In einer weit entfernten Galaxis

Von Oliver Birkner/Frank Oschwald
Ein Mann. Ein Stadion. Ein Bild, wie aus einer anderen Zeit...
© getty
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PREMIER LEAGUE

Frank Oschwald

Heiliger des Spieltags: Es soll den einen oder anderen Engländer geben, der nicht wirklich gern zur Arbeit geht und viel lieber zu Hause auf der Couch sitzt und Fußball schaut. Da jedoch jede kleine Muskelverspannung im unteren Lumbalbereich nach einem interessanten Fußballspiel ins Fantasiereich geschickt wird, wird man auf der Insel jetzt schon einfallsreicher. Ein Fan von Leicester City hat in der letzten Woche bei der Personalabteilung seiner Firma eine offizielle Anfrage auf einen freien Tag eingereicht. Er sei Argentinier und habe einen religiösen Tag zu feiern. Dabei handle es sich um den Tag des "Cambiasso". Die HR-Abteilung antwortete verständnisvoll. Also so wirklich viele Infos habe man über den Feiertag "Cambiasso" jetzt noch nicht gefunden. Ob er denn einen Link schicken könne. Schließlich sei es interessant zu wissen, wie "Cambiasso" denn gefeiert werde. Ob der gute Mann schließlich faul seine Beine hochlegen konnte, ist bislang noch ungeklärt. Doch die Personalabteilung war im abschließenden Statement äußerst zuvorkommend: "Ich bin mir sicher, dass wir da etwas machen können." Gepriesen seist du, großer Esteban.

Fieses Ding des Spieltags: Das ist aber auch immer fies und jeder Fußball-Fan kennt diese Situation eigentlich nur zu gut. Diese fiesen Bälle, die entweder hinten diesen scheinbar nutzlosen Hintertor-Pfosten treffen, das ganze Netz erzappeln lassen und im schlimmsten Fall hinter dem Tor noch im Netz landen. Jedem noch so abgezockten Fan fährt's da gelegentlich bis in den kleinen Zeh und sorgt so für den ein oder anderen peinlichen Moment in der Kurve. Während manch ein Adlerauge den Ball direkt im Aus gesehen hat, schreit der Nebenmann die halbe Tribüne kaputt. David de Gea erging es im Topspiel gegen Chelsea so. Beim Schuss von Wayne Rooney, der sich hinter dem Tor von links nach rechts am Netz entlang zwirbelte, drehte der Keeper schnell ab und riss beide Arme hoch. Ein kräftiges "VAMOS" folgte. Als er knapp drei Sekunden später merkte, dass auf der Tribüne weder Chelsea-Fans in Trauer versanken noch United-Fans sich Bier über die Köppe leerten, machte de Gea eine erneut 180-Grad-Drehung und musste feststellen, dass es sich um einen dieser fiesen Hypochonder-Bälle handelte. Auch wenn man ihm zugutehalten muss, dass er naturgemäß weit vom Schuss entfernt war, hörte man auf der Tribüne dennoch zahlreiche leise Lacher nach dem Jubel.

Anything else? Abschließend holen wir noch die Moralkeule heraus und schwingen ein wenig in der Gegend herum. Denn die Firma "Kick it out" hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche bösen Social-Media-Einträge auf sämtlichen Plattformen zu scannen. Kurz vor Saisonende gab das Unternehmen die erschreckenden Ergebnisse heraus: Alleine in dieser Saison wurden 130.000 beleidigende Posts in England abgesetzt. Dankenswerterweise splittete die Firma die einzelnen Posts auch gleich auf die Vereine. So wurde der Leser informiert, dass der FC Chelsea mit 20.000 beleidigenden Posts am meisten Häme im Internet abbekam - dicht gefolgt von Liverpool (19.000). Von einem eindeutigen Ergebnis bei den Spielern zu sprechen, wäre noch eine himmelweite Untertreibung. Dort thront, oh Wunder, oh Wunder, Mario Balotelli auf Rang eins. Er siegte mit 8.000 Hass-Predigten vor dem Zweitplatzierten Danny Welbeck (1700 Posts). Glückwunsch.

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