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Fussball

Ein bisschen Finsternis bleibt

Kevin de Bruyne (l.) spielt mit Wolfsburg gegen Dortmund um den Einzug ins DFB-Pokalfinale
© getty

Kevin de Bruyne ist ein begnadetes Talent, erlebt aber eine bislang enttäuschende Saison. Doch sein Rucksack wird leichter, rechtzeitig vor der nächsten Chance des VfL, im Pokal-Halbfinale bei Borussia Dortmund (20.15 Uhr im LIVE-TICKER) endlich einen Großen zu schlagen.

Nicht Juan Mata, Kevin de Bruyne durfte spielen. Gegen Manchester United. Im Old Trafford. Im ersten großen Duell der Premier-League-Saison 2013/14. Chelseas alter, neuer Trainer Jose Mourinho hatte Chelseas alten, neuen Spieler in die Startelf beordert.

Nach einem Leih- und Lehrjahr in Bremen war de Bruyne nach London zurückgekehrt mit der Empfehlung von zehn Toren und neun Vorlagen in 33 Bundesligaspielen. Für die "FAZ" war der Belgier ein "strahlender Stern inmitten grünweißer Finsternis".

Werder hätte de Bruyne liebend gerne fest verpflichtet, war aber weit davon entfernt, auch nur einen Bruchteil der von Chelsea geforderten Ablösesumme aufzubringen. Auch die finanziell potenteren Klubs Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen versuchten ihr Glück, scheiterten aber am Veto von Mourinho.

Chelsea hatte sich vom Leihgeschäft mit Werder eine Weiterentwicklung eines der größten belgischen Fußball-Talente seit Enzo Scifo versprochen und auch Mourinho war dem Anschein nach angetan.

"Ich plane mit de Bruyne. Es ist ein gutes Zeichen, dass sich viele Vereine für ihn interessieren, dann muss er ja ein guter Spieler sein", sagte der Portugiese vor Saisonbeginn und ließ de Bruyne spielen. Zur Saisoneröffnung gegen Hull City stand er in der Startelf und bereitete das erste Saisontor der Blues von Oscar vor.

Folgenschwerer Fehler im OT

Auch im erwähnten Spiel in Manchester begann de Bruyne im rechten Mittelfeld. Selten hat es im Old Trafford derart ereignisarme 90 Minuten gegeben wie an diesem 26. August 2013.

Die größte Torchance vergab Uniteds Danny Welbeck, deren Ursprung im naiven Tacklingverhalten de Bruynes lag. Patrice Evra hatte den Belgier mit einem sanften Rempler aus dem Weg geräumt, knapp 20 Meter vor dem United-Tor.

Es sollte de Bruynes letzte bemerkenswerte Aktion im Chelsea-Trikot sein für sehr lange Zeit. Drei Minuten nach der Aktion nahm Mourinho ihn vom Platz und setzte ihn in den darauffolgenden fünf Monaten noch ganze sechs Minuten in der Premier League ein, in der Champions League kamen 29 Minuten dazu. Lediglich im bedeutungsarmen, eher lästigen League Cup, der traditionell genutzt wird, um die Reserve zu testen, durfte de Bruyne spielen.

Über die Gründe seiner Missachtung de Bruynes hat Mourinho vielschichtig informiert. Mal war er körperlich nicht robust genug, mal aufgrund taktischer Vorgaben nicht zu gebrauchen, mal aufgrund angeblich unzureichender Trainingsleistungen nicht im Kader.

"Habe mich in London weiterentwickelt"

Als vor Beginn der Wintertransferperiode die Lockrufe vor allem der deutschen Klubs wieder lauter wurden, hob Mourinho den Daumen. De Bruyne durfte gehen, wie auch Juan Mata. Knapp 65 Millionen Euro nahm Chelsea für seine beiden Offensivspieler ein.

In England machte das Gerücht die Runde, Chelsea sei gezwungen, viel Geld aus Transfers zu erwirtschaften, um nicht gegen das Financial Fairplay zu verstoßen. Die Blues stellten dem Gerede die Transfers von Nemanja Matic und Mohamed Salah für insgesamt 38 Millionen Euro entgegen.

De Bruyne landete wieder in Deutschland; der VfL Wolfsburg machte letztlich das Rennen. Klaus Allofs, der de Bruyne schon nach Bremen geholt hatte, hatte auch diesmal den längsten Atem.

De Bryune wertete seine Zeit in London unterschiedlich. "Ich habe mich auch bei Chelsea weiterentwickelt. Ich hatte dort eine gute Zeit, habe mit einem starken Team trainiert. Das hat mich auf jeden Fall sportlich und persönlich weitergebracht", sagte er im Gespräch mit SPOX.

Die belgische Zeitung "Telegraph Sport" zitierte ihn mit den Worten: "Ich habe Chelsea nicht verlassen, weil ich hinsichtlich der WM mehr spielen muss, sondern weil ich dort keine Freude hatte."

"Er bringt einen Rucksack mit"

Der Spaß war abhanden gekommen und de Bruyne tat sich in Wolfsburg anfangs schwer, ihn wiederzufinden. Bei seinem Debüt verlor Wolfsburg das Derby gegen Hannover, seine Leistungen in den ersten Spielen als Teil der offensiven Mittelfeldreihe waren allenfalls Durchschnitt.

Unrühmlicher Höhepunkt war die Gelb-Rote Karte in Augsburg, als de Bruyne Schiedsrichter Felix Zwayer anrempelte, nachdem er für ein Foul Gelb gesehen hatte.

Trainer Dieter Hecking setzte weiter auf seinen Neuzugang und bekam beim 4:1 gegen Nürnberg am vergangenen Wochenende einen Vorgeschmack dessen, was de Bruyne imstande ist zu leisten. Er war an drei der vier Wolfsburger Treffer beteiligt und zeigte endlich die Spielfreude, die ihn in Bremen ausgezeichnet hatte.

"De Bruyne bringt einen Rucksack mit. Die hohe Ablösesumme, die Erwartungshaltung. Seine Fitness hat am Anfang nicht ausgereicht, um Topleistungen zu bringen. Wir haben ihn in den ersten Spielen vielleicht nicht durchgeschleppt, aber das war nicht das, was wir uns von ihm erhofft haben. Er wird aber jetzt immer frischer und kann jedes Tempo gehen. Ich bin sehr froh, dass wir ihn im Endspurt dabei haben", sagte Hecking.

Selbst Guardiola beeindruckt

Noch immer hat De Bruyne kein Pflichtspieltor in dieser Saison geschossen, weder für Chelsea noch für Wolfsburg. Aber gegen den Club machte er sein bestes Spiel und verdiente sich eine Nominierung in der SPOX-Top-11.

"Ich weiß nicht, ob das mein bestes Spiel war, vielleicht das effizienteste. Ich habe nie Druck gespürt und bin immer entspannt geblieben, weil es mir egal ist, was über mich geschrieben wird", sagte de Bruyne.

Er findet sich allmählich besser zurecht in Heckings 4-2-3-1. Das Mittelfeld agiert flexibel, de Bruyne tauscht oft die Positionen mit Maxi Arnold und Ivan Perisic.

"Wolfsburg hat sehr viel Qualität, ihr Offensivspiel ist schwer auszurechnen", sagte Bayern-Coach Pep Guardiola.

Sieg gegen einen Großen fehlt

Wolfsburg hat das Saisonziel inzwischen nach oben korrigiert; Hecking spricht von der Qualifikation für die Champions League. Hinter den Bayern, so de Bruyne im Gespräch mit SPOX, sei viel möglich für den VfL: "Wir müssen uns vor keiner Mannschaft verstecken, wenn wir unseren Weg konsequent verfolgen."

Dafür muss der VfL aber mal einen Großen schlagen. Gegen die Bayern setzte es ein 1:6, in Dortmund verlor Wolfsburg 1:2.

In beiden Spielen beherrschte Wolfsburg die erste Halbzeit, konnte aber nicht den Knockout setzen. Heute Abend bietet sich die nächste Chance. Dann muss Kevin de Bruyne wieder liefern.

Kevin de Bruyne im Steckbrief

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