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Fussball

Das Elend trägt Schwarz-Gelb

Von Thomas Gaber
Borussia Dortmund, BVB
© Getty

München - "Jeder im BVB-Trikot ist bereit, Geschichte zu schreiben." Dieser Satz stammt von Alexander Frei, Stürmer von Borussia Dortmund, und bezieht sich auf das DFB-Pokalfinale zwischen dem BVB und Bayern München (Sa., 20 Uhr im SPOX-TICKER).

Inwieweit Änderungen am Fußball-Almanach vorgenommen werden müssen, wollte Frei nicht sagen. Dies ist dem Schweizer aber auch nicht zu verübeln, denn Geschichte wird im Sport in erster Linie mit Siegen geschrieben.

Damit kann Borussia Dortmund derzeit nicht dienen. Viel schlimmer noch: Der BVB ging in dieser Saison bereits in die Geschichte ein - in mehrfach negativer Hinsicht.

BVB im Niemandsland

Kein anderer Klub hinkt der eigenen Zielvorgabe (Tabellenplatz 5) so weit hinterher wie der BVB. Kein anderer Klub kassierte so viele Gegentore (53) wie der BVB. Bei allen Bundesligisten war wenigstens ab und an ein Spielsystem erkennbar - mit Ausnahme des BVB. Kurzum: Kein anderer Klub vegetiert derart orientierungslos dahin wie der BVB.

Trainer Thomas Doll ließ in seiner eineinhalbjährigen Amtszeit nicht ansatzweise erkennen, welchen Weg er mit dieser Mannschaft gehen will. Setzt er auf Spielkontrolle? Verbürgt er sich für Hurra-Fußball? Inspiriert er seine Spieler mit taktischem Kalkül?

Problemzone Defensive

Vor dem ersten Saisonspiel gegen Duisburg (1:3) hatte Doll verkündet, sein Innenverteidigerduo Christian Wörns/Robert Kovac könne das beste der Liga werden. Die Lacher hatte Doll schon 90 Minuten später auf seiner Seite.

Eine funktionierende Abwehrformation hat der Coach nie gefunden. 19 Mal (!) änderte Doll in dieser Saison seine Defensivreihe. Ertrag gleich Null. Dolls Konzeptlosigkeit ist offensichtlich, seine Klarheit bei der Spielanalyse ("Das war einfach zu wenig") erstaunlich.

Fans sauer 

Die überwiegende Mehrheit der Fans hielt lange die Füße still. Doch nach dem blamablen Double-Header in München (0:5) und gegen Hannover (1:3) haben auch die treuesten Anhänger die Schnauze voll.

Angesichts des katastrophalen sportlichen Ist-Zustands des BVB ist die mit dem Einzug ins Pokalfinale gegen die Bayern einhergehende UEFA-Cup-Teilnahme ein Treppenwitz.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit 

Die Führungsetage wird trotz allem nicht müde zu betonen, welch hohen Stellenwert der BVB nach wie vor im deutschen Fußball besitzt und wie rosig die Zukunft aussieht.

"Gegen Dortmund zu spielen ist für Spieler der kleineren Klubs immer ein Höhepunkt. Da kommt nicht der Tabellen-13., sondern da kommt Borussia Dortmund, der Champions-League-Sieger", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vergangene Woche. Der VfR Mannheim war auch mal deutscher Meister, aber das nur nebenbei.

 In zwei Jahren, so Watzke, werde der BVB die gleichen finanziellen Möglichkeiten haben wie der HSV oder Werder Bremen. 2010 stehen den Dortmundern mit dem Abschluss der Konsolidierungsphase 18 bis 19 Millionen Euro mehr zur Verfügung als 2007, verriet er.

Finale richtungsweisend für Doll? 

Watzkes Optimismus nährt sich derzeit allein aus den wirtschaftlichen Begebenheiten. Geld beruhigt, aber es schafft alleine noch lange keine sportliche Perspektive. Mit dem Duo Doll und Manager Michael Zorc, der bei seinen Einkäufen meist daneben langt (Klimowicz, Valdez, Kovac, Blaszczykowski) ist diese definitiv nicht erkennbar.

Unabhängig vom Ausgang des Pokalfinals wird der BVB die Saison knallhart analysieren. Ob sich Doll dann noch einbringen darf, hängt wiederum stark vom Ausgang des Pokalfinals ab.

Watzke und die Depressionen 

Bei einer weiteren Klatsche dürfte selbst die Engelsgeduld von Watzke und Vereinsboss Reinhard Rauball ("Wenn ich auf die Tabelle schaue, bekomme ich Depressionen") aufgebraucht sein.

Sechs Tage nach dem Endspiel von Berlin geht für den BVB in Frankfurt der Kampf um den Klassenerhalt los. Sieben Punkte Vorsprung auf Platz 16 klingen beruhigend. In der derzeitigen Verfasssung sollten sich die Dortmunder aber nicht zu sicher sein.

Ein Abstieg würde in die Geschichte eingehen. Aber das hat Alexander Frei mit Sicheheit nicht gemeint.

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