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Fussball

So knackt man Portugal

Von Für SPOX.com bei der EM: Stefan Rommel

Ascona - Die Zeit des Vorgeplänkels ist vorbei, die Gruppenphase hat acht Mannschaften ausgesiebt und acht andere schonungslos nach Hause geschickt.

Deutschland und Portugal machen heute den Auftakt zur crunch time, zur K.o.-Runde beim kontinentalen Wettstreit (20.30 Uhr im SPOX-TICKER).

Die deutsche Mannschaft wird im Vergleich zum Spiel gegen Österreich auf drei Positionen verändert auflaufen: Der verletzte Torsten Frings (Rippenbruch), der formschwache Mario Gomez und Clemens Fritz werden durch Thomas Hitzlsperger, Simon Rolfes und den nach seiner Rotsperre wieder spielberechtigten Bastian Schweinsteiger ersetzt.

Portugal - ein Hammer

Portugal also. Die Seleccao, die beschwingte Zaubermaschinerie. Ronaldo, Deco, Moutinho, Simao, Pepe. Ein Hammer, aber was will man erwarten in der Runde der besten Acht?

Selten genug ist Deutschland in einem Länderspiel nicht Favorit. Gegen die bisher überzeugenden Portugiesen aber lauert das DFB-Team tatsächlich in der Außenseiterrolle. In einer Rolle, die aber durchaus auch Hoffnungsschimmer beherbergt.

SPOX.com kennt die Schwachstellen der Portugiesen und verrät, wie die deutsche Mannschaft diese nutzen muss.

Ricardo: Portugals Torhüter, SPOX-Durchschnittsnote 4,0. Auf der Linie ein Guter, aber immer mit dem Hang zu unnötiger Dramatik. Bisweilen ein Selbstdarsteller vor dem Herrn und vor allen Dingen: Mit unheimlichen Schwierigkeiten in der Strafraumbeherrschung. Unterlief während des Turniers zahllose Flanken, griff an einfachen Bällen vorbei. Deutschland muss den 32-Jährigen mit einem Hagel von Flanken und guten Standards eindecken. Ricardo greift garantiert mal daneben.

Paulo Ferreira: Linksverteidiger und im Vergleich zu Bosingwa auf der rechten Seite um Klassen schlechter (SPOX-Notenschnitt 3,66). Langsam, mit schlechtem Stellungsspiel und ohne jeden Druck nach vorne. DER Schwachpunkt im portugiesischen Spiel und Hauptangriffspunkt für viele deutsche Angriffe. Unter Druck fehlerbehaftet.

Ronaldos Nicht-Defensivleistung: Wenn wir schon auf der linken Seite sind... Cristiano Ronaldo wird nicht immer über links kommen, aber doch sehr häufig. Hält er sich dort auf, endet sein Einsatzgebiet kurz nach der Mittellinie. Er lässt Ferreira oft allein, erledigt seine wenigen Defensivaufgaben schlampig. Hier besteht eine große Chance, in Überzahl nach vorne zu kombinieren und Petit, Deco oder Moutinho aus dem Zentrum auf die Außen zu locken.

Die Kopfballschwäche: Deutschlands Kapitän Michael Ballack muss viel öfter mit Zug in den Sechzehner stoßen und seine große Qualität zum Einsatz bringen. Bei Standards versteht sich das von selbst. Gleiches gilt auch für Per Mertesacker oder Christoph Metzelder oder Miroslav Klose. "Meine Spieler sind viel, viel kleiner. So gefühlte 1 Meter 20", witzelte Portugals Coach Luiz Felipe Scolari noch auf der Pressekonferenz. Eine große Chance liegt förmlich in der Luft.

Anfällig für Fernschüsse: Der Flatterball, der Ricardo, der Schweini. Eine hoffnungsvolle Kombination. Bastian Schweinsteiger schenkte Ricardo in zwei Spielen gegeneinander vier Buden ein - alle aus der zweiten Reihe. Auch Ballack ist gerne aufgefordert, einfach mal abzuziehen. Gegen Österreich und Kroatien kam die DFB-Elf viel zu selten zum Torabschluss. Das muss besser werden.

Verrückt und total sexy: Die Fans bei der Europameisterschaft 

Verwaistes Mittelfeld: Wahrscheinlich beginnt Lukas Podolski im Angriff neben Miroslav Klose. Das verbietet ihm aber nicht, sich häufiger ins Mittelfeld fallen zu lassen. Das hat zum einen den Vorteil, dass das Mittelfeld bei Ballbesitz des Gegners einen Mann mehr hätte, um gegen den Ball zu arbeiten. Und zum anderen: Gegen Österreich zog Poldi oft in die Mitte, schnappte sich den Ball und zog mit Zug kommend ab. Platz könnte ja sein, wenn Petit, Deco oder Moutinho gerade noch auf den Außen aushelfen mussten.

Den Raum zum Atmen nehmen: Portugal kann eine echte Artistentruppe sein - wenn man ihnen Raum und Zeit gewährt. "Wir müssen von Beginn an powern, dann haben wir eine Chance", weiß Schweinsteiger. Recht hat er. Es muss darum gehen, den Portugiesen die Lust am Ball und am Spiel zu nehmen. Mit einer ordentlichen Portion Aggressivität. "Einen wie Ronaldo müssen wir schon bei der Ballannahme stören", sagt auch Ballack. Andernfalls läuft man Ball und Gegner nur hinterher.

Portugal liegt Deutschland: "Natürlich sind die Portugiesen tolle Fußballer. Aber das ist auch ein Vorteil. Wir tun uns leichter gegen Mannschaften, die selbst Fußball spielen wollen", sagt Joachim Löw. Mit der taktischen Ausrichtung im 4-5-1 hatte die DFB-Elf bisher zwar einige Probleme, andererseits gab es jetzt auch genügend Anschauungsunterricht und Zeit, sich gründlich darauf vorzubereiten. Außerdem gibt es noch ein Hühnchen zu rupfen für das bittere 0:3 bei der EM 2000.

Die deutsche Einstellung: Klingt sehr nach Phrasenschwein, aber Deutschland ist nun mal in der Lage, sich im Laufe eines Turniers zu steigern. Jeder muss bis an seine Grenzen gehen, 100 Prozent von jedem sind die Grundvoraussetzung für einen Sieg.

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