Fussball

Wer braucht einen Super-Trainer?

Von Fatih Demireli
5 Top-Trainer: Rafael Benitez, Fabio Capello, Louis van Gaal, Andre Villas-Boas, Ralf Rangnick (v.l.)
© spox

Andre Villas-Boas

Die letzte Station: FC Chelsea (Juli 2011 - März 2012)

15 Millonen Euro Ablöse zahlte der FC Chelsea im Sommer an den FC Porto, um den Trainer des frisch gekürten Europa-League-Siegers loszueisen. Der Newcomer sollte Chelsea eine moderne Philosophie verpassen, die Mannschaft neu strukturieren und vor allem national und international eine titeltaugliche Performance hinlegen. Das Vorhaben scheiterte fast in allen Punkten: Villas Boas' Idee, Fußball spielen zu lassen, vertrug sich nicht mit den Gewohnheiten und Fähigkeiten der Chelsea-Spieler. Das wirkte sich auf Leistung und Punktestand aus. Auch die Architektur des Chelsea-Kaders konnte Villas-Boas nur bedingt beeinflussen, da der Portugiese die Alphatiere Terry, Lampard und Drogba zu schnell gegen sich aufbrachte. Letztlich fehlte Villas-Boas die Zeit, um sich in der neuen - rauen - Welt zurechtzufinden, und er wurde Anfang März erwartungsgemäß entlassen.

Die letzten Gerüchte: In der Kürze der Zeit wurde eher über seinen Nachfolger als über seinen neuen Job spekuliert. Als Villas-Boas bei Chelsea noch in Amt und Würden war, wurde der Portugiese immer wieder mit Inter in Verbindung gebracht. Abgekühlt sind die Spekulationen, ob Inters Misere in der Serie A und dem Aus in der Champions League, nur bedingt. Ganz im Gegenteil.

Das sagt er: Nach der Entlassung zog sich Villas-Boas aus der Öffentlichkeit zurück. Es wurde über ihn gesprochen. Er selbst sagte (noch) nichts.

Prognose: Villas-Boas macht den Mourinho! Erst Porto, dann Chelsea, dann Inter. Zumindest liest sich dieses Szenario gar nicht mal so abwegig. Mit 35 Jahren wird sich Villas-Boas kaum ein Sabbatjahr a la Louis van Gaal gönnen wollen. Wenn Inter nach dieser Saison anklopft, wird es wohl kaum an Villas-Boas scheitern. Aber klar ist: Er ist längst nicht konkurrenzlos.

Ralf Rangnick

Die letzte Station: FC Schalke 04 (März 2011 - September 2011)

Es war ein Schock - nicht nur für den FC Schalke 04, sondern für die große und doch so kleine Bundesliga-Welt: Ralf Rangnick litt unter dem Burnout-Syndrom und trat von seinem Trainerposten bei Schalke 04 zurück: In der Öffentlichkeit war das Leiden Rangnicks nicht aufgefallen, so dass die plötzliche Auszeit ihre Spuren hinterließ. Schon nach seinem Rücktritt in Hoffenheim wollte Rangnick eigentlich eine längere Pause machen, um den Akku wieder aufzuladen, doch auch die Verbundenheit mit Schalke 04 ließen Rangnick sich anders entscheiden. Auch mit einer Spur Ignoranz machten sich schnell Fragen breit, ob Rangnick denn überhaupt noch einmal ins Trainergeschäft zurückkehre. Erfreulich ist es zumindest, dass diese Antwort heute mit Ja beantwortet werden kann.

Die letzten Gerüchte: Lange dauerte es nicht, bis Rangnick wieder in die Schlagzeilen geriet. Um die Weihnachtszeit herum wurde ein Interesse von Red Bull Salzburg kolportiert. Zuletzt stand ein Interesse von Hertha BSC im Raum. Das Gerücht, wonach Otto Rehhagel bis Sommer die Hertha rettet und dann an Rangnick übergibt, hielt sich hartnäckig, wobei sich dieses Vorhaben spätestens erledigt haben dürfte, wenn sich die Hertha nicht rettet.

Das sagt er: "Es geht mir sehr gut. Es ging bei mir in den letzten sechs Monaten darum, mich gesundheitlich und auch körperlich auf Vordermann zu bringen."

Prognose: Ralf Rangnick will im Sommer ins Trainergeschäft zurückkehren. Sucht im Sommer ein Bundesliga-Klub einen Trainer, wird Rangnick zu den Top-Kandidaten gehören. Aber auch ein Engagement im Ausland ist nicht ausgeschlossen: Rangnick ist erklärter Fan der Premier League, verfolgte zuletzt das Gastspiel Manchester Uniteds bei Tottenham Hotspur live im Stadion. Ein Neuanfang mit dem Traumziel England - warum nicht?

Marcello Lippi

Die letzte Station: Italien (2008 - 2010)

Nach dem überragenden WM-Titel 2006 trat Marcello Lippi als Nationaltrainer Italiens zurück und übergab dem begabten Roberto Donadoni das Feld, der sich in Livorno auch als Trainer einen Namen gemacht hatte. Nach dem Scheitern Italiens bei der EURO 2008 im Viertelfinale gegen den späteren Titelträger Spanien forderte die Öffentlichkeit die Rückkehr Lippis, die am 24. Juni perfekt wurde. Mit sieben Siegen und drei Remis schaffte Italien die Qualifikation zur WM 2010. Kritik heimste Lippi aber schon vor dem Turnier ein, weil er dem Gros seinen alten Haudegen vom WM-Titel 2006 vertraute und vielversprechende Spieler wie Giuseppe Rossi zuhause ließ. In der vermeintlich leichtesten Gruppe mit Neuseeland, der Slowakei und Paraguay schied Italien schließlich als Gruppenletzter aus. Lippi, der Fehler offen eingestand, trat zurück, was er aber auch wohl im Falle der WM-Titelverteidigung getan hätte.

Die letzten Gerüchte: Lazio, Inter, Juventus, Roma - wenn die Gerüchte in den Medien stimmen, hätte sich Lippi seit seinem Rückzug als Nationaltrainer einen Top-Klub in Italien aussuchen könnnen. Aber wie Capello lehnt auch Lippi eine Engagement als Klub-Trainer in der Serie A ab. Ganz aktuell soll der chinesische Top-Klub Guangzhou ein Fünf-Millionen-Angebot hinterlegt haben. In der Türkei soll Lippi als Wahlversprechen eines Präsidentschaftskandidaten bei Fenerbahce angekündigt worden sein. Die Tendenz geht aber in eine völlig andere Richtung.

Das sagt er: "Ich möchte nicht einen Klub, sondern ein Nationalteam. Ideal wäre, bei der WM 2014 dabei zu sein."

Prognose: Jeden Tag auf den Trainingsplatz - das ist nichts mehr für Marcello Lippi, der ganz offen mit einem Nationaltrainer-Job liebäugelt. Nach der EM 2012 wird der eine oder andere Trainerposten in Europa frei. Gut möglich, dass für Lippi etwas dabei ist. Das Wunschziel WM 2014 wird sich der Trainer-Guru wohl erfüllen können.

Bernd Schuster

Die letzte Station: Besiktas (Juni 2010 - März 2011)

Nicht nur der Star ist der Trainer, hieß die Devise bei Besiktas und man schenkte Bernd Schuster zum Amtsantritt in der Türkei mit Ricardo Quaresma, Guti und später mit Simao Sabrosa, Manuel Fernandes und Hugo Almeida einige Top-Stars für das Dream Team, das nicht nur national große Erfolge feiern sollte. Trotz Problemen in der Hinrunde ging der Klub mit dem aberwitzigen Motto "17 Spiele, 17 Siege" in die Rückrunde, ließ aber in der Meisterschaft schon recht früh Federn. Schuster gelang es wie zuvor, sich mit den Medien anzulegen. Er kritisierte in aller Regelmäßigkeit Schiedsrichter, Gegner und schließlich auch den türkischen Fußball im Allgemeinen. Im März zog Schuster selbst die Reißleine und trat nach einem Gespräch mit dem Klub zurück.

Die letzten Gerüchte: Nach dem Aus von Jose Molina wurde Bernd Schuster beim FC Villarreal gehandelt, doch den Zuschlag bekam schließlich Miguel Angel Lotina. Auch beim HSV, wo sich Schuster im September öffentlich anbot ("Wenn man Trainer ist und keinen Job hat, ist der HSV immer interessant"), hatte Schuster das Nachsehen. Es ist kein Geheimnis, dass sich Schuster in der Bundesliga beweisen will. Konkrete Angebote gab es zuletzt aber wohl keine.

Das sagt er: "Natürlich ist es sehr komfortabel, bei einem Klub wie Real über absolute Topstars zu verfügen, aber so eine Aufgabe birgt auch sehr viele Probleme. Ich brauche jedenfalls keinen Großverein, um glücklich zu sein."

Prognose: Der "blonde Engel" ist heiß und will wieder ins Trainergeschäft zurückkehren. Das Vorhaben Bundesliga scheint sich auch für diesen Sommer schwierig zu gestalten: Es sind nicht die Trainerfähigkeiten Schusters, die ihm wohl im Weg stehen, sondern das Image des ungemütlichen Augsburgers. Der Vorteil Schusters ist wiederum, dass er sich nicht auf eine Kategorie oder auf ein Land festlegt. Fortuna Köln, 1. FC Köln, Xerez, Donezk, Levante, Getafe, Real Madrid und Besiktas - bunter könnte ein Trainerlebenslauf kaum aussehen. Es wäre keine Überraschung, wenn sich ein völlig unerwarteter Klub in diese Liste einreiht.

Was machen Capello, van Gaal und Benitez?

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