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Fussball

Ballack: Viel Luft nach oben

Von SPOX
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Am 11. Juni 2010 findet in Südafrika das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft statt. Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich in der Qualifikationsgruppe 4 auf einem guten Weg zum nächsten großen Fußball-Event.

Zahlreiche deutsche Profis machen sich Hoffnungen auf eine Teilnahme an den Welttitelkämpfen, jedoch dürfen nur 23 Spieler mit nach Südafrika. Wer darf mit, wer bleibt zuhause? Bis zum Endturnier auf dem schwarzen Kontinent bewertet SPOX wöchentlich die Chancen der 41 potenziellen Kandidaten.

 

Wie kommt die Bewertung zustande? Hier geht's zur Erklärung!

 

 

Michael Ballack: Beim 1:1 im Champions-League-Spiel gegen Bordeaux stach Ballack aus einer insgesamt enttäuschenden Mannschaft nicht heraus. Der 32-Jährige konnte das Spiel nie an sich reißen und keine Akzente setzen. Kein Torschuss, ein Foul: Die magere Bilanz des Ex-Bayern-Spielers nach seinem ersten Einsatz über 90 Minuten nach seiner Verletzung. Im Londoner Derby gegen Arsenal wirkte Ballack gewohnt fleißig und engagiert und war sichtlich bemüht, das Spiel schnell zu machen. Er hatte jedoch Mühe, seinen Rhythmus zu finden: Verlor ungewöhnlich viele Zweikämpfe und leistete sich einige schlampige Abspiele im Aufbau. In der intensiven und phasenweise hektischen Partie wirkte Ballack bisweilen noch etwas überfordert mit dem Tempo. Ganz klar: Nach seiner Verletzung hat der Capitano noch viel Luft nach oben. Aber ebenso klar: Das DFB-Team ohne Ballack ist wie Weihnachten ohne Christbaum.

 

Tim Borowski: Kommt nach der Rückkehr von Philipp Lahm und der damit verbundenen Versetzung von Ze Roberto ins Mittelfeld nicht über eine Jokerrolle hinaus. War nach seiner Einwechslung in der 82. Minute gegen Bukarest sofort präsent und hatte eine gute Chance, die aber von Bukarest-Keeper Zapata vereitelt wurde. Wurde auch beim 2:0 Auswärtssieg gegen Leverkusen erst in der 75. Minute eingewechselt, obwohl Kapitän van Bommel verletzt war. Trotzdem hätte er wenige Sekunde später fast das 2:0 erzielt, als er eine Oddo-Flanke nur knapp übers Tor köpfte. In einer starken Schlussphase der Bayern fügte sich Borowski schnell ins Team ein, stach aber nicht heraus. Fügt sich trotz begrenzter Einsatzzeit stets gut ein und verzichtet auf Eigenwerbung in der Öffentlichkeit. Im Moment ist die Nationalmannschaft für den Ex-Bremer allerdings in weite Ferne gerückt und sicher kein Thema.

 

Torsten Frings: Frings war in Famagusta viel unterwegs, brachte aber insgesamt zu wenig Offensivelan mit. Direkt nach Wiederanpfiff bediente er Pizarro mustergültig, doch der Peruaner verpasste die 1:0-Führung. In der Schlussphase (88.) holte er sich die dritte Gelbe Karte und erwies den Bremern ein Bärendienst. Er ist wie Diego im letzten Gruppenspiel gegen Inter Mailand gesperrt. Eine ganz starke Partie legte der 32-Jährige gegen Frankfurt aufs Parkett. Von den fünf Bremer Toren leitete er zwei mit starken Pässen ein und bereitete eins direkt vor. Auch in der Defensive überzeugte er mit großer Laufarbeit und vielen Ballgewinnen. In dieser Verfassung wird auch Bundestrainer Löw wieder auf den Bremer zurückgreifen.

 

Christian Gentner: Zeigte in dieser Woche zwei völlig gegensätzliche Leistungen. Begann im UEFA-Cup in Braga im linken Mittelfeld und eroberte viele Bälle. Baute zwischendrin mal ab, wechselte dann nach rechts und sofort lief's besser. War in der Schlussphase einer der agilsten Wolfsburger. In Dortmund bildete Gentner auf der linken Seite ein Pärchen mit Marcel Schäfer. Über die linke Seite lief allerdings nicht viel, die Dortmunder Florian Kringe und Young-Pyo Lee hatten in der Defensive nur selten Probleme. Gentner hätte eigentlich Dzeko in der Offensive unterstützen sollen, heraus kamen aber nur etliche Fehlpässe und kaum gelungene Aktionen. Wurde Mitte der zweiten Hälfte für den Polen Krzynowek ausgewechselt. Gentners Formkurve ähnelt einem Zickzack-Kurs. Er muss seine schwankenden Leistungen in konstant starke Vorstellungen ummünzen. Ansonsten ist der 23-Jährige wohl kaum ein Kandidat für die Nationalelf.

 

Roberto Hilbert: Durfte sowohl im UEFA-Cup als auch in der Liga über volle 90 Minuten ran und zeigte zwei engagierte Vorstellungen. War in Genua giftig im Zweikampf und kampfstark. Schaltete sich zudem immer mal wieder vorne mit ein. Scheint unter Neu-Trainer Markus Babbel neue Motivation gefunden zu haben, denn Hilbert war auch gegen Schalke enorm einsatzfreudig. Setzte mit seinen Flanken immer wieder Gomez schön in Szene. Allerdings offenbarte er im Zweikampfverhalten große Schwächen und ließ sich zu einfach den Ball abjagen. Dennoch eine Woche mit einigen Lichtblicken nach etlichen Leistungen am Rande des Zumutbaren.

 

Thomas Hitzlsperger: Durfte in Genua mal wieder 90 Minuten lang ran und gefiel wie alle anderen Stuttgarter durch erhöhte Laufbereitschaft und bissige Zweikampfführung. Im zweiten Durchgang auch mit ein, zwei brauchbaren Distanzschüssen. Leistete sich gegen Schalke ebenso viele Fehlpässe wie seine Kollegen. In der Defensive mit Schwächen, aber offensiv mit seiner Schussgewalt gewohnt gefährlich. Verfehlte zwei Mal aus der Distanz nur knapp das Tor. Bewies ein gutes Auge, als er Gomez mit einem langen Pass in die Gasse schön in Szene setzte. Scheint nach seinen schwachen Leistungen der letzten Wochen wieder langsam aber sicher auf Kurs zu kommen. Dies ist auch dringend nötig, denn im Kampf um einen der begehrten Plätze im defensiven Mittelfeld der Nationalelf hat der Stuttgarter gegenüber Simon Rolfes deutlich an Boden verloren.

 

Jermaine Jones: Begann im UEFA-Cup-Spiel gegen Manchester City stark und hatte Pech mit zwei Fernschüssen (9., 20.). Verlor aber nach dem Rückstand etwas die Kontrolle und leistete sich einige Fehlpässe im Spielaufbau. Tauchte im Spielverlauf immer mehr ab und konnte der Partie so keine Wende mehr geben. Steigerte sich in Stuttgart und war beim VfB ohne Zweifel der beste Schalker. Fungierte als Dreh- und Angelpunkt im königsblauen Spiel und hätte in der 12. Minute für die Führung sorgen können, als er einen Distanzschuss an den Pfosten setzte. Wurde unfreiwillig zum Vorbereiter des 2:0, denn durch seinen Zusammenprall mit Khedira konnte Pardo den Ball erobern und für Gomez auflegen. Dennoch: Hat in der Nationalmannschaft mit Ballack, Frings, Rolfes und Hitzlsperger enorm große Konkurrenz und muss sich wohl auch weiterhin mit der Rolle als Ergänzungsspieler anfreunden.

 

Sami Khedira: Fehlte im UEFA-Cup-Spiel in Genua aufgrund einer Bauchmuskelzerrung und wirkte in der Liga gegen Schalke noch gehemmt. Rechtfertigte seine Aufstellung über weite Strecken nicht. Gewann fast keinen Zweikampf und musste nach einem Zusammenprall mit Schalkes Jermaine Jones verletzt vom Platz. Es ist zu hoffen, dass er schnell wieder aufs Spielfeld zurückkehrt. Denn nur mit kontinuierlich starken Einsätzen winkt dem 21-Jährigen in 2009 eine Berufung ins Team von Jogi Löw.

 

Toni Kroos: Saß sowohl gegen Bukarest als auch in Leverkusen über 90 Minuten auf der Bank. Wieso Jürgen Klinsmann trotz englischer Wochen gegen Bayer nur einmal wechselte, bleibt Kroos wohl auch ein Rätsel. Vielleicht hat Klinsmann dem jungen Techniker nicht viel in der doch recht kampfbetonten Partie zugetraut. Das große Talent ist derzeit von einem Stammplatz beim FCB weit entfernt. Seit zwei Monaten sind die Bayern ungeschlagen und mit jedem weiteren Sieg schwinden die Chancen für Kroos, sich für die erste Elf anzubieten. Als Fazit bleibt wohl nur, dass Kroos selbst bei einigen Verletzungen und Doppelbelastung nur zweite Wahl ist. Derzeitige Chance auf eine Berufung in die Nationalmannschaft: gleich null.

 

Marko Marin: Der kleine Flügelflitzer war gegen Cottbus das Opfer einer desolaten Gladbacher Mannschaftsleistung. Gegen Ivan Radeljic hätte er auf der linken Seite eigentlich leichtes Spiel gehabt. Aber viel zu selten wurde er von seinen Mitspielern gesucht. Aus seinen wenigen Tempodribblings resultierten jedoch stets gefährliche Situationen, wie etwa kurz nach der Pause, als Marin auf Baumjohann durchsteckte, der allerdings kläglich scheiterte. Die Standards des 19-Jährigen, ob Freistöße oder Ecken, waren häufig gefährlich. Aber Friend und Bradley vergaben selbst beste Möglichkeiten. Die Defensive ist nach wie vor nicht die große Stärke von Marin, aber zumindest demonstrierte er den nötigen Willen. Mit seinen speziellen Qualitäten wie das 1-gegen-1-Spiel oder das Tempodribbling immer eine sehr gute Alternative für Jogi Löw im Nationalteam.

 

Mesut Özil: In der Liga weiter mit einer Rotsperre belegt, zeigte Özil in der Champions League in Famagusta, wie wichtig er mittlerweile für die Bremer Offensive ist. Er entlastete Diego und bereitete den 2:2-Ausgleich durch Almeida indirekt vor. Seine Flanke von links auf den Portugiesen wurde von Rosenberg noch verlängert. Auch wenn Özil in dieser Saison zahlreiche Einsätze bekommt, ist der Weg bis zur Nationalmannschaft noch weit.

 

Simon Rolfes: Ganz schwacher Auftritt des Sechsers gegen die Bayern. Gab nicht wie gewohnt den Takt im Bayer-Mittelfeld vor, spielte viele Fehlpässe und war körperlich nicht robust genug. Zudem ließ Rolfes Ze Roberto bei dessen Flanke vor dem 0:1 ungehindert gewähren und leitete das 0:2 durch einen albernen Fehlpass ein. Muss gerade in Spielen gegen Spitzenmannschaften wie Bayern stabiler in seinen Leistungen werden, um Jogi Löw zu zeigen, dass er sich auch als Sechser im DFB-Team auf ihn verlassen kann.

 

Bastian Schweinsteiger: Seine ungeklärte Zukunft und die angeblichen Verhandlungen mit Juventus Turin und Real Madrid schienen Schweini in der Champions League gegen Steaua etwas aus dem Tritt gebracht zu haben. Der 24-Jährige trat nicht mehr so dominant auf wie im ersten Saisondrittel und stand klar im Schatten von Franck Ribery, seinem Pendant auf links. Das Zusammenspiel mit Massimo Oddo ist nach wie vor verbesserungswürdig. In Leverkusen steigerte sich der 24-Jährige. Neben Franck Ribery war Schweini auffälligster Bayern-Spieler in der ersten Halbzeit. Versuchte es dreimal aussichtsreich aus der Distanz, den letzten vereitelte Rene Adler mit einer Glanzparade. Schweinsteiger überzeugte einmal mehr im kämpferischen Bereich und ist in dieser Form auf der rechten Mittelfeldseite absolut gesetzt - sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft.

 

Piotr Trochowski: Bittere Woche für den 24-Jährigen. War im UEFA-Cup-Spiel der Hamburger gegen Ajax Amsterdam in der Anfangsphase bemüht, aber ohne jegliche Durchschlagskraft und blieb gegen die körperlich überlegenen Niederländer mehr als blass. Hatte seine beste Aktion erst kurz vor seiner Auswechslung, als ein Schuss von ihm im letzten Moment geblockt wurde (65.). Musste kurz darauf für Pitroipa Platz machen (68.). In Bochum stand Troche überraschend nicht in der Startformation des HSV und schmorte 85 Minuten auf der Bank. Begründung von Trainer Jol: "Trochowski war müde." Konter von Trochowski: "Ich hätte spielen können." Wurde erst nach dem Ausgleich eingewechselt und setzte in den letzten Minuten keine entscheidenden Akzente mehr. Durchläuft nach seinen grandiosen Auftritten zu Beginn der Saison zurzeit ein kleines Tief. Muss sich nach der Winterpause wieder steigern, um seine hart erkämpfte Position in der Nationalmannschaft zu verteidigen.

 

Tobias Weis: Der Hoffenheimer Motor im defensiven Mittelfeld lief beim Heimerfolg gegen Bielefeld wieder mal auf Hochtouren. Der fleißige Arbeiter hielt durch seine starke Leistung der Offensive um Eduardo, Teber und Co. immer den Rücken frei. Weis war jederzeit präsent und konnte durch sicheres Passspiel überzeugen. Sein Zuspiel auf Eduardo leitete das 2:0 ein. Mit solchen Auftritten empfiehlt sich der 1,70-Mann nachdrücklich für weitere Berufungen ins Nationalteam.

 

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