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Fussball

Louisa Necib, nicht Zidanette!

Von Bastian Strobl
Louisa Necib streichelt den Ball wie einst Zidane. Trotzdem geht der Spitzname Zidanette gar nicht
© Getty

Obwohl Frankreichs Louisa Necib den Ball streichelt wie einst Zinedine Zidane, ist der Spitzname Zidanette ein absolutes No-Go, wie die SPOX-Redaktion findet. Ähnlich schmerzhaft für die Ohren sind derzeit eigentlich nur die Kommentare der TV-Experten. Echte Knaller sind dafür Schwedens Göttinnen, die schon jetzt unsterbliche Bruna und - natürlich - die Fans. Das und mehr in den Tops und Flops der Vorrunde.

+ It wasn't me

Die Nummer zwei bei Äquatorialguinea, die Nummer eins bei uns: Bruna. Sie hat bisher noch kein Tor geschossen. Ihr Team hat noch keinen Punkt geholt. Trotzdem wird die 27-Jährige für immer mit der WM in Deutschland verbunden sein wie Karla Kick mit Goleo. Wir schreiben den 3. Juli 2011. Es läuft die 16. Minute im zweiten Gruppenspiel für die Afrikanerinnen, als Australiens Leena Khamis in den Ball "reinspritzt" (O-Ton Claudia Neumann).

Die Kugel knallt zuerst gegen den Pfosten, bevor das Leder mit Lichtgeschwindigkeit auf Bruna zuschießt.

Während normale Mädels wie im Sportunterricht hysterisch das Weite gesucht hätten, steht sie aber ihren Mann...ähm, ihre Frau. Die Verteidigerin fischt mit einer Seelenruhe den Ball mit den Händen aus der Luft.

Im Stile einer Kleptomanin schaut sie sich im Anschluss mit einem Mix aus Unschuld und einem drolligen Ich-weiß-es-doch-nicht-besser-Hundeblick um, bevor sie das Spielgerät lässig aus den Händen gleiten lässt. Eine wahre Heldin beweist eben auch in solchen Momenten wahre Größe. Und schafft es zu einer WM, obwohl sie die Regeln nicht kennt.

- Der nordkoreanische Geistesblitz

Die Fußballwelt hat schon viele erinnerungswürdige Pressekonferenzen miterlebt. Vom strunzigen Trap über den 42-sekündigen Augenthaler bis zum Bla-Bla-Doll. Der nordkoreanische Trainer Kim Min-Kwang schoss nach der Pleite gegen die USA aber den Vogel ab.

Die Marionette von Kim Jong-Il erklärte den Leistungsabfall in der zweiten Halbzeit mit einem Blitzschlag, den seine Spielerinnen am 8. Juni in Pjöngjang erlitten haben sollen. "Normale Menschen hätten das nicht geschafft", wirft Min-Kwang die Propaganda-Maschine im Nachhinein erst richtig an.

So lange er eben noch kann, denn der nächste Blitzschlag könnte nach dem Vorrunden-Aus vermutlich den Coach selbst treffen. Der Absender: Der nordkoreanische Donnergott alias Kim-Jong-Il persönlich.

+ Gottschalk lässt grüßen

Ob Thomas Gottschalk mit neidischem Blick auf das Eröffnungsspiel geschaut hat? Man weiß es nicht, es lässt sich bei solchen Zahlen aber vermuten: 18 Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten. 15, 33 Millionen im Schnitt. Ein Marktanteil von traumhaften 60,1 Prozent.

Das alles ohne die Quotenblonde Michelle Hunziker und einen Busenblitzer von Jennifer Lopez. Das heißt aber nicht, dass die Frauen-WM nicht genauso vor Erotik strotzt. Unserer allseits beliebten Boulevardzeitung haben wir es schließlich zu verdanken, dass das letzte große Geheimnis der Menschheit gelöst wurde.

Vergesst den Da-Vinci-Code, endlich weiß man, was die kickende Frau drunter trägt: Unterwäsche von H&M. So gesehen bei Sofia Jakobsson. Schwedin, was auch sonst. Bevor das Niveau zu sehr sinkt, lassen wir jegliche Sprüche zwischen Trainerbänken und Ikea aber sein. Genug ist Genug.

- Generation Praktikum

Es war einmal eine junge Dame, die lachte für ihr Leben gerne. Nichts konnte ihr und ihrem Dr.-Best-Lächeln die Laune verderben. Vor allem das Knacksen von aufeinanderprallenden Gliedmaßen amüsierte sie von Zeit zu Zeit.

Nun wäre dies nichts weiter Verwerfliches, jedem das seine beziehungsweise ihre. Wenn, ja wenn diese Südkoreanerin namens Cha Sung-Mi nicht im Schiedsrichterwesen ihre Berufung gefunden hätte. So war es also das Spiel unserer DFB-Ladies gegen Nigeria, das in der zweiten Halbzeit eher nach dem Motto "Last Woman Standing" ablief.

Unbestätigten Gerüchten zufolge gehören zu den besten Freundinnen von Cha Sung-Mi übrigens Handball-Liebhaberin Gyoengyi Gaal und Kari Seitz, die beim Spiel Brasilien gegen Norwegen einen Touchdown von Marta bejubeln durfte. Vielleicht sollte die letztgenannte Amerikanerin einfach weniger bloggen.

+ Der äquatorialguinesische Ultra

Bruna und Co. müssen trotz ihres Vorrunden-Aus keine Angst vor "Koan Bruna"-Plakaten haben. Die äquatorialguinesischen Ultras haben es nicht nach Deutschland geschafft, der spanischen Armee in Gibraltar sei Dank. Einer ist aber doch durchgeschlüpft. Genauso verrückt wie Hooligans, aber nur halb so gewalttätig.

Und mittlerweile doppelt so berühmt. Über 90 Minuten schrie, tobte, feierte und starb der Afrikaner 1000 Tode, wenn Äquatorialguinea mal wieder aus fünf Metern nur die Eckfahne traf. Oder um es im Fußball-Jargon zu sagen: Wenn die Afrikanerinnen mal wieder einen Garefrekes fabriziert haben. Sorry Mario, du warst einmal.

- Die Leiden des Joseph S. Blatter

Ach Sepp, du hast es nicht leicht. Einst wurdest du von allen geliebt. Damals, als du noch aktiv gegen den Ball getreten hast. Auch wenn es nur bis für den Amateurfußball gereicht hat. Und warst es nicht du, der in den 70er Jahren als Direktor der FIFA-Entwicklungsprogramme den Grundstein für die spätere Entwicklung des Frauen-Fußballs gelegt hat?

Früher war eben doch alles besser. Heutzutage musst du als Captain Hook des FIFA-Nimmerlandes sogar um einen Platz auf Höhe der Mittellinie kämpfen. Doch damit nicht genug: Ausgepfiffen wurdest du bei der Pressekonferenz vor der WM.

Und dann diese dämlichen Fragen nach der Katarschen Geld- und Ledermeisterschaft im Jahr 2022. Wer will es dir also verübeln, wenn du deinen Thron beim Eröffnungsspiel nicht verlassen hast. Amateurhaft sagen die einen. Back to the roots sagst du.

+ Ein Fan, ein guter Fan...

...das ist das Beste, was es gibt auf der Welt. Ein Fan bleibt immer Fan, und wenn das Spiel auch noch so schrecklich sein mag. Das würden die Comedian Harmonists vermutlich über die Anhänger auf den Tribünen der WM-Stadien singen.

Tritt gegen die SPOX-Redaktion an und gewinne einen

Weder durch den gefühlt 100. Fehlpass hintereinander noch wegen der bescheuerten "Bin-ich-jetzt-im-Fernsehen"-Gesichter einiger Eventfans lässt sich ein Hardcore-Fußball-Liebhaber entmutigen. Denn im Rausch der La-Ola-Wellen weiß er: Nach dem Fegefeuer kommt das himmlische Paradies. Am 5.August startet die neue Bundesliga-Saison.

- Zidanette...NOT

Louisa Necib. Ein Name wie ein Gedicht von Charles Baudelaire. Ein Gesicht so süß wie ein Marmeladen-Crepe am Fuße des Eiffelturms. Eine Französin zum Verlieben, wäre da nicht der selten dämliche Kosename. Seit Beginn des Turniers wollen uns die Öffentlich-Rechtlichen die 24-Jährige als "Zidanette" verkaufen.

Auf wen dieser plumpe Spitzname Bezug nimmt, sollte sogar die englische Torhüterin erkennen, obwohl diese bekanntlich ab und zu Probleme mit ihren Augen hat. Und trotzdem: Kann eine gute und technisch versierte Französin nicht einfach genau das sein.

Muss man da denn gleich mit einem Spitznamen um die Ecke kommen? Wir vergleichen ja Melanie Behringer auch nicht mit Jacek Krzynowek.

+ Trikottausch gefällig?

Wie erwähnt bietet die WM durchaus etwas fürs Auge. Ganz vorne dabei in punkto optischen Reizen und damit sozusagen champions-league-reif: die Schwedinnen.

Nicht nur wegen der meist blonden Haarfarbe, sondern vor allem wegen ihrer Laissez-Faire-Einstellung. Josefine Öqvist entledigte sich beispielsweise ihrem Shirt nach dem Treffer gegen Nordkorea, lief schnurstracks zu einem Fan und schenkte ihm das BH-Kondom.

Ihre Begründung: "Ich habe einfach gesehen, dass er mich mag und unterstützt hat - deshalb habe ich es ihm gegeben." Wer also bisher noch keinen Grund gesehen hat, zu einem WM-Spiel zu gehen, dem müsste jetzt geholfen sein.

- Wanted: TV-Expertin

Günter Netzer würde sich im Grabe umdrehen. Wenn er denn schon unter Erde liegen würde. Denn seinen Nachfolgerinnen zuzuhören, ist nicht gerade ein Genuss für die Ohren. Kandidatin Nummer eins: Silke Rottenberg, die in einem inoffiziellen Fußballphrasen-Wettbewerb sogar Oliver Kahn unter den Tisch dreschen und jedes Schwein zum Platzen bringen würde.

Ihr Gegenpart: Sven Voss, der Sohn von Markus Lanz, zumindest wenn es ums Optische und um investigative Fragen geht. Die Unterhaltungen der beiden "ZDF"-Frontexhibitionisten klingen in etwa so spontan und sympathisch wie beim RTL-Montagnachmittagsprogramm. Mitten aus dem Leben geht irgendwie anders.

WM 2011: Der Spielplan des Turniers auf einen Blick

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