EM

Müller knackt Polen über rechts

Thomas Müller erzielte bei einer EM-Endrunde noch nie ein Tor
© getty

Polen ist am Donnerstag (21 Uhr im LIVETICKER) Deutschlands zweiter Gruppengegner bei der EM in Frankreich. In welchen Mannschaftsteilen ist das Nachbarland besonders stark aufgestellt? Wo ist Polen anfällig? Und wie muss Deutschland spielen, um erfolgreich zu sein? In Zusammenarbeit mit dem Institut für Fußballmanagement macht SPOX den Check.

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Spielweise und Personal

In Sachen Selbstverständnis hat sich im polnischen Fußball in den letzten Jahren einiges getan, was nicht nur mit Robert Lewandowski zu tun hat. Es machte sich vor allem in der Spielweise bemerkbar. Denn die Bialo-Czerwoni haben sich langsam weg vom reinen Konterfußball hin zum Gefallen am Ballbesitz entwickelt.

Trainer Adam Nawalkas Spielidee sieht es vor, den Ball selbst länger zu halten und die eigenen Angriffe sorgfältig vorzubereiten. "Spielorganisation" ist deshalb eines von Nawalkas Lieblingsbegriffen. Er will sich den Gegner zurechtlegen und dann über den Flügel in den Strafraum kommen. Die Dominanz war schon in vielen Spielen der Qualifikation zu sehen, wenngleich die Polen ihre Spielweise gegen das favorisierte Deutschland am Donnerstag wohl eher wieder einen Schritt zurückentwickeln werden.

"Die größte Stärke der Polen ist, dass sie eine gut organisierte Mannschaft sind. Sie warten und lauern darauf, ihre Konter auszuspielen. Das machen sie noch besser als die Ukraine, weil sie noch variablere Spieler haben als unser letzter Gegner", sagte daher auch Joachim Löw am Mittwoch auf der abschließenden Pressekonferenz vor der Partie.

Doch das Spiel des Nachbarn ist sehr laufintensiv. Die gesamte Abwehrkette muss ständig am Spielaufbau teilnehmen, vor allem die Außenverteidiger werden immer wieder zum Hinterlaufen auf den Flügeln gebeten. Mit Lukasz Piszczek hat Polen rechts hinten aber die beste Lösung dafür - er ist das aus Dortmunder Zeiten unter Jürgen Klopp und immer noch unter Thomas Tuchel gewohnt.

Im Mittelfeld sticht Grzegorz Krychowiak heraus. Er könnte zu Polens Schlüsselspieler der EM werden. Der Mann vom FC Sevilla bestimmt das Tempo und lenkt das polnische Spiel in die Spitze. Dort ist Polen eine der wenigen verbliebenen Mannschaften, die zwei klassische Stürmer aufbietet: "Die Polen laufen aus einem 4-4-1-1-System an, wobei Lewandowski ganz vorne draufgeht und Milik direkt dahinter", erklärt Alexander Schmalhofer, Leiter des Fachbereichs Spiel-und Taktikanalyse des Instituts für Fußballmanagement.

Zur großen Überraschung des Turniers könnte Bartosz Kapustka von KS Cracovia werden. Das 19-jährige Top-Talent durfte schon gegen Nordirland auf der linken Außenbahn von Anfang an ran. Nawalka ist begeistert von ihm. Er hat sich in den letzten Länderspielen in der Startelf festgespielt. Sein Pendant auf der rechten Seite ist ein in Deutschland bekanntes Gesicht: Jakub Blaszczykowski.