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Fussball

Berbatows No-Show

SID
Dimitar Berbatow konnte sich an alter Wirkungsstätte nicht in Szene setzen
© Imago

Die Existenz des United-Stürmers wurde nur von Pfiffen gegen ihn bestätigt. Diese musste auch Mirko Vucinic über sich ergehen lassen, dem hilft aber eine Amnesie. Real verkauft im Clasico seine Seele und Frankreich hat sein Tor des Jahres. Das und noch viel mehr in den Blitzlichtern aus Europa - die aktuellsten Geheimnisse des Wochenendes, zusammengetragen von unseren Korrespondenten vor Ort.

Serie A

von Oliver Birkner

Pfiffe für den Vergesslichen: "Manchmal leidet Mirko Vucinic unter Amnesie", sagte Roma-Coach Luciano Spalletti zu den schwankenden Leistungen seines Stürmers. "Dann vergisst er, dass er gerade bei einem Fußballspiel mitmacht." Am Sonntag erinnerte sich Vucinic kurzzeitig: Ihm gelang das 3:2 gegen Cagliari in der 90. Minute. Dann vergaß er wieder alles um sich herum und streifte sich beim Jubeln Trikot und Hose ab! Zumindest sah er seine ansonsten schwache Leistung ein: "Ich war grottenschlecht, die Pfiffe der Tifosi waren berechtigt. Selbst mein Bruder im Stadion hat mich ausgepfiffen."

Steht alles im Handbuch: Irgendwie scheinen die Ereignisse des 16. Spieltags der Serie A bereits im Vorfeld geschrieben gewesen zu sein - zumindest teilweise, wenn man den Reportern lauschte. Der ehemalige Ausnahmekönner Jose Altafini kommentierte das 1:0 von Inter gegen Chievo durch Dejan Stankovic so: "Was für ein Treffer - wie auf Seite 49 des Fußball-Lehrbuchs!" Nachdem Udine 3:0 gegen Lazio geführt hatte und dann doch noch das 3:3 kassierte, hieß es auf einem anderen Sender: "Nachzulesen auf Seite 33 im Lehrbuch zum perfekten Verbrechen!" Und Bolognas erster Sieg unter Sinisa Mihajlovic (5:2 gegen Torino) nach fünf Remis in Folge konnte man angeblich "nachlesen auf Seite 28 im Handbuch 'Wie werde ich zum Gewinnertypen'". Das scheinen wirklich lehrreiche Werke zu sein.

Fragiles Milan: Trotz Dauerregen und tiefem Platz wurde das Topspiel zwischen Juventus und Milan zu einem mitreißenden Klassiker. Viele Akteure durften sich beim 4:2-Sieg der Juve auszeichnen - die Defensive der Rossoneri gehörte jedoch nicht dazu. Kapitän Paolo Maldini dachte nach seiner 76801. Minute und dem 882. Pflichtspiel im AC-Trikot sicher, warum er sich das mit 40 Jahren noch antut. Der fragilen Abwehr kann zunächst auch Neuverpflichtung Thiago Silva nicht helfen. Der brasilianische Verteidiger kommt für zehn Millionen Euro von Fluminense zwar bereits im Januar, kann nach italienischen Bestimmungen bis zur neuen Saison aber nur Freundschaftskicks bestreiten: Vereine dürfen pro Saison nur zwei Nicht-EU-Ausländer verpflichten. Das ist sicher auch auf irgendeiner Seite eines Handbuchs nachzulesen.

Der 16. Spieltag der Serie A im Überblick


Premier League

von Raphael Honigstein

Ja is denn scho Boxing Day? Die "Großen Vier" zeigten sich am Wochenende in ungewohnter Gönnerlaune - Arsenal, Chelsea, Liverpool und Manchester United konnten allesamt nicht gewinnen. Die Folge: Martin O'Neills Aston Villa darf sich (vorübergehend) mit dem vierten Platz in der Tabelle schmücken. Da United in Japan um den Weltpokal kämpft und nächste Woche Arsenal gegen Liverpool spielt, stehen ein paar sehr interessante Wochen an der Spitze an. Mal sehen, welche der zunehmend müden Spitzenteams als nächstes Geschenke verteilt.

Berbatows No-Show: Die Spurs-Fans haben meist nichts zu lachen, wenn Manchester United zu Besuch kommt. Um so mehr genossen sie beim 0:0 Alex Fergusons saure Miene am Seitenrand. Der United-Trainer gab mit einer sehr klein geratenen Mütze auf dem Kopf keine gute Figur ab und verschätzte sich bei dem Versuch, einen Ball zurück ins Spielfeld zu befördern. Am meisten ärgerte sich der Schotte jedoch über die vergeblichen Angriffsbemühungen seiner Mannschaft, in der ein Mann wie gewohnt durch extrem unauffälliges Spiel auffiel. "Wenn die Fans der Heimmannschaft Dimitar Berbatow nicht bei jeder Ballberührung ausgepfiffen hätten, hätte niemand gemerkt, dass er überhaupt mitspielt", schrieb der "Guardian".

Klarer Fall von Verschwörung: Roy Keane (Sunderland) ging vor zehn Tagen. Mark Hughes steht bei ManCity, dem reichsten und vielleicht bald abstiegsgefährdesten Verein der Welt immer mehr unter Druck. Und in Blackburn (Tabellenneunzehnter)  fordern die Fans den Kopf von Trainer Paul Ince.

Für Ince, den selbsterklärten "Guvnor", ist das kein Zufall. Er macht (angeblich) weit verbreitete Antipathien gegen ehemalige Man-United-Spieler für die Schwierigkeiten verantwortlich; "man hat es auf uns abgesehen", behauptete er in der vergangenen Woche. Eine interessante These, die leider nur übersieht, dass Hughes vor seinem Wechsel zu City in Blackburn sehr beliebt war und der ehemalige United-Spieler Steve Bruce noch nie irgendwelche Probleme bei Wigan hatte. Das 0:3 bei den "Latics" - Blackburns sechste Niederlage in Folge - dürfte Ince ein geruhsames Weihnachtsfest bescheren. Zu Hause auf dem Sofa.

Tabellenrechner zur Premier League: Jetzt die Saison durchtippen!

 

Primera Division

von Paula Villamarin Temperan

Totgesagte wollen leben: Real Madrid fuhr zum Clasico als klarer Außenseiter, in Barcelona wurde nur noch über die Höhe des Sieges diskutiert. Dass die Königlichen "nur" mit 0:2 nach Hause geschickt wurden, ist auch der defensiven Ausrichtung von Neu-Coach Juande Ramos geschuldet gewesen. Noch nie habe er eine Real-Mannschaft so auftreten sehen wie dieses Mal, meinte Barcas Xavi, der teilweise sogar in Manndeckung genommen wurde. Dass Real in diesem Spiel schon beinahe seine Klubphilosophie verkaufte und nun mit zwölf Punkten Rückstand auf Platz sechs liegt, scheint in Madrid nur die wenigsten zu interessieren. Michel Salgado schien das lange Zeit offene Spiel sogar etwas die Sicht vernebelt zu haben. "Vor dem Spiel hat uns die ganze Welt für tot erklärt, aber wir haben gut gespielt und Barca geärgert. Das soll uns erstmal einer nach machen mit zwölf Ausfällen."

Adios Calderon: Die neue Nummer eins in Madrid heißt im Moment Atletico. Nach dem 2:0 gegen Betis stehen sie einen Platz vor Real. Das letzte Mal gelang ihnen dies zu diesem Zeitpunkt der Saison vor einem Jahrzehnt, in der Spielzeit 1998/99. In 15 Ligaspielen haben die Colchoneros bereits 35 Tore Tore erzielt - zweitbester Wert hinter dem alles überragenden FC Barcelona. Und gleichzeitig die zweitbeste Ausbeute in der Vereinsgeschichte. Nur 1957 schaffte Atletico unter Trainer Ferdinand Daucik eine bessere Bilanz mit 42 Toren am 15. Spieltag. Solche Ergebnisse lassen sich sehen und noch besser in einem neuen Stadion. Enrique Cerezo, Präsident von Atletico, unterschrieb am Freitag die Baupläne für die Renovierungsarbeiten der Peineta - der Steckkamm. Das Olympiastadion trägt diesen Namen, weil es nur eine einzige Tribüne hat, die 20.000 Zuschauern Platz bietet. Für 195 Millionen soll nun ein komplettes Stadion für 73.729 Zuschauern daraus werden. 2012/2013 wird Atletico sich vom Vicente Calderon verabschieden und in die Peineta ziehen.

Schockmoment in San Mames: Mit dem verwandelten Elfmeter von Llorente bereits in der 5. Spielminute und den zwei Toren von Iraola (23. Minute) und David Lopez (30. Minute) stellte Athletic Bilbao in der ersten Halbzeit die Weichen für den 3:0-Sieg gegen Sporting Gijon. Den Sieg überschattete jedoch der brutale Zusammenstoß von Athletic-Mittelfeldspieler Carlos Gurpegui mit Sporting-Torwart Ivan Cuellar. In der 88. Minute sprangen beide zum Ball und stießen mit den Köpfen zusammen. Beide blieben verletzt am Boden liegen. Gurpegui verlor sogar das Bewusstsein, musste noch auf dem Platz künstlich beatmet werden und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Diagnose: Schädeltrauma und eine Not-OP an der gebrochenen Nase. Doch auch für Cuellar endete der Zusammenprall mit schlimmen Folgen. Bei der Landung brach er sich den rechten Knöchel und fällt mindestens vier Monate aus.

Der 15. Spieltag der Primera Division im Überblick

 

Ligue 1

von Alexis Menuge

Les quatre gros: Zwar bleibt Olympique Lyon nach seiner Nullnummer gegen Olympique Marseille Spitzenreiter, trotz zwei mageren Pünktchen in den letzten vier Liga-Partien. Doch an der Tabellenspitze ist es sehr eng geworden: OM, Girondins Bordeaux und Paris Saint Germain sind alle punktgleich, drei Zähler hinter dem siebenfachen Meister. Und da die ersten Vier auch die größten Etats der Ligue1 haben, spielen nach vielen enttäuschenden Jahren endlich alle Favoriten oben mit. Und ganz Frankreich freut sich über seine "Big Four"...

Aufsteiger in der Krise: Nur ein halbes Jahr nach dem Aufstieg in die Ligue1 ist Le Havre wieder auf dem Weg Richtung zweite Liga. Der Klub aus der Normandie verlor gegen Lorient (1:3) zum siebten Mal vor eigenem Publikum, insgesamt war es bereits die zwölfte Pleite in dieser Saison. Noch dazu hat Le Havre die schlechteste Abwehr der französischen Liga. Präsident Jean-Pierre Louvel macht sich Sorgen und hat bereits angekündigt, dass es in dieser Woche einen Trainerwechsel geben wird. Noch-Coach Jean-Marc Nobilo soll aber als Sportdirektor bleiben.

Privat schreibt Geschichte: Es sah lange alles andere als gut aus für den FC Sochaux-Montbeliard. Beim Stand von 0:2 gegen Caen hatte Trainer Francis Gillot aber eine magische Idee und brachte 15 Minuten vor Schluss den 19 Jahre alten Stürmer Sloan Privat. Erst am vergangenen Dienstag unterschrieb er seinen Profi-Vertrag und bedankte sich prompt mit einem Doppelpack. Darunter der Ausgleichstreffer mit einem fantastischen Fallrückzieher. Ein heißer Kandidat für das Tor des Jahres.

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