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Fussball

Effizient, Erstklassig - Ersatz

Von Fatih Demireli
Mario Gomez ist im Sturm des Champions-League-Siegers nur noch zweite Wahl
© getty

Mario Gomez war in der abgelaufenen Saison der effizienteste Stürmer der Bundesliga. Beim FC Bayern München ist er dagegen nur Ersatzspieler. Das Wiedersehen mit dem VfB Stuttgart (Sa., 20 Uhr im LIVE-TICKER) könnte deswegen vielleicht sogar das letzte Spiel für Gomez im Bayern-Trikot sein, wenn er denn zum Einsatz kommt. Denn: Seine Situation wird immer schwieriger.

Es ist keine bahnbrechende Erkenntnis, beim Thema Fußball auf die Schnelllebigkeit hinzuweisen. Im Fernsehen kostet sie drei Euro, im Wiederholungsfall proportional mehr. Der Fußball ist weder auf dem Platz, noch in der Branche eine Sache der Behutsamkeit und Langatmigkeit.

Frag' nach bei Mario Gomez. Im August 2012 vernahm der Stürmer des FC Bayern München Worte, die in seiner Situation jeder Fußballer liebend gerne hören würde. Gomez erlitt eine etwas komplizierte Sprunggelenksverletzung, die ihn zweiundeinhalb Monate außer Gefecht setzte.

"Wenn Mario zurückkommt, muss er sich nicht hinten anstellen", sagte Heynckes, "er muss nur wieder fit werden, und wenn er fit ist und Leistung bringt, ist er mein Stürmer Nummer 1."

Nicht mehr die Nummer 1

Gomez meldete sich bald fit, am 21. November 2012 gar "spielfit", wie es der frühere Bayern-Trainer Louis van Gaal formulieren würde. Im Heimspiel gegen Hannover wechselte Heynckes Gomez nach 66 Minuten für Mario Mandzukic ein. Gomez traf mit der ersten Ballberührung zum 5:0. Pure Glückseligkeit für den sensiblen Angreifer, die triumphale Rückkehr.

Aber: Heynckes' Worte vom August besaßen da schon keine Gültigkeit mehr. Gomez ist in dieser Saison nie die Nummer 1 der bayerischen Sturmrotation geworden, sondern bestenfalls eine "Option" geblieben - phasenweise auf Augenhöhe mit Claudio Pizarro aber deutlich hinter Mandzukic.

Das Übel des Mario Gomez ist dabei nicht die eigene Leistungsfähigkeit. 17 Tore in 31 Pflichtspielen hören sich sehr wohl nach einer Bilanz eines Top-Stürmers an. Statistik-Datenbanken verraten, dass der Münchener der effizienteste Stürmer der abgelaufenen Bundesliga-Saison war.

Effizienter Stürmer

Lediglich 79,7 Minuten benötigte Gomez durchschnittlich für ein Tor. Zum Vergleich: Schützenkönig Stefan Kießling traf alle 120,7 Minuten. Bei Robert Lewandowski, den die Bayern für viel Geld aus Dortmund holen wollen, liegen die Tor-Abstände durchschnittlich bei 180,1 Minuten.

Gomez bestätigte, wenn er spielte, die Leistungen der Vorsaison, als er mit 28 Toren Deutschlands bester Stürmer wurde und bis auf wenige Ausnahmen innerhalb des eigenen Klubs endgültig Anerkennung gewann. "Wenn Mario viel Platz hat, dann scheppert's", sagt Thomas Müller über Gomez treffend.

Europaweit gibt es wenig Stürmer, die eine dermaßen ausgeprägte Abschlussstärke innerhalb des Strafraums haben wie Gomez. Nur reicht diese Komponente nicht aus, um im fast perfekt funktionierenden Erfolgskonstrukt der Münchener eine Daseinsberechtigung zu beanspruchen.

Mandzukic hat die bessere Wahrnehmung

Wenn beim FC Bayern über den Spieler der Saison gemutmaßt wird, fallen die Namen Bastian Schweinsteiger, Dante, Javi Martinez, Franck Ribery und Mario Mandzukic. Der Kroate hat gerade mal fünf Pflichtspiel-Tore mehr geschossen - kommt aber durch eine aufopferungsvolle Spielweise in der Wahrnehmung deutlich besser weg als Gomez.

"Mandzukic ist ein Charakter-Spieler, der alles für die Mannschaft gibt", sagt Heynckes. Der FC Bayern definiert sich 2012/2013 als eine homogene Einheit, die das Umschaltspiel perfekt beherrscht. Ribery und Robben verdienen sich Lobpreisungen für viel Defensivarbeit, ebenso auch Mandzukic, der nicht selten total ausgepowert ausgewechselt wurde.

Auf ähnliche Weise wurde einst Ivica Olic Lieblingsspieler der Bayern-Anhängerschaft - zum Leidwesen von Gomez, für den unter van Gaal auch oft nur der Platz auf der Bank blieb.

Gomez passt sich an

Dass Mandzukic nebenbei noch Bayerns torgefährlichster Spieler der Saison ist, macht ihn wie einst Olic zu einer unverzichtbaren Figur. Deswegen wird "Mandschu" immer geschont, wenn es eine Gelegenheit dazu gibt.

"Ich habe Mandzukic so die Torjäger-Kanone weggenommen", sagte Heynckes vor einigen Wochen. Dem Bayern-Trainer ging dieser Umstand sogar so nah, dass er Mandzukic eine seiner eigenen Torjäger-Kanonen von einst anbot. Mandzukic freute sich über das Angebot, lehnte aber dankend ab.

Gomez sind die Fähigkeiten seines Konkurrenten bekannt, er hat den Wink verstanden und versucht zumindest weitere Facetten in sein Spiel zu bringen. Als er im Champions-League-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (4:0) den gesperrten Mandzukic ersetzen durfte, attackierte die Nummer 33 des FC Bayern ständig im Mittelfeld, lief ungemein viel in den Raum.

Aber: Gomez wirkte, trotz des Treffers zum 2:0, teilnahmslos und wurde mit neun Ballkontakten nach 71 Minuten ausgewechselt.

Im Rückspiel stand Mandzukic wieder auf dem Platz, im Finale gegen Dortmund ohnehin. Auch für das Pokalfinale wird sich die Aufstellung an der vordersten Front nicht verändern. Gegen seinen Stammklub VfB Stuttgart wird Gomez, sollte sich Heynckes in seinem letzten Spiel als Bayern-Trainer nicht für eine Rotation entscheiden, auf der Bank sitzen.

Berater: "Mario nicht glücklich"

Gomez verhält sich vorbildlich, beweist Loyalität und mimte auch bei den Feierlichkeiten der Meisterschaft und der Champions League keineswegs den Beleidigten. Öffentlich spricht er aber schon länger nicht mehr. Der mediale Vorstoß seines Beraters Uli Ferber im April war aber sicherlich kein Alleingang, sondern ist wohl zumindest in der Mitwisserschaft des Stürmers erfolgt.

"Natürlich ist Mario nicht glücklich über die Situation. Und es ist auch klar, dass das kein Dauerzustand sein kann. Mario verhält sich absolut sauber, ist loyal und immer bereit. Er hätte es verdient, wenn der Trainer auf ihn setzt", sagte Ferber damals. Geändert hat sich nichts.

Die Situation wird sich eher noch erschweren. Der FC Bayern ist drauf und dran, den Transfer von Robert Lewandowski für die neue Saison zu verkünden. Die Wechselbäder zwischen Geheimniskrämerei (Matthias Sammer) und Ausplauderei (Jupp Heynckes) sind verdächtig. Auch Claudio Pizarro steht unmittelbar vor einer Vertragsverlängerung.

Wenn Lewandowski kommt...

Mit Mandzukic und Gomez wären es dann vier Stürmer für eine Position - zuzüglich Mario Götze, Wunschspieler von Pep Guardiola, der den Techniker auch als Option für die Spitze sieht. Ob sich Gomez noch eine Saison als Rotationsspieler antut, darf stark bezweifelt werden. Zumal es sicher nicht zwingend für einen Stürmer spricht, wenn sein Klub innerhalb von zwölf Monaten drei teure Konkurrenten mit Stammplatz-Ambitionen verpflichtet.

"Wir wissen nicht, was Mario vorhat", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge kürzlich. Eine Absichtserklärung, einem verdienten Spieler den Verbleib schmackhaft zu machen, hört sich anders an. Gomez, so heißt es, soll den Kampf im Sommer suchen wollen. Erst im April 2012 verlängerte er seinen Vertrag um vier Jahre.

"Ich hätte den Vertrag nicht verlängert, wenn ich nicht überzeugt davon gewesen wäre, dass es das Richtige ist", sagte Gomez vor geraumer Zeit. Aber ein Weggang ist auch nicht mehr auszuschließen. Ferber sagte bei seinem Vorstoß, Gomez wecke Begehrlichkeiten. Auf Deutsch: Es gibt Alternativen.

In der Bundesliga nur Dortmund

Der Nationalspieler hat international ein hohes Standing: Italienische Klubs sind interessiert, der FC Chelsea gilt auch schon länger als potenzieller Abnehmer. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga wäre finanziell wohl nur für Dortmund machbar, aber dort wurde ein Interesse längst dementiert. Bleiben zwei Alternativen: Ein Verbleib beim FC Bayern oder das Ausland, was sich bei Gomez immer wieder mal anbahnte.

Sollte es wirklich soweit kommen, hätte das Pokalfinale eine pikante Note. Gegen den VfB Stuttgart das vorerst letzte Spiel in Deutschland zu absolvieren, würde dem Ganzen eine filmische Wendung verpassen.

In Stuttgart ist er geboren und ist zum Fußball-Star geworden - und pflegt heute noch enge Beziehungen. Auf der Webseite der DFB sagt Gomez, dass es "doch klar" sei, "dass man mehr zurücklässt als eine leere Wohnung". Vielleicht gilt das bald auch für München.

Mario Gomez im Steckbrief

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