-->
Cookie-Einstellungen
Fussball

"Brauchen einen absoluten Sahnetag"

Von Interview: Andreas Königl
Münster-Kapitän Jens Truckenbrod ist Rekordspieler der 3. Liga und fordert nun die Bayern
© getty

Er ist Kapitän von Preußen Münster und Rekordspieler der 3. Liga - Jens Truckenbrod ist dieser Tage ein gefragter Mann. Vor dem Pokalduell am Sonntag gegen den FC Bayern München (16 Uhr im LIVE-TICKER) sprach der 34-jährige Routinier im Interview mit SPOX über ein Wiedersehen mit Philipp Lahm, die Ambitionen des SCP, das gestiegene Niveau der 3. Liga, einen verpassten Wechsel zum FC Zürich und über ein mögliches Karriereende in Münster.

SPOX: Herr Truckenbrod, als Preußen Münster am 1. Juni den FC Bayern für die erste Runde des DFB-Pokals zugelost bekam, was ging Ihnen da durch den Kopf?

Jens Truckenbrod: Das war natürlich pure Freude. Die Möglichkeit, gegen die Bayern zu spielen bekommt man nur ganz selten. Somit war das erste Gefühl pures Glück, aber auf der anderen Seite kam auch gleich der Gedanke, dass wir wahrscheinlich ausscheiden werden.

SPOX: Inwiefern ist diese Partie auch für Sie als alter Hase im Fußballgeschäft noch ein Highlight?

Truckenbrod: Das ist natürlich ein Highlight! Wenn die Bayern zum Drittligisten kommen, steht die ganze Stadt auf deiner Seite. Die Leute machen alle mobil und es ist auch für mich ein persönliches Highlight, von dem ich meinen Enkeln noch erzählen werde. Zusätzlich wird das Ganze natürlich noch dadurch aufgewertet, dass man gegen einige Weltmeister spielt. Deshalb ist das was ganz, ganz Großes.

SPOX: Stichwort Weltmeister - Sie haben vor über zehn Jahren mit den Sportfreunden Siegen in der Regionalliga Süd schon mal gegen die kleinen Bayern gespielt. Damals waren bereits Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger dabei. Können Sie sich an diese Duelle noch erinnern?

Truckenbrod: (lacht) Ja, das stimmt. Daran hab ich mich erst am Donnerstag noch erinnert. Philipp Lahm war damals sogar mein direkter Gegenspieler. Er war, glaube ich, noch in der Jugend und ist dann in die zweite Mannschaft aufgerückt. Es gab damals sogar ein Bild von ihm und mir in der Zeitung, aber das habe ich leider nicht mehr. Es ist schon interessant, wie sich ein paar Jahre später die Wege nochmals kreuzen. Er hat natürlich eine ganz andere Karriere eingeschlagen dann, aber irgendwann schließt sich der Kreis auch wieder.

SPOX: Mit den Preußen konnten Sie in den letzten zwei Jahren für Furore im DFB-Pokal sorgen, als man in der ersten Runde jeweils gegen den SV Werder Bremen (4:2 n.V) und gegen den FC St. Pauli (1:0) gewann. Aller Guten Dinge sind doch eigentlich Drei...?

Truckenbrod: Da hätten wir überhaupt nichts dagegen, aber es wäre vermessen, wenn wir nun hingehen würden und sagen, dass wir den Bayern einfach so ein Bein stellen. Die Bayern haben auch eine andere Qualität als Bremen damals - auch wenn sie im Moment ein paar Probleme haben. Wir werden das einfach genießen und als Team alles reinhauen, was wir können.

SPOX: Nichtsdestotrotz ist es nicht unmöglich, gegen den Rekordmeister zu gewinnen. Was braucht es denn Ihrer Meinung nach, um die Bayern zu schlagen?

Truckenbrod: Wir brauchen einen absoluten Sahnetag und die Bayern müssten uns unterschätzen. Bei ihnen dürfte eigentlich gar nichts zusammenlaufen und die Möglichkeit, dass dies geschieht, ist sehr gering. Irgendwo hofft man auch darauf, aber wenn es nicht so ist, ist es kein Beinbruch.

SPOX: Welche Bedeutung hat der Vorteil, dass sich Münster bereits mitten in der Saison befindet und man in München bislang nicht mal eine komplette Vorbereitung mit allen Spielern absolviert hat?

Truckenbrod: Das war gerade vor zwei Jahren gegen Bremen unser Pluspunkt. Da waren wir schon eingespielt, Bremen noch nicht. Das kann natürlich von Vorteil sein, aber ich möchte nun nicht Bremen und Bayern vergleichen. Das ist im Moment eine ganz andere Liga.

SPOX: Sie sind mittlerweile Rekordspieler der 3. Liga - ist das eine Marke, auf die man stolz sein kann?

Truckenbrod: Das wird mich am Ende meiner Karriere stolz machen. Nun bin ich aber noch mitten drin und will da weitermachen, solange ich fit bleibe und die Leistung stimmt. Ich habe mich vielleicht über die Jahre nicht auf so einem hohen Niveau wie Philipp Lahm oder Bastian Schweinsteiger bewegt, aber ich habe mich trotzdem auf einem ansehnlichen Niveau gehalten. Und das zeigt auch, dass ich Einiges richtig gemacht habe.

SPOX: Gab es denn mal ein Angebot aus der 2. Bundesliga oder aus dem Ausland, das Sie gereizt hätte?

Truckenbrod: Ich bin ja damals aus der ersten Schweizer Liga gekommen, wollte aber wieder zurück nach Deutschland. Für mich war das ein Schritt nach vorne, denn gerade zu meiner Zeit gingen auch viele Schweizer Talente nach Deutschland. Ich hatte das Glück, dass ich dort drei Jahre spielen konnte. Um ein Haar hätte ich dann beim FC Zürich unterschrieben, aber letztlich wollte ich wieder nach Deutschland und der Wechsel hat sich kurzfristig zerschlagen. In Dresden hatten wir dann etliche Bundesligaspieler, eine richtig gute Truppe. Da wollten wir aufsteigen, aber das hat leider nicht geklappt. In Jena war es ähnlich, so gesehen war ich immer bei ambitionierten Vereinen.

SPOX: Mittlerweile spielen Sie seit drei Jahren beim SCP. Wie fällt Ihr Fazit bislang aus und welche Ziele streben Sie mit dem Klub in dieser Saison an?

Truckenbrod: Wir haben vor zwei Jahren eine überragende Saison gespielt, als uns keiner wirklich auf dem Zettel hatte. Dort hätten wir auch im ein Haar den Aufstieg geschafft. Auch letztes Jahr hatten wir eine Truppe, die eigentlich um den Aufstieg hätte spielen können. Wir haben es nur einfach nicht auf den Platz gebracht. In diesem Jahr sind wir ebenfalls gut aufgestellt, aber wir können es im Moment als Mannschaft einfach nicht umsetzen. Unser Anspruch ist trotzdem das vordere Tabellendrittel. Insgesamt kann man alles positiv sehen, wobei der SC Preußen Münster langfristig schon schauen sollte, in die 2. Bundesliga zu kommen - das Potential dazu ist auf alle Fälle vorhanden.

SPOX: Mittlerweile versuchen immer mehr regionale Sender, die Ligaspiele live im Fernsehen oder im Internet zu übertragen. Merkt man da einen Aufschwung oder sind Sie dennoch der Meinung, dass die mediale Aufmerksamkeit größer sein könnte?

Truckenbrod: Das wird nun langsam alles besser, vor allem in diesem Jahr. Die 3. Liga ist ein schlafender Riese. In diesem Jahr sind viele Traditionsmannschaften vertreten und das Niveau ist sehr hoch. Die 3. Liga muss sich nicht mehr wirklich hinter der 2. Bundesliga verstecken. Es gibt noch Steigerungspotential, aber das Niveau ist mittlerweile richtig gut.

SPOX: Ihr Vertrag in Münster läuft diese Saison aus - wissen Sie schon, wie es für Sie persönlich dann weiter geht?

Truckenbrod: Ich möchte schon noch ein bisschen kicken, ich bin nach wie vor leidenschaftlich dabei. Ich habe immer noch Spaß am Fußball und möchte gerne hier verlängern. Ich will nun eigentlich nicht mehr umziehen, das habe ich meiner Familie lang genug angetan. Mein Großer kommt nun auch in die Schule. Es wäre natürlich schön, wenn es hier weitergehen würde, aber Fußball ist auch kein Wunschkonzert. Nach meiner Karriere - wann auch immer das ist - will ich dem Fußball aber auf alle Fälle erhalten bleiben, in welcher Form auch immer.

Jens Truckenbrod im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung