Cookie-Einstellungen
Fussball

Domenech bleibt Nationaltrainer

SID
EM 2008, Fussball, Domenech, Frankreich
© DPA

Paris - Raymond Domenech bleibt trotz des blamablen Abschneidens bei der Europameisterschaft Trainer der französischen Nationalmannschaft, teilte der Französische Verband (FFF) in Paris mit.

Allerdings werden die "Bedingungen seiner Amtsausübung" und des Managements der Nationalmannschaft überarbeitet, wie es Verbandsboss Jean-Pierre Escalettes diplomatisch formulierte. Zudem solle das Team mit den Medien "versöhnt" werden. Heißt im Klartext: Domenech soll nicht mehr so selbstherrlich agieren können wie bisher.

Diskutiert wird auch darüber, ob der 56-Jährige einen Kommunikationsdirektor zur Seite gestellt bekommt - zur Verbesserung der Außendarstellung und der Zusammenarbeit mit der von ihm nicht gerade heiß geliebten Presse.

"Er hat jetzt nur noch eine Mission: sich auf das zu konzentrieren, was auf dem Platz passiert", sagte Escalettes. "Die Kommunikation muss auf das französische Team fokussiert sein und nicht auf persönliche Belange."

Domenech wurde sein kauziger Umgang mit der Presse vorgeworfen und dass er seine Spieler zu sehr von Fans und Medien abschotte. Für große Irritationen hatte auch sein unmittelbar nach dem EM-Aus via TV geäußerter Heiratsantrag gesorgt.

Ribery und Sagnol für Domenech

Mehrere Stunden berieten die 21 Mitglieder des Verbandsrates am Sitz des FFF am Boulevard de Grenelle über das Schicksal Domenechs. Punkt 13 Uhr trat Escalettes vor die Presse und verkündete die zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr unerwartete Entscheidung.

Am 17. Juni hatten sich die Franzosen nach einer enttäuschenden Europameisterschaft mit einer Niederlage gegen Italien aus Österreich und der Schweiz verabschiedet. Seit diesem Tag debattierten Spieler, Präsidenten, Ehemalige, Fans und Medien nahezu ununterbrochen über die Causa Domenech. "Rettet den Soldaten Domenech" hatte "Le Parisien" noch am Donnerstag geschrieben.

Das Zentralorgan des französischen Sports veröffentlichte sogar eine Tabelle mit Fürsprechern und Gegnern des 56 Jahre alten Nationaltrainers. "L'Equipe" notierte auf der pro-Domenech-Seite die Bayern-Profis Franck Ribery und Willy Sagnol, FFF-Präsident Escalettes, Liga-Boss Frederic Thierez und sogar UEFA-Präsident Michel Platini und Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

Massive Front der Gegner

Fast die komplette Weltmeister-Elf von 1998 dagegen sprach sich gegen Domenech aus. "Das Team hat die Erwartungen nicht erfüllt, also sollte er zurücktreten", sagte etwa Bixente Lizarazu im SPOX.com-Interview.

Der frühere Bayern-Profi, mit Frankreich 1998 Weltmeister und 2000 Europameister, weiter: "Frankreich hatte schon 2006 unter Domenech sehr viel Mühe, sich für die WM in Deutschland zu qualifizieren. Erst als er feste Größen wie Zinedine Zidane, Lilian Thuram und Claude Makelele zurückgeholt hat, lief es wieder rund. Es ist schon bezeichnend, dass ausgerechnet diese drei Spieler ihn damals gerettet haben. Immerhin war es Zidane, der Frankreich bis ins Finale geführt hat."

Als Favorit der Domenech-Gegner galt Didier Deschamps - der "General" der WM-Helden von 1998 wurde jetzt erst einmal ausgebremst.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung