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Fussball

Der FC Bayern Deutschland

Von Für SPOX.com bei der EM: Stefan Rommel
podolski, schweinsteiger, klose
© Getty

Ascona - Im Grunde begann alles mit einem Fehlpass von Lothar Matthäus.

Langer Schlag vom deutschen Libero. Davor Suker geht dazwischen. Christian Wörns will ausbügeln, ist aber einen Sekundenbruchteil zu spät dran.

Der damalige Leverkusener rauschte Suker an der Mittellinie um und sah für das spektakuläre Foul glatt Rot. Der Rest ist bekannt: Deutschland verlor gegen Kroatien mit 0:3 und schied im Viertelfinale der WM 1998 aus.

Bayern erfolgreich, DFB-Team nicht

Der Aufschrei war groß im Land des amtierenden Europameisters, Bundestrainer Berti Vogts musste gehen. Und Uli Hoeneß, Manager von Rekordmeister Bayern München, tüftelte einen verwegenen Plan aus, wie man den deutschen Fußball wieder zurück an die Spitze bringen könnte.

Der ging dann so: Man nehme die besten Spieler des Landes und stülpe ihnen ein Bayern-Trikot über. Hoeneß prägte damals den Begriff vom "FC Bayern Deutschland", verwies auf die glorreichen 70er Jahre, als die DFB-Auswahl zum Großteil aus den beiden Blöcken der Bayern und von Borussia Mönchengladbach bestand.

Hoeneß wollte die Nationalmannschaft im tagtäglichen Betrieb an der Säbener Straße um sich scharen, zum Wohle des deutschen Fußballs natürlich. Der Plan ging nur zum Teil auf. Die Bayern holten 1999 und 2000 den Meistertitel - die Nationalmannschaft ging bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden in der Gruppenphase unter.

Schon mal danebengegangen

Lange Zeit musste Hoeneß mit dem unbedacht geäußerten Begriff leben, erst im Januar diesen Jahres wurde der "FC Bayern Deutschland" wieder hervorgekramt. Als nämlich Jürgen Klinsmann als neuer Bayern-Trainer bekanntgegeben wurde und kurz darauf der Wechsel von Tim Borowski nach München.

Da vermuteten viele Experten ein Revival von Hoeneß' altem Plan, mit Hilfe des ehemaligen Bundes-Klinsi die deutschen Nationalspieler nach München zu locken und auf ein lang anhaltendes Sommermärchen zu setzen.

Hoeneß dementierte Gerüchte um den "FC Bayern Deutschland" allerdings heftig: "Das hatten wir schon mal und es ist danebengegangen."

15 Scorerpunkte durch Bayern-Spieler

Die DFB-Elf anno 2008 steht im EM-Finale gegen Spanien (So., ab 20 Uhr im SPOX-TICKER) und ist bunt gemischt. Zwar stellen die Bayern mit fünf Spielern das größte Kontingent, von einem echten Block kann man bei derzeit vier Stammspielern im Team aber nicht sprechen.

Wenn man sich jetzt aber die Statistiken des bisherigen Turniers anschaut, waren die Bayern-Spieler noch nie so wertvoll für die Nationalmannschaft wie bei dieser EM. Von den zehn Toren, die Deutschland bisher erzielt hat, gehen acht auf das Konto von Bayern-Spielern.

Dazu kommen sieben Assists zu den Toren. Lediglich Michael Ballack (FC Chelsea, zwei Tore, ein Assist) und Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart, ein Assist) treten als Nicht-Bayern in der Scorerliste in Erscheinung.

Unterschied zwischen Bundesliga- und EM-Form

Ein wenig verwundert darf man darüber schon sein. Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose spielten im Verein allenfalls eine durchwachsene Saison, Lukas Podolski kam nur sehr sporadisch zum Einsatz und war notorisch unzufrieden und Marcell Jansen häufig und lange verletzt.

Jansen war leider auch jetzt wieder angeschlagen, Klose, Podolski und Schweinsteiger sind Stammspieler. Bleibt noch Philipp Lahm. Er verkörpert vielleicht am besten den großen Unterschied zwischen ihrer Form in der Bundesliga und ihrer Form bei der EM.

Lahms wilde Entschlossenheit

Lahm funktioniert im DFB-Dress perfekt, egal auf welcher Außenposition in der Viererkette. Während der abgelaufenen Saison war er beinahe schon so gut wie weg, liebäugelte öffentlich mit einem Engagement beim FC Barcelona und zog sich den Zorn von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zu.

Die Sache ist angeblich längst vom Tisch, es heißt, Lahm könne in der kommenden Saison sogar das Kapitänsamt des scheidenden Oliver Kahn übernehmen.

Stellvertretend für Lahms Wandlung im DFB-Dress steht sein Siegtreffer gegen die Türkei. Bei den Bayern würden sie auch gerne jene wilde Entschlossenheit und jenen unbedingten Willen sehen, den der 24-Jährige in seinen Antritt und später in seinen gekonnten Torabschluss legte.

Auf einer Stufe mit dem Anführer

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Podolski fühle sich im Kreis der Nationalmannschaft deutlich wohler als bei seinen Bayern. Erst vor ein paar Tagen hat er sich wieder über fehlendes Vertrauen in München beschwert.

Vielleicht verstecken sich Klose, Podolski oder Schweinsteiger bei den Bayern auch hinter den Granden wie Luca Toni oder Franck Ribery. Im Nationalteam dagegen sind sie wichtig, stehen mit ihrem Anführer Ballack auf einer Stufe.

Anders als der sehr kritische Rummenigge versucht Teammanager Oliver Bierhoff den Druck von Medien und Fans von den Spielern fernzuhalten, bei Bayern wird er oft einfach nur weitergegeben.

So gibt es jetzt mit zehn Jahren Verzögerung dann doch noch den FC Bayern Deutschland. Allerdings profitieren nicht die Bayern vom Nationalteam - sondern das Nationalteam von den Bayern. Uli Hoeneß wird aber auch das recht sein.

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