DFB-Pokalfinale FC Bayern München - Eintracht Frankfurt: So arbeitet Niko Kovac

Niko Kovac übernimmt am 1. Juli 2018 das Traineramt beim FC Bayern München.
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Niko Kovac: Die Taktik

Niko Kovac steht nicht im Verdacht, zur Generation der Laptop-Trainer zu gehören. Der 46-Jährige hat eine durchaus ruhmreiche Spielerkarriere hinter sich und bedient sich meistens lieber im Vokabular der Spieler als der Akademiker. Das heißt aber nicht, dass Kovac ein Old-School-Trainer ist.

Der ehemalige kroatische Nationalspieler hat in seinen zwei Jahren in Frankfurt eine breite Palette an taktischen Konzepten und systemischen Grundformationen auf den Platz gebracht, die denen der hoch gehandelten Youngster in nichts nachstehen.

Grundlegend für seine taktische Arbeit sind die Qualität der eigenen Mannschaft und die Spielweise des Gegners. Mit der Eintracht hat er sich meistens dem Kontrahenten angepasst. Es gehört zu den spannenden Fragen, wie er seine Art des Coachings beim FC Bayern weiterentwickelt.

Jupp Heynckes hat wenige bis gar keine Reaktion auf die Qualitäten des Gegners gezeigt und die Bayern mit der Mia-san-Mia-Attitüde auf dem Platz geschickt. Seinem Vor-Vorgänger Pep Guardiola wurde die Anpassung an den Gegner, das Wechselspiel zwischen den Formationen und die Personalrochaden in München von Kritikern oft auch als Schwäche ausgelegt.

Auch Kovac mag das Taktikgeplänkel, das es zwischen Trainern in der Bundesliga von Zeit zu Zeit gibt. Aktion und Reaktion, hier ein Schachzug, dort die Antwort. Da werden während einer Partie schon mal diverse Formationen gespielt und Spieler zwischen den Positionen hin und her geschoben.

"Ich hatte noch nie einen Trainer, der dich so gut auf den Gegner vorbereitet. Wenn du eins zu eins das machst, was er sagt, wird das Spiel erfolgreich sein", sagt Kevin-Prince Boateng, der u.a. auch mit Jürgen Klopp zusammenarbeitete.

Dass Kovac eher anders wahrgenommen wird, liegt auch an einem verkürzten Zitat aus der Vergangenheit. "Herz ist wichtiger als Taktik", sagte Kovac als kroatischer Nationaltrainer 2015. Alleinstehend ein Satz, der Wasser auf die Mühlen aller Bedenkenträger ist. Nur ging es damals um viel mehr als eine grundsätzliche Einstellung Kovac' zu taktischen Fragen, es ging um den Zustand des kroatischen Fußballs allgemein und unter welchen externen Einflüssen die Spieler stehen. Wenn die Konzentration fehle, müsse man über Taktik gar nicht reden.

Kovac hat der Eintracht auf jeden Fall einen klaren Plan vermittelt, sowohl defensiv als auch offensiv. Es ist klar, dass sich dieser Plan mit den größeren Qualitäten der Bayernspieler verändern wird, aber in Sachen Organisation, Struktur und Aufbau war eine klare Handschrift erkennbar.

Dass die Frankfurter beim Herausspielen von Torchancen Probleme offenbarten, lag auch an der individuellen Qualität. Die wird er in München in höherem Maße vorfinden. Auch das lässt sich im Sinne Guardiolas sehen. Der Katalane verstand es als seine Aufgabe, seine Mannschaft sicher im Ballbesitz ins letzte Drittel zu bringen. Dann: Freiheit.