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Fussball

Kein Star: EM wird von Kollektiven bestimmt

SID
em 2008, russland, arschawin
© Getty

Wien - Franck Ribéry trägt Gips, Luca Toni mit Italien Trauer, und Cristiano Ronaldo feilscht um einen Wechsel von Manchester nach Madrid. Die Europameisterschaft biegt auf die Zielgerade ein, doch die vermeintlichen Superstars sind längst zu Hause.

Auf die Frage nach der prägenden EM-Figur ist vor den Halbfinalspielen noch keine Antwort gefunden. Zu sehr bestimmen Kollektiv- und Teamgedanke das Turnier in Österreich und der Schweiz.

Lichtblick bei der Heldensuche ist Andrej Arschawin. Noch ist der schmächtige Russe eher Sternchen als Star. Aber mit seinen imposanten Dribblings hat der 27-Jährige mit dem Milchbubi-Gesicht Fans und Experten gleichermaßen begeistert.

"Er bringt den Funken der Magie zum Leuchten", schwärmte Andy Roxburgh. Der Schotte Roxburgh ist Vorsitzender der UEFA-Technik-Kommission und damit oberster offizieller Star-Späher bei der EURO.

Zidane lobt Russen

Als Chef des neunköpfigen Observer-Gremiums führt er das Experten-Team, das nach dem Finale den besten EM-Spieler und die 23 Akteure umfassende Allstar-Mannschaft wählen wird.

Auch Arschawins Sturmpartner Roman Pawljutschenko dürfte einen Platz in dem europäischen Elite-Kader sicher haben. "Ich war sehr glücklich, diese Art von Fußball auf dem Platz zu sehen", lobte der Fußball-Rentner Zinedine Zidane den Russen-Stil. Bei Frankreichs Turnier-Sieg im Jahr 2000 war Zidane noch selbst der große EURO-Star gewesen.

Der blonde Riese Pawljutschenko liegt mit drei Treffern gemeinsam mit Lukas Podolski und dem schon ausgeschiedenen Schweizer Hakan Yakin auf Platz zwei der Torschützenliste. Nur Spaniens David Villa hat schon vier Treffer auf dem Konto und damit die beste Ausgangsposition auf die Torjägerkrone.

Benzema enttäuscht

Besonderes Lob von den UEFA-Beobachtern bekam auch schon DFB-Kapitän Michael Ballack als Paradebeispiel für teamorientiertes Auftreten und taktische Anpassungsfähigkeit.

Der deutsche London-Legionär ist damit einer der wenigen verbliebenen Superstar-Kandidaten im europäischen Casting-Wettbewerb, der schon vor Turnierstart heiß gehandelt wurde.

Andere blieben früh auf der Strecke wie der Schweizer Unglückrabe Alexander Frei oder der vollkommen wirkungslos gebliebene Franzose Karim Benzema. Kroatiens Jungspund Luka Modric deutete sein Potenzial wenigstens gelegentlich an.

Altintop erfüllt alle Kriterien

Letztlich weit unter seinen großartigen Möglichkeiten blieb aber vor allem Star-Top-Kandidat Cristiano Ronaldo. Sein Cowboy-Gehabe vor Freistößen wirkte letztlich fast lächerlich.

Auch der Holland-Stern Rafael van der Vaart verglühte in der K.o.-Phase zu schnell. Sein Teamkollege Wesley Snijder hätte bei einem Einzug ins Halbfinale großes Starpotenzial gehabt. Doch die neue Russen-Power beendete alle Träume.

Alle Kriterien des neuen Anforderungsprofils für einen EURO-Star erfüllt ausgerechnet Dauerläufer Hamit Altintop. Auf vielen Positionen einsetzbar, taktisch perfekt geschult und mit großer kämpferischer Hingabe für sein Team hat der Profi vom FC Bayern München seinen Marktwert und kontinentalen Bekanntheitsgrad deutlich gesteigert.

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