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Fussball

Rassisten, Hetzer, Pseudo-Terroristen

Von Oliver Birkner / Dominik Stenzel / Niccolo Schmitter
Pescaras Sulley Muntari wurde in Cagliari von einer Gruppe Fans systematisch verhöhnt

Primera Division

Von Niccolo Schmitter

Pseudo-Terrorist des Spieltags: Spätestens seit den Pariser Anschlägen im November 2015 hat sich Europa verändert. Zumindest in den Medien sowie der Politik überschlagen sich die Reichelts und Bosbachs dieser Welt mit immer neuen Zeitrechnungen. Während der Durchschnittsbürger unter strahlender Sonne doch nur in Ruhe seinen Pumpkin-Spice-Latte-Frappuccino genießen möchte, so schreien ihn die Zeitungsboxen mit immer neuen Horror-Szenarien an (Stichwort: ANGST). Wenn der Fernseher also wieder eine Frau mittleren Alters zeigt, die zum zehnten Mal in diesem Jahr die Frage "Sind wir noch sicher?" mit fünf weiteren Menschen mittleren Alters diskutieren möchte; so sollte man nicht in Panik verfallen und sein Leben weiterleben.

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Was man im Jahr 2017 aber wiederum nicht machen sollte, ist ein volles Fußball-Stadium zu betreten und einfach mal mit einer Handwaffe in die Luft zu feuern. Auch nicht, wenn es keine echte Handwaffe ist. Und auch nicht, wenn sie nur mit Platzpatronen befüllt ist. Einem Anhänger des FC Barcelona scheint dies jedoch nicht bewusst gewesen zu sein, als er den Teil des Power8 Stadions voller Espanyol-Fans betrat und seine Pöbeleien mit einer Fake-Pistole musisch untermalte. Nachdem die Sicherheitskräfte ihn erst ins Stadion spazieren ließen, reagierten sie schließlich und nahmen den Mann, der "Symptome von Betrunkenheit" zeigte, ohne weitere Zwischenfälle fest.

Dass diese Geschichte nicht von deutschen Qualitätsmedien aufgegriffen wurde, lag übrigens nur daran, dass der Mann offenbar "Forca Barca" rief und nicht "Allahu Akbar". Auch wenn beide Phrasen natürlich Verwechslungsgefahr bergen. Nach diesem Schockmoment mussten die Espanyol-Anhänger außerdem gleich noch den Nächsten verdauen, ging das Derby gegen den Stadtrivalen doch erneut verloren. Die Pericos warten also seit sage und schreibe 15 Pflichtspielen auf einen Sieg gegen die Blaugrana. Zumindest hier hat sich in Europa nichts verändert.

Katari des Spieltags: Verweilen wir doch gleich beim Abschaum aus Katalonien. Oh, tut mir leid! Da habe ich mich wohl im Ton vergriffen. Solche Ausrutscher können jedoch geschehen, wenn man zu viel Zeit auf dem Twitter-Account vom Präsidenten des FC Malaga verbringt. Zwischen allerlei Retweets und Suren aus dem Koran kann der eifrige Leser auch persönliche Antworten auf Fan-Fragen von Abdullah Al-Thani finden.

Ein Anhänger vom FC Barcelona fragte ihn beispielsweise scherzhaft, ob sein Verein der Blaugrana im Meisterschaftsrennen nicht etwas unter die Arme greifen könne. Am letzten und dem womöglich alles entscheidenden Spieltag muss Real Madrid nämlich in Andalusien ran. Al-Thanis Antwort: "So Gott will werden sie [Anm.: Real] auf dem Platz verprügelt werden. Aber der Abschaum aus Katalonien wird die Meisterschaft nach den Lügen, die sie über Trainer Michel verbreitet haben, nicht riechen." Mal abgesehen von der Frage, wie man einen Ligatitel riechen kann: Das ist aber nicht die feine katarische Art. Zumal Barcelona und Katar doch so etwas wie Partner-Emirate sind?

Der katalanische Effzeh fand den Tweet jedenfalls nicht besonders witzig und kündigte offizielle Beschwerden bei allen Autoritäten im spanischen Fußball an. Nur wenige Stunden später reagierte Al-Thani; natürlich auf Twitter. Der Presidente beteuerte, dass jene Worte nur gegen die katalanische Presse gerichtet waren. Diese hatte nämlich spekuliert, dass Michel, Trainer des FC Malaga und Ex-Madrilene, sein Team am letzten Spieltag gegen Real absichtlich verlieren lassen könnte. Wie kommen die Medien nur darauf?

Könnte es daran liegen, dass Michel öffentlich aussagte, er würde bei Real lieber Spalier stehen lassen, als ihnen einen Dämpfer zu verpassen? Oder könnte es daran liegen, dass der Trainer, angesprochen auf Jorge Valdano, der als Ex-Königlicher zwei Meisterschaften seiner alten Liebe als Trainer von CD Teneriffa vereitelte, sagte: "Der Unterschied zwischen Valdano und mir ist, dass ich viel mehr Madridista bin." Könnte sein, muss aber nicht.

Algo mas? Barcelona und Katar? Da müssen wir doch gleich noch einen kurzen Sprung zu Xavi machen, der am vergangenen Wochenende seine Pokalsammlung endlich mit dem wichtigsten aller Henkelpotte krönen konnte. Neben den eher semi-relevanten Titeln aus der Champions League, Weltmeisterschaft, Europameisterschaft oder Primera Division ragt nun der Qatar Cup hervor.

Am vergangenen Samstag konnte die Barca-Legende mit Al Sadd die Ligarivalen El Jaish mit 2:1 schlagen. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch! Jetzt kann sich Xavi endlich entspannt zur Ruhe setzen - die Sammlung ist ja nun komplett.

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