dem sechsten oder siebten Platz zufriedengeben. Auch wenn Mannschaften wie Liverpool oder City stärker sind: Einen Champions-League-Platz sollte man mit diesem Kader schon belegen. Obwohl Mourinho nicht jeden Spieler bekam, den er wollte, wurde sehr viel Geld ohne angemessenen Ertrag ausgegeben. Da brachte Mourinho auch nicht, dass sich sein Team im Dezember für das Champions-League-Achtelfinale qualifizierte.

Sie kennen Mourinho, seinen Berater und Personen aus seinem Umfeld persönlich. Wie geht er mit dieser Entlassung um?

Pereira: Die Erfahrung in Manchester ist eine der bittersten, die er in seiner Laufbahn als Trainer gemacht hat. Ich habe keinen direkten Kontakt zu ihm, aber ich bin mir sicher, dass er enttäuscht und sogar ein Stück weit schockiert über das ist, was in den vergangenen Monaten passiert ist.

"Mourinho wird nicht aufhören, Mourinho zu sein"

Hinterfragt sich Mourinho eigentlich auch selbst? In Interviews und auf Pressekonferenz wirkt er selbstgefällig und arrogant, sucht die Schuld gerne bei anderen.

Pereira: Das ist seine Strategie in der Öffentlichkeit und auch ein Teil seines Images. Sie können versichert sein: Jose Mourinho wird nicht aufhören, Jose Mourinho zu sein. Er wäre nur einer von vielen Trainern, wenn er sich auf Knopfdruck anders verhalten würde. Er ist "the Special One", weil er sich speziell verhält. Er hat dieses Image geschaffen und wird daran festhalten. Das heißt aber nicht, dass er sich nicht hinterfragt. Er ist ein intelligenter Mensch und spricht mit seinen Nahestehenden über alles. Gerade nach dieser Erfahrung in Manchester wird er sich jetzt häufiger die Frage stellen: "Warum ist mir das passiert?"

Wirklich?

Pereira: Logisch. Mourinho ist nicht beratungsresistent. Er weiß, dass bei United einiges schiefgelaufen ist und wird nach Lösungen suchen, um ein derartiges Versagen in Zukunft zu vermeiden. Er ordnet dem Erfolg alles unter. Wenn er dafür seine Methoden hinter den Kulissen ändern muss, wird er das tun. Er kann sich umstellen. In der Öffentlichkeit wird er aber der Mourinho bleiben, den alle kennen.

Mourinho gilt als Kontrollfreak. Stimmt es eigentlich, dass er seine Spieler bei United und wieder observiert hat?

Pereira: Er ist mit Sicherheit niemand, der das Privatleben seiner Spieler kontrolliert. Das ist auch nicht sein Recht. Wenn es um den Fußball geht, hat er aber gerne die volle Kontrolle. Mourinho wird schnell misstrauisch gegenüber Spielern, die im Training und in den Spielen nicht ihr Maximum abrufen. Das kann ein, zwei oder drei Mal passieren, aber nicht regelmäßig. Er will nicht, dass sie herumalbern, sondern sich diszipliniert verhalten und Fußball spielen. Dafür werden sie ja auch bezahlt.

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