Fussball

Zlatko Junuzovic im Interview: Absprachen zwischen RB-Klubs? "Kompletter Blödsinn"

Von Robin Haack
Zlatko Junuzovic (r.) wechselte im Sommer von Bremen nach Salzburg.
© imago

SPOX/GOAL: Sie haben während Ihrer Zeit in Bremen neben dem Fußball Sportmanagement studiert. Sehen Sie sich nach der Karriere eher am Schreibtisch oder wäre auch der Trainerberuf eine Option?

Junuzovic: Ich plane, bald meinen Trainerschein zu machen, aber auch eine weitere Fortbildung im Management kommt für mich in Frage. Ich glaube, nach meiner aktiven Karriere zieht es mich eher in diese Richtung. Ich möchte mir viele Türen offenhalten und schauen, was zu mir passt. Vielleicht wird es auch etwas komplett anderes. Trotz allem habe ich aber noch ein paar Jahre als Spieler vor mir, die ich genießen möchte.

SPOX/GOAL: Salzburg setzt verstärkt auf junge Spieler. Gerade im zentralen Mittelfeld stehen mit Amadou Haidara und Diadie Samassekou zwei hochgelobte Talente im Kader. Was zeichnet sie aus?

Junuzovic: Ihre Spielfreude ist einfach unglaublich. Gerade bei Samassekou, der ständig am Lachen ist. Die Jungs haben viel Talent, denken sich nichts dabei und spielen einfach drauf los. Von der Spielanlage und ihrer Position unterscheiden sie sich ein wenig. Diadie ist ein Spieler, der eher defensiv ausgerichtet ist. Haidara ist überall zu finden, ein Box-to-Box-Spieler. Ich bin mir sicher, dass die Jungs ihren Weg machen werden. Es wird in der Zukunft noch viele Situationen geben, in denen sie sich beweisen müssen, aber sie spielen bisher konstant auf einem guten Niveau.

SPOX/GOAL: Haidara wird schon jetzt regelmäßig mit Naby Keita verglichen. Trauen Sie ihm eine ähnliche Karriere zu?

Junuzovic: Ja, auf jeden Fall. Vielen Spielern aus unserer Mannschaft traue ich einiges zu. Die Kunst dabei ist, diese guten Leistungen zu bestätigen. Inzwischen unterschätzt uns keiner mehr. Jeder kennt unsere Qualitäten und die Stärken der einzelnen Spieler. Der Druck und die Erwartungshaltung werden dadurch zweifellos größer. In der vergangenen Saison konnten wir in der Europa League von Runde zu Runde schauen, wie sich die Situation entwickelt und haben es bis ins Halbfinale geschafft. Das alles sind Erfahrungen, die die Jungs sammeln und verarbeiten. Langfristig wirken sich solche Situationen sehr gut auf die Entwicklung der Spieler aus.

Junuzovic über die Duelle zwischen Leipzig und Salzburg

SPOX/GOAL: Salzburg hat Leipzig zum Europa-League-Auftakt mit 3:2 geschlagen. Wie wichtig war es, dem "Bruder" aus Leipzig zu zeigen, dass Salzburg mehr ist als nur ein Farmteam?

Junuzovic: Der Sieg gegen RB Leipzig war wichtig, weil wir damit optimal in die Gruppenphase gestartet sind. Wir haben uns zunächst sehr gefreut, dass wir in einer derart anspruchsvollen Gruppe mit Celtic, Leipzig und Rosenborg spielen dürfen. Vor allem Celtic und Rosenborg waren schon oft in der Champions League. Dass wir mit Leipzig einen deutschen Bundesligisten auswärts geschlagen haben, hat vor allem für die Österreicher einen hohen Stellenwert. Generell haben wir da gezeigt, wie stark wir sein können. Trotzdem muss man das Ganze auch ein bisschen relativieren: Wir haben den Ausgleich bekommen und dann mit dem späten 3:2-Siegtreffer den Lucky Punch gesetzt.

SPOX/GOAL: Im Vorfeld gab es diverse Diskussionen um Absprachen zwischen den beiden RB-Klubs. Wie beurteilen Sie diese Vorwürfe?

Junuzovic: Das ist alles kompletter Blödsinn. Nennen Sie mir einen Spieler, der ein Spiel verlieren will. Nie im Leben! Und ich bin mir ganz sicher, dass die Leipzig-Spieler ebenso wenig gegen uns verlieren wollen. Ganz im Gegenteil: Am liebsten hätten die uns aus dem Stadion geschossen. Insgesamt war es einfach ein gutes Spiel mit vielen Toren, Tempo, Aggressivität und Leidenschaft - so wie Fußball sein soll.

SPOX/GOAL: In Deutschland wurde das Duell im Vorfeld sehr kritisch gesehen. Wie geht man als Spieler mit dieser speziellen Konstellation um?

Junuzovic: Für mich steht der sportliche Aspekt im Vordergrund. Bei all der Kritik muss man aber auch schauen, wie viel ein Verein leistet, wie er sich entwickelt, ob er Geld durch Transfers einnimmt, welche Spieler er selbst ausgebildet und in welchen Situationen man Spielern die Chance gibt, ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen. Auch bei Red Bull Salzburg hat diese Entwicklung mehrere Jahre gedauert, doch nun trägt die Arbeit Früchte. Um erfolgreich zu sein, muss in allen Bereichen sehr viel Qualität vorhanden sein. Und das schafft man nicht allein mit Geld, sondern man muss auch das richtige Personal haben und die richtigen Entscheidungen treffen. Wir sind ein Verein wie jeder andere auch, wir arbeiten akribisch und sind gut vorbereitet. Es ist immer leicht zu sagen: Dieser Verein hat Geld, deshalb werden sie Erster. Doch so einfach ist das nicht. Natürlich hilft es, doch die Kunst ist, das Geld richtig einzusetzen.

Junuzovic über die Kritik an Red Bull

SPOX/GOAL: In Deutschland muss RB Leipzig häufig mit Anfeindungen umgehen. Ist es mit Salzburg in Österreich ähnlich?

Junuzovic: Ich denke, in Deutschland ist das schon ein wenig anders. Gerade in Dortmund war die damalige Situation sehr heftig. Trotzdem muss man anmerken, dass jeder Verein Sponsoren hat und braucht. Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass der Fußball wieder mehr im Vordergrund steht. In Österreich wird die Situation um Red Bull Salzburg eher positiv gesehen, weil die Mannschaft über Jahre sowohl national als auch international erfolgreich war, tollen Fußball spielt und wertvolle Punkte für die Fünfjahreswertung gesammelt hat.

SPOX/GOAL: Diese Punkte konnten vor allem im vergangenen Jahr gesammelt werden, als Salzburg erst nach dramatischen Spielen gegen Marseille im Halbfinale der Europa League gescheitert ist. Ist Ähnliches wieder möglich?

Junuzovic: Das ist zumindest die Erwartungshaltung und der Anspruch von außen. Ich will nicht zu pessimistisch klingen, muss aber die Lage aus analytischer Sichtweise betrachten. Die vergangene Saison war überragend, nicht nur für uns, sondern für den kompletten österreichischen Fußball. Wir konnten ein echtes Statement setzen. Obwohl wir die bessere Mannschaft waren, sind wir mit viel Pech im Halbfinale gescheitert und konnten zeigen, dass die österreichische Liga gar nicht so schlecht ist, wie es von außen oft dargestellt wird. Jetzt haben wir Leipzig und Celtic geschlagen und wieder ein kleines Ausrufezeichen gesetzt. Die Fans dürfen träumen, aber wir müssen unsere Leistung wöchentlich bestätigen.

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