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Fussball

Türken auf griechischen Spuren

SID
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© DPA

Basel - Die Fachwelt zweifelt, der Anhang schwärmt, die Profis träumen - mit dem letzten Aufgebot geht die Türkei in den EM-Endspurt und hofft auf ein Fußball-Wunder wie 2004 ausgerechnet durch den Erzrivalen.

"Wir würden uns sehr freuen, wenn es ein zweites Griechenland gibt und wir den Pokal gewinnen", sagte Hamit Altintop vor dem prestigeträchtigen Halbfinale gegen Deutschland am Mittwoch in Basel (20.30 Uhr im SPOX-TICKER).

Die vielen Ausfälle sind für den Profi des FC Bayern München kein Grund, nicht an das erste EM- Endspiel einer türkischen Mannschaft zu glauben: "Wir haben andere, nicht so bekannte Spieler. Und diese Jungs brennen."

Taktisch-spielerische Defizite und die Personalnot machte das Team von Fatih Terim zuletzt mit einem unbändigen Kampfgeist wett. Nach drei Last-Minute-Siegen über die Schweiz, Tschechien und Kroatien strotzen seine Stehaufmännchen vor Selbstvertrauen.

Panik in Deutschland

Angesichts dieser Qualitäten verbreitet sich nach Einschätzung der Zeitung "Yeni Safak" in Deutschland "Panik". Kurz vor der Umzug aus Wien nach Basel dachte Verteidiger Gökhan bereits über den möglichen Finalgegner nach: "Im Endspiel würde ich am liebsten auf Spanien treffen." Und der verletzt abgereiste Nihat tönte: "Meine Mannschaftskameraden werden die Panzer in die Knie zwingen."

Die martialischen Worte dokumentieren den patriotischen Stellenwert des Fußballs in der Türkei. Die nationale Euphorie macht das Spiel in Basel für Staatspräsident Abdullah Gül und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zu einer Art Pflichttermin.

Wie schon bei den bisherigen EM-Spielen wird auch am Mittwoch ein Porträt von Staatsgründer Atatürk neben der türkischen Bank stehen.

Türken mit psychologischem Vorteil

Im Vergleich zu den Deutschen wähnt sich der WM-Dritte von 2002 im psychologischen Vorteil. Schließlich könnte der Underdog, der voraussichtlich auf neun verletzte oder gesperrte Spieler verzichten muss, eine Niederlage eher verschmerzen.

"Was wir bisher erreicht haben, ist ein großer Erfolg. Deshalb werden wir befreit aufspielen", kündigte der in Gelsenkirchen geborene Altintop an.

Die Aussicht auf den größten Erfolg in der türkischen Fußball-Geschichte hilft über die vielen personellen Rückschläge hinweg. Nicht zuletzt deshalb hielt sich das Wehklagen über die Bestätigung der Zwei-Spiele-Sperre von Volkan in Grenzen.

Rüstü vom Deppen zum Held

Trotz des Notstandes ließ sich die Disziplinarkommission der UEFA nicht erweichen und verweigerte den Stammtorhüter einen Einsatz im Halbfinale.

Deshalb muss Ersatzmann Rüstü auch gegen Deutschland ran. Der 35 Jahre alte Routinier, der ähnlich wie sein deutscher Widersacher Jens Lehmann in seinem Klub nicht zur Stammelf zählt, hatte gegen Kroatien mit einem kapitalen Schnitzer die 1:0-Führung des Gegners eingeleitet, aber mit der entscheidenden Elfmeter-Parade für das umjubelte Happy End gesorgt.

In seiner Not dachte Trainer Terim bereits darüber nach, Ersatzkeeper Tolga gegebenenfalls in der Schlussphase des Spiels als Feldspieler einzusetzen.

Türken besser als Griechen

Der Blick zurück stärkt die Türken in ihrem Glauben an den nächsten Coup. Schließlich gab es in den vergangenen drei Vergleichen mit der DFB-Elf keine Niederlage. In der Qualifikation für die EURO 2000 glückte in Bursa ein 1:0, in München ein 0:0.

Und auch beim bisher letzten Länderspiel am 8. Oktober 2005 setzten sich die Türken in Istanbul 2:1 durch. Für Altintop ist ein Sieg deshalb deshalb gar nicht so abwegig. Doch so ganz kann er sich mit seinem Verweis auf die griechische Erfolgsstory doch nicht anfreunden: "Ich finde, dass wir besser Fußball spielen als sie."

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