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Fussball

Silvia Neid: Das ewige Gesicht des Frauenfußballs

SID
Kein Name ist mit dem Aufstieg des Frauenfußballs in Deutschland so untrennbar verwoben wie der von Silvia Neid.
© imago images / Rene Schulz

Kein Name ist mit dem Aufstieg des Frauenfußballs in Deutschland so untrennbar verwoben wie der von Silvia Neid. Nun hilft die Ex-Bundestrainerin, die WM 2027 nach Deutschland zu holen.

Die goldenen Trophäen auf dem Regal im Hintergrund glänzen, Silvia Neid strahlt. Bestens gelaunt sitzt die langjährige Bundestrainerin in ihrem Homeoffice in Siegen, um 50 Jahre nach der Aufhebung des Frauenfußball-Verbots im Deutschen Fußball-Bund per Videocall von der Geschichte dieser Emanzipation zu erzählen.

Am liebsten hätte die 56-Jährige, die als Spielerin, Assistentin und Bundestrainerin an allen Titelgewinnen des Nationalteams beteiligt war, den Stichtag am 31. Oktober mit den vielen anderen Pionierinnen gefeiert, ausgiebig in Erinnerungen geschwelgt. Doch die Coronavirus-Pandemie machte die Pläne für einen großen Festakt in Travemünde zunichte. "Aber das", sagt Neid im SID-Gespräch, "holen wir hoffentlich nach."

Irgendwie passt es ja ins Bild, dass widrige Umstände die Vorkämpferinnen aufhalten. "Ich habe nie richtig gespürt, dass der Fußball etwas Verbotenes ist", sagt Neid zwar heute über ihre Kindheit, und doch waren spätestens die ersten Schritte im Verein oder der Nationalmannschaft von Diskriminierung und Sexismus überschattet.

"Die Männer kamen meist in die Stadien und wollten einen Trikottausch sehen", erinnert sich Neid. Viele blöde Sprüche seien gefallen. "Aber das", sagt sie lächelnd, "hat sich ja mit den Erfolgen der Nationalmannschaft gelegt."

Silvia Neid wurde bereits als Spielerin vorgschickt

Und daran hatte Neid großen Anteil. Beim ersten offiziellen Länderspiel am 10. November 1982 in Koblenz gegen die Schweiz (5:1) erzielt die damals 18-Jährige als Einwechselspielerin zwei Tore. 1989 gewinnt das Team um die Regisseurin Neid im eigenen Land den EM-Titel. Es ist der Durchbruch im Kampf um mehr Anerkennung. Auch wenn es als Prämie nur das legendäre Kaffeeservice vom Verband gibt.

Silvia Neid avanciert zum ewigen Gesicht des deutschen Frauenfußballs. "Schon als Spielführerin der Nationalmannschaft wurde ich oft vorgeschickt bei Medienterminen. In dieser Rolle habe ich mich mit der Zeit gut zurechtgefunden", sagt Neid heute.

Einem Anruf von Berti Vogts ist es zu verdanken, dass sie nach dem Karriereende 1996 die Trainerlaufbahn einschlug. Erst als Assistentin von Tina Theune, von 2005 bis 2016 als Bundestrainerin. Diese lange Zeit sei "anstrengend, aber wunderschön" gewesen.

Neid holt Titel um Titel, muss im Rampenlicht aber auch heftige Kritik einstecken. Vor allem nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-WM 2011, als Hype und Druck völlig unbekannte Dimensionen annehmen. Doch mit der Rückendeckung der Verbandsbosse übersteht die Galionsfigur auch diese stürmische Zeit.

Silvia Neid heute Leiterin der Frauen-Scoutingabteilung

Seit dem goldenen Abschied bei Olympia in Rio 2016 arbeitet Neid als Leiterin der neuen Frauen-Scoutingabteilung im DFB, und sie genießt ihr Leben abseits der Öffentlichkeit. "Es hat mir schon gefallen, dass ich mich seit 2016 ein wenig zurückziehen konnte."

Mehrere Angebote für Trainerjobs im In- und Ausland lagen schon auf ihrem Tisch. Doch welche Aufgabe soll eine dreimalige Welttrainerin noch reizen? Den Frauenfußball weiterentwickeln könne sie auch auf ihrem neuen Posten.

Ihr Gesicht aber stellt Neid bei besonderen Anlässen noch immer zur Verfügung - wie beim Start der Kampagne für die Bewerbung um die Frauen-WM 2027. Die möchte der DFB mit den Niederlanden und Belgien ausrichten. "Jetzt hoffen wir natürlich, dass wir das Turnier bekommen, denn das würde dem Frauenfußball hier auch wieder gut tun", sagt Neid.

Sie würde sich zum Jubiläum ohnehin wünschen, "dass wir durch noch mehr überzeugte Sponsoren eine neue Dynamik schaffen, ähnlich wie in England." Auch fünf Jahrzehnte nach dem Ende des Frauenfußball-Verbots gelte für die Erbinnen der Pionierinnen grundsätzlich noch immer die alte Maxime: "Titel sind wichtig, genau wie Gesichter."

 

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