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Fussball

"Gepanzerte Fahrzeuge sind normal"

Von Interview: Adrian Fink
Slaven Skeledzic (l.) ist der neue Nationaltrainer Afghanistans
© getty

SPOX: Der Verband AFF sprach im Rahmen Ihrer Vorstellung von der Qualifikation für die WM 2018. Ist das angesichts der aktuellen Weltranglistenplatzierung (144) nicht zu hoch gegriffen?

Skeledzic: Von einer definitiven WM-Teilnahme zu sprechen, ist sehr ambitioniert. Wir müssen zunächst einen hochwertigen Kader zusammenstellen und dann die Mannschaft sowohl spielerisch als auch taktisch auf ein neues, höheres Niveau heben. Wir wollen zwar für eine Überraschung sorgen, aber da muss sehr viel zusammenkommen. Dennoch werden wir alles in die Waagschale werfen und das maximale in allen Bereich rausholen.

SPOX: Der größte Erfolg der afghanischen Nationalmannschaft war der Titelgewinn bei der Südasienmeisterschaft 2013. Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie?

Skeledzic: Ich will die Spielphilosophie auf höchstem Niveau etablieren und später dann verfeinern. Obwohl wir uns nur selten sehen werden, ist es unser Ziel, das Spielniveau deutlich anzuheben und das maximale Potenzial der afghanischen Nationalmannschaft herauszukitzeln.

SPOX: Sie waren in Deutschland als Jugendtrainer tätig. Bei Hannover und dem FSV arbeiteten Sie zudem als Leiter der Nachwuchsabteilung. Wollen Sie auch in Afghanistan die Jugendarbeit vorantreiben?

Skeledzic: Der Fokus liegt ganz klar auf der A-Nationalmannschaft, die wir weiterentwickeln wollen. Es wäre aber trotzdem schön, wenn die jüngeren Mannschaften unser System und unsere Spielphilosophie verinnerlichen und spielen. Wenn sich der ein oder andere dann gut entwickelt, hat er es einfacher, zu uns zu stoßen.

SPOX: Sie haben bereits gesagt, dass Sie den modernen Fußball in Afghanistan einführen wollen. Was genau meinen Sie?

Skeledzic: Ich will die Art und Weise, wie man in Europa erfolgreich Fußball spielt, mitbringen, indem ich die wichtigsten Kriterien des modernen Fußballs in die afghanische Spielweise integriere. Die Fußballidentität der Afghanen wird selbstverständlich unangetastet bleiben.

SPOX: Welche Tugenden zeichnen den afghanischen Fußball aus?

Skeledzic: Es ist für die Spieler eine Herzensangelegenheit, Ihr Land zu repräsentieren. Sie sind technisch- und laufstark, bringen viel Leidenschaft mit und scheuen keinen Zweikampf. So wird es bleiben.

SPOX: Eine große Unterstützung könnte für Sie Ihr Co-Trainer Ali Lali sein, der als Franz Beckenbauer des Landes gilt. Hat er Ihnen geholfen, sich schnell zurechtzufinden?

Skeledzic: Besonders in den Schlussverhandlungen hat er mir sehr geholfen, weil er fließend deutsch, englisch und persisch spricht. Dadurch konnte er für mich übersetzen. Er ist mein Freund und wird mich nicht nur im sportlichen Bereich unterstützen sondern in der gesamten Verbandsarbeit.

SPOX: Stichwort Sprache: Die Amtssprachen in Afghanistan sind Paschtu (afghanisch) und Dari (persisch). Wie funktioniert die Kommunikation mit den Verantwortlichen und Spielern?

Skeledzic: Das ist ein sehr wichtiges Thema, weil es darum geht, wie ich den Spielern unsere Philosophie nahebringen kann. Ali Lali nimmt in diesem Zusammenhang als Übersetzer hier eine sehr wichtige Rolle ein. Diejenigen, die weder englisch noch deutsch sprechen, unterhalten sich mit Ali Lali auf Persisch.

SPOX: Haben Sie vor, eine der einheimischen Sprachen zu lernen?

Skeledzic: Wir werden uns größtenteils auf Englisch unterhalten. Ich denke es wird sehr schwierig die Sprache zu erlernen, aber einige wichtige Wörter und Aussagen würde ich gerne auch in Paschtu und Dari wiedergeben können.

SPOX: Afghanistan ist ein religiös geprägtes Land. Inwieweit spielt für Sie beim Umgang mit den Spielern das Thema Religion eine Rolle?

Skeledzic: Man muss immer auf die Gepflogenheiten eines Landes Rücksicht nehmen. In diesem Fall werden diese von der Religion geprägt und ich werde das natürlich respektieren. Wenn man das im Vorfeld weiß, ist das aber auch kein Problem. Ich muss mich selbst integrieren und dafür sorgen, dass sich die Spieler maximal wohl fühlen. Da ist zum Beispiel die Gebetszeit eventuell wichtiger als das Training, denn das Training kann ich auch um eine Stunde verschieben.

SPOX: Das erste Engagement als Nationaltrainer in Afghanistan anzutreten klingt abenteuerlich. Mit welchen Schwierigkeiten rechnen Sie?

Skeledzic: Das beginnt bei den einfachsten Dingen. Die Spieler sind in verschiedenen Ländern aktiv, wobei jeder Verband eigene Rahmenbedingungen hat. Deshalb kann die Abstellung der Spieler kompliziert werden. Es wird sicherlich Rückschläge geben, aber für jedes Problem gibt es eine Lösung.

Seite 1: Skeledzic über den Mordversuch am Vorgänger und ständige Bewachung

Seite 2: Skeledzic über kulturelle Eigenheiten, die Sprachbarriere und den WM-Traum

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