Der teutonische Gigant schlägt erstmals zu

SID
Freude pur: Auch Guiseppe Rossi feiert mit dem "teutonischen Gigant"
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Primera Division

Von Frank Oschwald

Team des Spieltags: Valencia? Sevilla? Malaga? Atletico Madrid! Das Hauptstadt-Team ist und bleibt aktuell der Champion der anderen Liga in Spanien. Im "neuen Clasico" (Mundo Deportivo) zwischen den Hauptstädtern und dem Vorjahresvierten Real Sociedad ging Atletico als Sieger hervor und bleibt somit als einziges Team neben Villarreal (!), Barca und Real noch ohne Punktverlust. Drei Spiele, drei Siege - für Coach Diego Simeone dennoch kein Grund, ein riesiges Fass aufzumachen. Auch das imaginäre Zepter als Kämpfer gegen die spanischen Verhältnisse weist er von sich. Hoffnung auf Spannung in der Liga durch die dritte Kraft Atletico? Nö. "Das sind doch alles nur Zahlen. Der Sieg ist natürlich wichtig, aber er ist jetzt auch schon wieder Vergangenheit", so der Trainer. Natürlich bereite man sich jetzt schon wieder auf die nächsten Spiele vor. Des Weiteren flüchtete er sich in wilde Floskeln und versuchte auszuweichen: "Wir müssen jedes Spiel so spielen, als wäre es unser letztes."

Doch auch die erste Gala von Neuzugang David Villa, der mit seinem ersten Tor und seinem ersten Assist einen großen Anteil am 2:1-Auswärtssieg hatte, lässt die spanischen Medien ins Schwärmen geraten. Die "AS" packt die ganze Szenerie wie üblich in eine Metapher. Ob dies gut gelingt oder doch irgendwie etwas hinkt, muss selbst entschieden werden: "Atletico ist extrem hungrig. Sie rennen, beißen ein Stück ab, schlucken es herunter und beißen wieder zu. Atletico ist kein Schwan wie der FC Barcelona und auch kein Stier wie Real Madrid, Atletico ist ein Piranha."

Coup des Spieltags: Wie Kai aus der Kiste kam der Transfer von Gareth Bale am Sonntagabend geschossen. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Gareth Bale zu Real? Was für ein überraschender Transfercoup. Gut, einige gewiefte Experten und Real-Insider hatten vielleicht eine minimale Vorahnung. So wurde der Transfer ja seit zirka zwei Wochen sowohl von englischen als auch von spanischen Medien als fix vermeldet. Und auch im Netz geisterten täglich weitere Hinweise für den Wechsel, die die Presse veranlasste, den Transfer als noch viel fixer zu bezeichnen.

Beispiele gefällig? Auf der offiziellen Twitter-Seite von Tottenham wurde Bale vom Hintergrund-Foto gelöscht, im Estadio Santiago Bernabeu wurde bereits zwei Mal - aus welchen Gründen auch immer - die Bühne für die Präsentation aufgebaut, im Online-Trikot-Shop auf der offiziellen Klub-Homepage konnte man Rückennummer und Name des Walisers auswählen, in Madrid wurde ein Paket mit neuen Tretern von Ausrüster Adidas abgefangen, das an Gareth Bale bzw. Real Madrid adressiert war und im Adidas-Shop in Paris verkaufte man bereits ab Freitag die Real-Trikots mit Bale-Aufdruck.

Nach langem Versteckspiel von Seiten der Klubs wurde der Transfer am Sonntag dann offiziell bekannt gegeben. Doch damit geht die Bale-Mania in der spanischen Presse ja erst so richtig los. 49 Mal (!) war der Name Bale auf der Startseite der Online-Ausgabe der "Marca" zu finden. Neben einem schlichten Bericht mit der offiziellen Verkündung des Transfers war direkt nach dem Wechsel gleich eine ganze Armada an Bale-Artikeln online. Unter anderem eine Bale-Karriere-Diashow, ein Video der schönsten Bale-Tore, eine Erklärung, wie das eigentlich alles mit Ronaldo passen soll und ein riesiges Statistikblatt, in dem unter anderem nachzulesen ist, wie viele Flanken Bale in den letzten fünf Spielzeiten geschlagen hat und wie oft er vom Gegner von den Beinen geholt wurde. 47 Mal in der letzten Saison. Und somit vier Mal weniger als 2011/2012. Gut zu wissen. Ach ja, nach sage und schreibe zwölf Bale-Artikeln wurde auch vom Kaka-Abgang und einem möglichen Özil-Wechsel zum FC Arsenal berichtet.

Und sonst? Das neue Barca-Traumpaar Lionel Messi und Neymar hatte am Wochenende seinen ersten gemeinsamen Startelf-Auftritt in der Liga. Und direkt beim Liga-Debüt straften sie Kritiker Lügen. Messi und Neymar in einem Team? Unmöglich, zu ähnlich, zu ballverliebt, hieß es noch vor der Saison. Doch vor allem in der ersten Halbzeit zeigte das Duo, dass es harmonieren kann. Klar, Messi überstrahlte mit seinem Hattrick und seinem 100. Auswärtstor in La Liga (mal wieder ein Rekord) zwar erneut alles, doch die Hacke-Spitze-Kombinationen machen Lust auf mehr.

Dass es nach dem Dreierpack von Messi in der ersten Hälfte gegen Valencia trotzdem noch mal knapp wurde, lag vor allem an der weiterhin wackligen Defensive der Katalanen. Noch vor der Pause gab's den Anschlusstreffer zum 2:3. Ungewöhnliche Spannung in einem Barca-Spiel, die auch dem Tickerer des spanischen Blattes "Sport" zusetzte. Er schloss seine Live-Begleitung mit den Worten "Madre mia".

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