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"Für Prinz tut es mir leid"

Von Interview: Josef Opfermann
Ex-Nationalspielerin Renate Lingor holte als Aktive zwei Weltmeistertitel
© Getty

Renate Lingor, Ex-Nationalspielerin, zweifache Weltmeisterin und WM-Botschafterin, sprach mit DB Schülerreporter Josef Opfermann über die Trends der WM, die Stars im Hintergrund und ihre Gründe dafür, nicht doch noch drei Jahre an ihre Karriere dranzuhängen, um bei der WM auf dem Rasen aktiv dabei zu sein.

DB Schülerreporter: Frau Lingor, jetzt wo Sie die Euphorie bei der WM im eigenen Land erleben: Hätten Sie nicht vielleicht doch noch drei Jahre als Spielerin dranhängen können?

Renate Lingor: Drei Jahre sind eine lange Zeit. Dass ich hier gerne mitspielen würde, steht außer Frage, jedoch hätte ich dafür auch noch drei Jahre weiter auf höchstem Niveau trainieren und mich mit anderen Spielerinnen messen müssen, die heutzutage auch viel besser ausgebildet sind. Ich glaube aber, ich habe die richtige Entscheidung getroffen, und ich erlebe die WM ja trotzdem hautnah mit, weil ich auch als Städte-Botschafterin in diesem tollen Event involviert bin.

DB Schülerreporter: Wie erleben Sie denn die Stimmung in und vor den Stadien bisher?

Lingor: Das Turnier hat bisher meine Erwartungen übertroffen. Die Stimmung ist noch besser als ich sie mir hätte träumen lassen. Das betonen ja auch immer wieder Trainer und Spielerinnen in den Medien. Ich finde es einfach toll, wie viele in voller Fan-Montur mit Schal und Trikot den Weg hierher ins Stadion finden, um ihre Mannschaften anzufeuern.

DB Schülerreporter: Zum Sportlichen: Wie gefällt Ihnen das deutsche Mittelfeld um Simone Laudehr und Kim Kulig - Ihre Nachfolgerinnen auf der Sechs?

Lingor: Das war auch ein Grund, warum ich die Fußballschuhe an den Nagel gehängt habe. Der aufstrebende Nachwuchs erfüllt seine Aufgaben wunderbar. Auch Lena Goeßling hat ihre Sache im defensiven Mittelfeld gegen Frankreich sehr gut gemacht, obwohl sie in der Vorbereitung in der Abwehrzentrale zu finden war. Das zeigt auch, wie gut unsere Mannschaft in allen Bereichen arbeitet.

DB Schülerreporter: Das Sorgenkind dagegen ist im Augenblick Birgit Prinz, mit der sie lange Jahre zusammen gespielt haben. Sie steckt plötzlich in einer Formkrise. Ist der Druck von außen, selbst für eine gestandene Spielerin wie Birgit Prinz, doch zu groß?

Lingor: Ich glaube nicht, dass Birgit der Druck von außen zu schaffen macht sondern der, den sie sich selbst macht. Sie hat bereits vor dem Turnier gesagt, dass es ihre letzte WM sein wird. Sie hat so viel für den Frauenfußball in Deutschland getan und ich glaube, dass sie einfach mit dieser WM ihre Karriere krönen wollte, jedoch ihrem eigenen Druck nicht standhalten konnte, was sie eindrucksvoll in einer Pressekonferenz auch zugegeben hat. Für sie persönlich tut es mir sehr leid.

DB Schülerreporter: In der deutschen Elf ist allgemein zu erkennen, dass Spielerinnen wie Birgit Prinz oder Lira Bajramaj nicht wie erwartet im Fokus stehen, sondern zum Beispiel eher Kerstin Garefrekes, die bisher eine herausragende WM gespielt hat.

Lingor: Das wussten wir intern schon immer. Die Stars werden ja immer von den Medien gemacht, jedoch wussten wir schon immer, was wir an Kerstin haben. Sie ist sehr unscheinbar, aber unheimlich wichtig für die Mannschaft - und das schon sehr lange. Auch zu meiner Zeit. Mich freut auch, dass die Medien diese guten Leistungen auch von eher unscheinbaren Spielerinnen, wie eben Kerstin, endlich mal honorieren. Allerdings besteht die Mannschaft aus vielen Spielerinnen, die alle wichtig für den Erfolg sind.

DB Schülerreporter: Ein weiterer unscheinbarer Star ist auch Babett Peter...

Lingor: Babett hat schon bei der EM 2009 in der Abwehr sehr kontinuierlich gespielt und ist mit ihren jungen Jahren schon eine sehr erfahrene Spielerin. Sie hat zwar am Anfang viel auf der Bank gesessen, jedoch zeigt sich, dass, wenn man eine Spielerin lange genug aufbaut, sie auch bei so einer Weltmeisterschaft glänzen kann.

DB Schülerreporter: Bei dieser WM zeichnen sich deutliche Trends ab, wie die häufig knappen Ergebnisse und die teilweise sehr energischen Zweikämpfe. Wie erklären Sie sich das?

Lingor: Im Vorfeld war klar, dass diese WM für unsere deutsche Elf kein Selbstläufer wird. Mittlerweile ist deutlich zu erkennen, dass die einzelnen Nationen immer mehr zusammenrücken und so auch die Leistungsdichte größer wird. Daher auch die knappen Ergebnisse. Die hart geführten Zweikämpfe sind ein Indiz dafür, dass diese WM von allen Mannschaften ernst genommen wird. Einige überharte Spiele kamen aber eher dadurch zustande, dass die Schiedsrichterinnen anfangs keine deutlichen Grenzen gesetzt haben.

Josef Opfermann (17) begleitet als DB Schülerreporter die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011. Während der WM berichtet er vor Ort von den Spielen in Wolfsburg.

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