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Fussball

Chelsea-Star Melanie Leupolz im Interview: "Mit welcher Rechtfertigung sollte ich Millionen verdienen?"

Von Maximilian Lotz
Melanie Leupolz spielt seit 2020 für den FC Chelsea.

Sie sind 2010 als Teenagerin vom TSV Tettnang zum SC Freiburg gewechselt, der damals noch in der 2. Liga gespielt hat. Wie groß war dieser Schritt für Sie?

Leupolz: Für mich persönlich war es wahrscheinlich gut, dass Freiburg in dem Jahr abgestiegen war, denn ich bin aus der U17 gekommen und dann war die 2. Bundesliga ein Stückchen einfacher. Im ersten Jahr direkt in die erste Liga aufzusteigen war der erste Erfolg. Ich habe mich total wohlgefühlt in Freiburg. Sie haben alles dafür gemacht, dass es mit der Schule funktioniert. Sie haben alles sehr gut koordiniert und es gab nie irgendwelche Probleme.

Der SC Freiburg steht generell im Herrenbereich für eine gute Jugendarbeit, ist das auch bei der Frauenmannschaft ähnlich strukturiert?

Leupolz: Es gab ein Internat zusammen mit anderen olympischen Sportarten und eine Schule, die den Spitzensport unterstützt. Wir hatten Nachhilfeunterricht, wenn wir durch das Training Unterricht verpasst hatten. Dadurch konnte man das Abitur gut absolvieren.

War das auch ein Grund, warum Sie sich damals für Freiburg entschieden haben?

Leupolz: Genau. Natürlich spielen die Eltern bei so einer Entscheidung auch eine große Rolle und ihnen war das auch sehr wichtig, dass die Betreuung gut ist, wenn das Kind mit 16 das erste Mal allein in einer großen Stadt lebt.

Die Frauenmannschaft des SC Freiburg hat im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg jetzt erstmals im Dreisamstadion vor über 3000 Zuschauern gespielt. Wäre das auch mal Ihr Traum gewesen?

Leupolz: Das stand jetzt nicht auf meiner Bucket List, um ehrlich zu sein. Aber dort war es schon cool, ich habe auch ab und zu die Männermannschaft im Stadion unterstützt. Es ist aber kein Stadion, wo ich unbedingt spielen wollte. Aber es ist gut, dass die Frauen jetzt das Stadion haben und dass sich dort etwas entwickelt.

Gab es außer den Anfeuerungen bei den Spielen Anknüpfungspunkte zur Männermannschaft?

Leupolz: Nein, da war man nur für sich. Aber das ist eigentlich bei allen Vereinen, bei denen ich gespielt habe, so.

2013 feierten Sie Ihr Debüt für die Nationalmannschaft und wurden im gleichen Jahr Europameisterin. Haben Sie gedacht, das geht manchmal alles viel zu schnell?

Leupolz: Das war auf jeden Fall der erste große Meilenstein meiner Karriere. Ich habe mich damals sehr gefreut, dass ich überhaupt mitkommen darf, weil ich noch sehr jung war. Wir hatten viele Verletzungen bei älteren Spielerinnen, dann sind wir jungen nachgerückt. Die Europameisterschaft zu gewinnen, war ein Riesenerfolg.

Ein Jahr später wechselten Sie von Freiburg nach München. Ein Weg, den im Frauenfußball schon einige Spielerinnen gingen. Deswegen kam dieser Wechsel eigentlich nicht überraschend, oder?

Leupolz: Das war ein großer Schritt. Zum einen war es eine größere Stadt, zum anderen spielen die Bayern einen erfolgreicheren Fußball und sie spielen immer um den Titel mit. Ich habe relativ früh im ersten Jahr schon in der Champions League gespielt. Wir haben direkt die deutsche Meisterschaft gewonnen. Es war ein großer, aber auch der richtige Schritt. Ich habe es sehr genossen, in München zu leben. Zu sehen, wie sich dort der Frauenfußball entwickelt, ist sehr spannend.

Den Meistertitel 2015 feierten Sie zusammen mit der Männermannschaft auf dem Rathausbalkon und hielten neben Franck Ribery die Meisterschale in den Himmel. Was war das für ein Erlebnis?

Leupolz: Dass wir den Titel gewonnen hatten, war ein Riesenerlebnis für den FC Bayern. Sie haben es geschafft, dass sie das zusammen gestaltet haben. Das war sehr cool, weil das auch eine Wertschätzung ist. Wenn die Männer die Meisterschaft gewinnen und am Marienplatz auf den Balkon dürfen, dann dürfen das natürlich auch die Frauen. Dass ich dort die Profis gesehen habe, war schon spannend, aber letzten Endes war es einfach cool, dass man als gesamter Verein zwei Meisterschaften feiern konnte. Meine Eltern waren auch in der Menge unten unter den Zuschauern und Fans. Es war erstaunlich wie viele Leute dorthin gekommen sind.

Hat dieses "Mia san Mia" des FC Bayern auch einen Einfluss auf die Frauenmannschaft der Bayern?

Leupolz: Das "Mia san Mia" gehört zur Männermannschaft. Das ist nicht der Slogan für die Frauen. Das müssen sie sich erst noch ein Stück weit erarbeiten, weil sich die Männermannschaft das über die letzten Jahrzehnte erarbeitet hat. Ich würde nicht sagen, dass die Frauen dieses Selbstverständnis haben, aber sie sind auf jeden Fall auf einem guten Weg.

Hatten Sie bei den Frauen etwas ähnliches oder eine Art Motto?

Leupolz: Nein, nicht wirklich. Wir hatten höchstens für die einzelnen Jahre eine Art Motto, das man sich vor der Saison erarbeitet hat. Ich glaube, man muss wirklich Rekordmeister werden, damit sich sowas über viele Jahre festigt.

Sie stiegen 2018 zur Kapitänin des FC Bayern auf, was bedeutete Ihnen das?

Leupolz: Davor war Melanie Behringer Kapitänin. Ich war Co-Kapitänin und konnte viel von ihr lernen. Sie ist eine große Persönlichkeit im Fußball. Man übernimmt andere Rollen, aber letztlich hat sich für mich nicht viel geändert, weil man als Mittelfeldspielerin eh viel Verantwortung übernehmen muss. Ich mag es, anzuführen, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. Deshalb musste ich nicht in eine Rolle hineinwachsen oder mir etwas aneignen. Deshalb ist mir das relativ leichtgefallen. Ich war stolz, dass meine Mannschaft mich gewählt hat und ich die Mannschaft vertreten habe. Wer letztlich die Binde getragen hat, wäre eigentlich egal gewesen, trotzdem freut man sich, wenn man den Rückhalt der Spielerinnen hat.

 

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