Fussball

Porto-Problemkind Shoya Nakajima: Katar statt BVB, Porto statt PSG, Bank statt Startelf

Von Stefan Zieglmayer
Shoya Nakajima spielt seit Sommer 2019 für den FC Porto.

Im Alter von 24 Jahren wechselte Shoya Nakajima für 35 Millionen Euro nach Katar. Überraschend unterschrieb er im Sommer nicht bei Paris Saint-Germain, sondern beim FC Porto. Seinen Vorschusslorbeeren wurde "Naka" bisher aber nicht gerecht.

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Seit einem Jahr ist Shoya Nakajima nun schon der teuerste japanische Fußballer aller Zeiten. 35 Millionen Euro zahlte der katarische Erstligist Al Duhail für Nakajima, nur um ihn 152 Tage später für ein Drittel davon wieder zu verkaufen. Klingt dämlich, doch der Schein trügt.

Al Duhail sicherte sich 50 Prozent der Transferrechte an Nakajima (Ausstiegsklausel: 80 Mio. Euro). Porto erhielt quasi nur einen halben Nakajima. Blöd nur, dass der Japaner derzeit auch nur die Hälfte seines Potenzials abruft. Seit seinem Wechsel nach Katar stagniert seine Entwicklung.

Zuvor avancierte er in Diensten von Portimonense zu der Entdeckung in der portugiesischen Liga NOS. In 47 Pflichtspielen für den Klub aus der Algarve kam Nakajima auf 34 Scorerpunkte (15 Tore, 19 Vorlagen). Im September 2018 wurde er zum Spieler des Monats gewählt.

Shoya Nakajima im Steckbrief

geboren23. August 1994 in Hachioji
Größe1,64 m
Gewicht64 kg
Positionlinker Flügel, offensives Mittelfeld
starker Fußrechts
StationenTokyo Verdy Academy, Tokyo Verdy, FC Tokyo, Kataller Toyama, FC Tokyo, Portimonense, Al Duhail, FC Porto
Spiele/Tore in der Liga NOS55/15

Shoya Nakajima sollte wohl zu PSG wechseln

Ein Wechsel im Winter wurde immer wahrscheinlicher. Klubs aus der Premier League und der Bundesliga standen Schlange. Auch der BVB, damals noch mit Shinji Kagawa im Kader, zeigte Interesse.

Statt Dortmund hieß es dann im Februar aber Doha. Der Wüstenklub Al Duhail gewann das Rennen um Japans Spielmacher. Der damals 24 Jahre alte Nakajima zog Katar einem Champions-League-Teilnehmer vor. Klingt dämlich, doch der Schein trügt.

Der Inhaber von Al Duhail ist gleichzeitig auch der Besitzer von Paris Saint-Germain: Katars Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al Thani. Es wurde vermutet, Al Duhail sei nur eine Zwischenstation für Nakajima auf dem Weg nach Paris. Er sei in Doha bis zum Sommer 2019 nur "geparkt", dann würde er für einen "Freundschaftspreis" zu PSG wechseln, berichteten englische Medienhäuser.

Das ergab Sinn. PSG hatte Probleme, die Auflagen von Financial Fairplay zu erfüllen und Al Duhail brauchte einen Ersatz für den Langzeitverletzten Nam Tae Hee (Kreuzbandriss). Doch Nakajima verspielte das Interesse von PSG. Seine Leistungen? Durchwachsen.

Nakajima und die Defensive: "Muss in allen Aspekten wachsen"

Immer wieder, wie jetzt auch beim FC Porto, ließ er seine Stärken aufblitzen. Über die vier Monate hinterließ er jedoch keinen bleibenden Eindruck. Eine schwache Hinserie macht noch keinen Flop, doch auch in Porto kommt Nakajima nur schwer ins Rollen.

Er kann an guten Tagen eine echte Waffe in der Offensive sein. Seine Technik, seine Kreativität und seine Spielfreude machen den Offensivkünstler aus. Das Problem: In der Defensive findet Nakajima kaum statt. "Ich muss in allen Aspekten wachsen", sagt er selbst.

Das ist einer der Gründe, weshalb Nakajima bei seinem neuen Klub erst elfmal in 30 Spielen in der Startelf stand. Trainer Sergio Conceicao setzt je nach Gegner lieber auf Spieler, die auch defensiv einen Beitrag zum Teamerfolg leisten. Obwohl Nakajima flexibel einsetzbar ist, sowohl auf dem linken Flügel, aber auch im Zentrum oder als hängende Spitze spielen kann, erhalten meist Moussa Marega oder Luis Diaz den Vorzug.

Ausgerechnet nach dem 3:2-Sieg gegen Nakajimas Ex-Klub Portimonense nahm sich Conceicao den Japaner zur Brust. Er attestierte Nakajima "einen inakzeptablen Mangel an Engagement". Das Wachrütteln trägt bis heute keine Früchte.

Obwohl es Nakajimas "wahr gewordener Traum" sei, für den FC Porto zu spielen, scheint er sich nur schwer zu integrieren. Die portugiesische Sprache bereitet ihm noch große Probleme. Und das, obwohl Nakajima zuvor bereits eineinhalb Jahre in der Liga NOS gespielt hatte. Bei Portimonense verständigte er sich mithilfe eines Dolmetschers auf Englisch. In seiner Jugend wohnte er sogar für einige Monate in Brasilien. Portugiesisch lernte er auch dort nicht.

Nakajima? "Kein Spieler ist so agil"

Weil seine Mutter sich scheiden ließ, als Nakajima sechs Jahre alt war, stand sie finanziell auf wackeligen Beinen und musste viel arbeiten. Dennoch ermöglichte sie ihrem Sohn, verschiedene Fußballschulen zu besuchen.

Dreimal war der junge Shoya deshalb zu Gast in Brasilien, wo er eine High School besuchte. "Manchmal weinte sie", erzählte Nakajima später: "Sie dachte, ich werde Profi in Brasilien und würde nicht mehr zurückkehren." Doch er kehrte zurück - und wurde zum Gesicht der goldenen Generation Japans.

Gemeinsam mit Takumi Minamino (25, FC Liverpool) und Ritsu Doan (21, PSV Eindhoven) wird er in Japan als eines der "drei Musketiere" gefeiert. Der ehemalige Nationaltrainer Vahid Halilhodzic sagte über Nakajima: "Kein Spieler ist so agil, so explosiv und so unschlagbar im Eins-gegen-Eins."

Auch Porto-Coach Conceicao weiß diese Qualitäten zu schätzen, weshalb er ihm weiterhin Minuten schenkt. Er "wollte Nakajima unbedingt", verriet Porto-Präsident Pinto da Costa nach Bekanntwerden des Transfers. Nakajima zeigt jedoch zu selten, warum.

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