Nur im Stade Louis II herrscht Tristesse

Von Frederik Büll
Das Stade Louis II des AS Monaco ist architektonisch schön, wird aber kaum besucht
© Imago

In der Vorsaison stiegen mit West Ham United, Deportivo La Coruna, AS Monaco und Sampdoria Genua vier prominente Klubs aus den ersten Ligen in England, Spanien, Frankreich und Italien ab. Die Hammers und Depor spielen nächste Saison wieder erstklassig. Samp kämpft in den Playoffs um den Aufstieg - nur die Monegassen lieferten eine Spielzeit zum Vergessen ab.

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West Ham United

Fazit: Den Hammers gelang nach nur einer Spielzeit in der Championship der Wiederaufstieg in die Premier League. In den Playoffs setzte sich das Team von Trainer Sam Allardyce mit 2:1 gegen den FC Blackpool durch. Schon im Laufe der Saison hatte der Coach gesagt: "Natürlich wollen wir sofort wieder hoch. Und wenn wir das auf dem direkten Weg nicht schaffen, dann landen wir in den Playoffs. Das ist das Mindeste, es sei denn ich werde über Nacht zum schlechtesten Trainer der Welt und die Spieler zu den schlechtesten aller Zeiten."

Statistik: Mit 81 Toren erzielten die Hammers die zweitmeisten Tore der regulären Saison. Bester Torjäger war Carlton Cole, der in 45 Spielen 15 Mal traf. Der Dauerbrenner des Teams war Mittelfeldspieler Mark Noble, der auf 48 Einsätze inklusive Playoff-Spiele kommt. Die meisten Gelben Karten sammelte Kapitän Kevin Nolan (11), dazu sah er noch einmal den Roten Karton.

West Ham: Der Kader im Überblick

Saisonverlauf: Nach dem verpatzten Auftakt mit der 0:1-Niederlage gegen Cardiff berappelte sich das Team vom Upton Park schnell und war seit dem 11. Spieltag immer in der Spitzengruppe der Championship vertreten. Vom 27. bis zum 35. Spieltag grüßte die Allardyce-Elf sogar von der Tabellenspitze. Am Ende sprang der dritte Tabellenrang heraus. Und das, obwohl von 46 Partien lediglich acht Spiele verloren gingen. 14 Unentschieden waren jedoch zu viel für den direkten Aufstieg. In den Qualifikationsspielen wurde zunächst der Tabellensechste Cardiff City mit 2:0 und 3:0 ausgeschaltet, ehe das Finalspiel im Londoner Wembleystadion gegen Blackpool gewonnen wurde.

Ausblick: Mit dem 24-jährigen Keeper Stephen Henderson, der nach einem Leihgeschäft nun endgültig vom Championship-Absteiger Portsmouth kommt, steht bereits der erste Neuzugang für die kommende Saison fest. Insgesamt laufen sieben Spielerverträge aus, darunter der von Stammtorwart Robert Green. Julian Faubert, John Carew und Abdoulaye Faye sollen den Aufsteiger verlassen. Falls es den Hammers gelingt, den Weg mit einer gesunden Mischung aus erfahrenen Spielern und aufstrebenden Jungspielern wie James Tomkins weiter beizubehalten, wäre der Klassenerhalt durchaus keine Utopie. Big Sam Allardyce verfolgt mittelfristig ehrgeizigere Pläne, wenn er sich auch noch bedeckt hält: "In erste Linie möchte ich West Ham in der Premier League etablieren und dafür eine stabile Plattform schaffen. So langsam oder schnell, wie es eben möglich ist. Ich kann es nicht in diesem Moment vorhersagen, weil es auf den Saisonstart ankommt und welche Spieler in der nächsten Saison dazukommen werden."

Deportivo La Coruna

Fazit: Auch Depor hat die Schmach des Abstiegs in die Segunda Division nach nur einer Spielzeit wieder gutgemacht und ist am Sonntag nach einem 2:1 gegen Huesca als Meister in die Primera Division aufsteigen. Die Galizier stehen einen Spieltag vor Saisonende bei 88 Punkten und damit vier Zähler vor dem Zweitplatzierten Celta Vigo.

Statistik: La Coruna stellt mit bisher 75 Toren die zweitbeste Offensive der Liga und hat von 41 Spielen 28 Partien für sich entscheiden können, vier Mal unentschieden gespielt und neun Mal verloren. Bester Torjäger ist Lassad mit 14 Treffern. Als einziger Spieler kam Alex Bergantinos in allen 41 Partien zum Einsatz. Der bissigste Spieler im Kader mit elf Gelben Karten und einmal Rot ist Abwehr-Mann Ayoze. Bemerkenswert ist insbesondere die Heimstärke der Galizier. Von 21 Partien verließ man 18 Mal als Sieger das Feld (bei zwei Unentschieden und nur einer Niederlage).

La Coruna: Der Kader im Überblick

Saisonverlauf: Nach einem guten Auftakt ließ Depor etwas nach und holte zwischenzeitlich aus vier Spielen nur vier Punkte. Doch diese Schwächeperiode war nicht von langer Dauer: Die Truppe kletterte kontinuierlich in der Tabelle nach oben. Seit dem 20. Spieltag ist Depor ununterbrochen Spitzenreiter.

Ausblick: Trainer Jose Luis Oltra sprach im letzten Jahr von einer "großen Herausforderung", den direkten Wiederaufstieg möglich zu machen. Doch die Galizier haben diese Aufgabe letztlich souverän gemeistert. Was die Kaderplanung für die 1. Liga angeht hält sich der Coach noch bedeckt: "Wir haben bisher noch nicht über Veränderungen gesprochen." Bislang kehrt lediglich Keeper Felipe Ramos nach Leihe von Mallorcas B-Team zurück. Insgesamt acht Verträge laufen aus, darunter der von Toptorjäger Lassad.

AS Monaco

Fazit: Fürst Rainier von Monaco würde sich wohl im Grabe herumdrehen, wenn er nach seinem Tode 2005 mitbekäme, was aus dem einstigen Vorzeigeklub AS Monaco geworden ist. Nachdem sich das Team nach dem Abstieg aus dem Oberhaus lange Zeit auch in der Ligue 2 in akuter Abstiegsgefahr befand, nahm Dimitri Ribolowlew, seit Winter neuer Besitzer und russischer Milliardär, Geld für Transfers in die Hand. So landete man am Ende mit 52 Punkten doch noch auf dem achten Tabellenplatz. Trainer Marco Simeone musste nach der enttäuschenden Saison aber seinen Hut nehmen.

Statistik: Die Monegassen blicken auf eine ausgeglichene Bilanz zurück: In 38 Partien gab es 13 Siege, 13 Remis und zwölf Niederlagen. Der Zuschauerschnitt im heimischen Stadion war grauenvoll, nur 4458 Zuschauer wohnten den Partien im Schnitt bei. Bester Torschütze war der erst im Winter verpflichtete Senegalese Ibrahima Toure, der in 17 Rückrundenspielen zehn Tore erzielte. Die meisten Einsätze konnte Angreifer Valere Germain verbuchen (34 Spiele). Eric Marester sah mit acht die meisten Gelben Karten.

Monaco: Der Kader im Überblick

Saisonverlauf: Den ersten Sieg fuhr der AS erst am 8. Spieltag ein, zuvor holte man fünf Unentschieden und verlor zweimal. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen: Vom 9. bis zum 18. Spieltag blieb die Simeone-Elf sieglos. In dieser Zeit dümpelte die Mannschaft zwischen dem 18. und 20. Tabellenplatz hin und her. Doch durch eine Serie von fünf gewonnenen Spielen in Folge und insgesamt zehn Partien ohne Niederlage gelang nach der Winterpause der Befreiungsschlag. Das ging sogar so weit, dass zwischenzeitlich noch die rechnerische Chance bestand, wieder aufzusteigen.

Ausblick: Derzeit besitzen 36 (!) Spieler einen laufenden Vertrag für die neue Saison. Der Plan sieht vor, dem Verein aus dem Fürstentum mit vielen jungen Spielern mittelfristig wieder zum Aufstieg in die erste Liga zu verhelfen. Das Team ist mit einigen U-Nationalspielern gespickt, unter anderem Jerome Phojo und Abdou Diallo. Der erste Neuzugang ist Verteidiger Andrea Raggi, der aus Bologna kommt und schon große Ziele hat: "Ich hoffe, ich kann dabei mithelfen, ein neues Kapitel in der bemerkenswerten Geschichte dieses Klubs zu schreiben."

Sampdoria Genua

Fazit: Schon vor der 1:3-Niederlage beim AS Varese am 42. und letzten Spieltag der Serie B stand fest, dass Samp Platz sechs nicht zu nehmen sein wird. Damit spielt der Klub in der Relegationsrunde um den Aufstieg und trifft im Halbfinale (mit Hin- und Rückspiel) auf das drittplatzierte Sassuolo Calcio. Setzt sich Genua durch, träfe man im Finalspiel auf den Sieger der Duelle zwischen Varese (5.) und Hellas Verona (4.). Erst wenn auch dies siegreich gestaltet werden würde, steigt Sampdoria auf.

Sampdoria: Der Kader im Überblick

Statistik: Mit 53 Saisontoren stellt das Team von Trainer Guiseppe Iachini den schwächsten Angriff der Top 6. Bester Stürmer ist Nicola Pozzi mit 16 Saisontoren, Pasquale Foggia sammelte die meisten Einsatzminuten (31 Spiele), Pedro Obiang sah am häufigsten Gelb (10).

Saisonverlauf: Nach zwei Unentschieden zum Saisonauftakt stabilisierte sich das Team, ohne jedoch jemals den eigenen Meisterschaftsansprüchen gerecht zu werden. Beständig war in dieser Spielzeit nur die Unbeständigkeit. Auch der Trainerwechsel von Gianluca Atzori auf Iachini im November 2011 brachte nicht den erwünschten Effekt. Zwischen dem 14. und 21. Spieltag blieb die Mannschaft ganze acht Spiele sieglos. Am 21. Spieltag folgte nach einer Niederlage gegen Varese gar der Absturz auf den 13. Tabellenrang. Nach zuletzt zwölf Punkten aus sechs Spielen rettete sich Genua noch in die Relegation.

Ausblick: Noch im Juli des vergangenen Jahres tönte Präsident Riccardo Garrone: "Mit diesem Kader gewinnen wir die Meisterschaft. Ich bin mir sicher, dass sich unsere Qualitäten auf dem Platz widerspiegeln werden." Nun ist der Aufstieg weiter in der Schwebe. Zur kommenden Saison laufen so oder so die Leihgeschäfzte von stolzen 25 Spielern aus. Auf Sampdoria wartet also in jedem Fall ein Haufen Arbeit im Sommer.

Serie B: Die Aufstiegsspiele in der Übersicht