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Fussball

"Mein Briefkasten ist ganz schön voll"

Von Interview: Susanne Schranner
Kim Kulig kürte sich 2009 mit dem DFB-Team zur Europameisterin
© Getty

Kim Kulig ist trotz ihres jungen Alters bereits Europameisterin und U-20-Weltmeisterin. Im SPOX-Interview spricht die 20-Jährige über das gesteigerte Interesse am Frauen-Fußball, ihr Abitur, Fanpost und Luis Figo.

SPOX: Kim Kulig, schauen Sie eigentlich lieber Frauen- oder Männer-Fußball?

Kim Kulig: Eigentlich beides, ich habe da keine großen Präferenzen. Frauen-Fußball wird halt nur leider weniger übertragen, insofern: mehr Männer-Fußball.

SPOX: Die WM-Saison hat endlich begonnen, demzufolge steigen natürlich aber auch die Begehrlichkeiten von außen. Freut Sie dieses gesteigerte Interesse oder nervt es auch manchmal?

Kulig: Mich freut es ganz generell, wenn das Interesse am Frauen-Fußball zunimmt. Das ist schon noch zu verkraften und ja auch überhaupt kein Vergleich zu dem, was bei den Männern passiert. Man hat bei der U-20-WM schon einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, wie groß das öffentliche Interesse werden kann.

SPOX: Größeres Interesse kann auch größeren Druck bedeuten.

Kulig: Aus der Bundesliga sind wir so etwas natürlich überhaupt nicht gewohnt. Da sitzen nicht so viele Zuschauer auf den Rängen und Journalisten sind auch deutlich weniger da. Aber es freut uns trotzdem, wenn wir mehr im Fokus stehen.

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SPOX: Sie sind längst fester Bestandteil der A-Nationalmannschaft, obwohl Sie noch sehr jung sind. Gibt es bei den Frauen auch dieses Hierarchiedenken, dass die jungen ein paar Handlanger-Jobs für die älteren Spielerinnen machen müssen?

Kulig: Wenn man in eine Gruppe gestandener Spielerinnen kommt, muss man seinen Platz natürlich erstmal finden. Aber wir wurden super aufgenommen. Das Verhältnis besteht ja aus der Bundesliga, wo man sich jedes Wochenende sieht und sich auch kennt. Wir sind insgesamt eine sehr sympathische Mannschaft.

SPOX: Sie haben dieses Jahr Ihr Abitur gebaut. Wie schafft man den schwierigen Spagat zwischen Fußball und Schule?

Kulig: Man muss schon Prioritäten setzen und einige Dinge aussortieren. Man kann einfach nicht jeden Tag glänzen, also muss man schauen, was wichtig ist. Ich habe mich deshalb eher auf meine Hauptfächer konzentriert und ein paar schlechtere Noten in den Nebenfächern einkalkuliert. Es lässt sich nicht alles miteinander vereinbaren.

SPOX: Was sagen die Mitschüler dazu, dass Sie durchaus auch viel unterwegs waren und einiges verpasst haben?

Kulig: Für die meisten war das okay. An meiner Schule waren auch viele Jungs aus der HSV-Jugendabteilung, wir haben da schon eine kleine Sonderstellung genossen. Aber wir hatten immer große Unterstützung der Lehrer.

SPOX: Hatten Sie einen Privatlehrer, um versäumten Stoff nachzuholen?

Kulig: Es gab einen, der für die ganzen Sportler zuständig war. Da konnte man dann schon mal was verpassen, deshalb war er unser Ansprechpartner. Das meiste mussten wir aber alleine machen. Also mussten wir sehr diszipliniert sein.

SPOX: Was waren Ihre Leistungskurse und mit welcher Gesamtnote haben Sie abgeschlossen?

Kulig: Ich hatte Sport und Französisch als LK und am Ende eine 2,8.

SPOX: Zufrieden damit?

Kulig: Ich wollte eigentlich eine 2,5. Leider habe ich die Klausuren ein bisschen verhauen.

SPOX: Bleibt neben Fußball und Schule überhaupt noch Zeit für andere Dinge?

Kulig: Das schon. Mit meinen Freunden und Freundinnen kann ich schon noch einiges nebenbei unternehmen. Und natürlich gehe ich gerne Shoppen.

SPOX: Haben Sie ein paar Lieblingsecken in Hamburg?

Kulig: Ich mag den Hafen und die Alster. Es gibt hier so viele schöne Ecken. Ich bummle gerne durch die Stadt, habe aber noch nicht alles erkundet.

SPOX: Gibt's als schwäbisches Mädel eigentlich auch Sprachschwierigkeiten in Hamburg?

Kulig: Naja, Semmel verstehen sie schon, auch wenn das hier Brötchen heißt (lacht). Aber mit den Butterbrezeln hatte ich anfangs so meine Schwierigkeiten. Die wollten mir in der Bäckerei dann immer ein Butter-Croissant anbieten.

SPOX: Sie sind beim Hamburger SV angestellt, vorher waren Sie in Sindelfingen. Wie groß sind die Unterschiede?

Kulig: Die sind schon enorm. Der HSV ist ein Weltverein mit unheimlich viel Tradition und professionellen Strukturen.

SPOX: Wie ist der Kontakt zur Männerabteilung?

Kulig: Ziemlich eingeschränkt. Die Männer trainieren ja schon auf einem anderen Platz als wir und auf der Geschäftsstelle sieht man sich auch nicht so oft.

SPOX: Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Kulig: Ich habe mit acht Jahren in der E-Jugend angefangen, bei den Jungs. Ich habe nebenbei aber noch zwei andere Sportarten betrieben, es war also nicht so klar, dass ich mich für Fußball entscheiden werde. Ich war Leichtathletin und bin BMX gefahren. Dann wurde ich aber vom Württembergischen Verband gesichtet und habe mich für Fußball entschieden.

SPOX: Bekommen Sie eigentlich auch Fan-Post mit Heiratsanträgen?

Kulig: Mein Briefkasten ist bisweilen schon ganz schön voll, aber so etwas ist da nicht darunter. Trotzdem ist es manchmal ganz witzig, was die Fans so alles schreiben.

SPOX: Haben Sie ein männliches Vorbild?

Kulig: Früher fand ich Luis Figo gut, heute gefällt mir das Spiel von Frank Lampard.

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