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Fussball

Jerome Boateng: Rückkehr ins DFB-Team? Warum noch ein kleiner Spalt offen ist

Von Maximilian Lotz
Jerome Boateng spielt seit diesem Sommer für Olympique Lyon.

Beim FC Bayern soll es zwischen Jerome Boateng und Sportvorstand Hasan Salihamidzic schon im Herbst 2018 zum Bruch gekommen sein. Doch als ein Jahr später Hansi Flick an der Seitenlinie übernahm, avancierte Boateng wieder zum Leistungsträger. Während sich Flick im Sommer zum DFB verabschiedete, wagte Boateng bei Olympique Lyon einen Neuanfang. Dass der 2014er Weltmeister ins DFB-Team zurückkehrt, ist nicht gänzlich ausgeschlossen - aber auch von verschiedenen Faktoren abhängig.

Für das modische Highlight - oder je nach Geschmack auch: Lowlight - sorgte bei Joachim Löws offizieller Verabschiedung in Wolfsburg Mats Hummels mit seinem weißen Mantel. Auch weil sich einer, der für seinen mitunter ausgefallenen Stil bekannt ist, eher im Hintergrund hielt: Jerome Boateng.

Der Weltmeister von 2014 fehlte beim Spalier auf dem Rasen, beobachtete aber später den 9:0-Sieg des DFB-Teams gegen Liechtenstein Seite an Seite mit seinem früheren DFB-Abwehrkollegen Hummels von der Tribüne aus. Und mit einem auffälligen bunten Hut setzte er dabei ebenfalls modische Akzente.

"Schönes Wiedersehen und ein gebührender Abschied in Wolfsburg", schrieb Boateng später auf Instagram und dankte dem früheren Bundestrainer: "Neun gemeinsame Jahre beim DFB-Team - wir haben viel zusammen erlebt. Danke für das Vertrauen und für die einzigartigen Momente, Jogi. Alles Gute für die Zukunft."

Zusammen mit Hummels und Thomas Müller wurde Boateng Anfang 2019 von Löw öffentlich ausgemustert. Aber während Hummels und Müller vor der EM begnadigt wurden, bestritt Boateng sein bislang letztes von 76 Länderspielen vor über drei Jahren, beim 0:3 gegen die Niederlande am 13. Oktober 2018. Eine Rückkehr war seither aber immer wieder mal ein Thema. Und zwar nicht nur, um modische Akzente zu setzen.

DFB-Team: Kontakt zwischen Flick und Boateng im Oktober

Erst Anfang Oktober berichtete die Bild von einem Gespräch zwischen Löws Nachfolger Flick und Boateng. Demnach sollen sich beide einig gewesen sein, dass sich Boateng erst bei seinem neuen Klub Olympique Lyon einleben und außerdem seinen privaten Problemen widmen solle. Boateng war im September wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 1,8 Millionen Euro verurteilt worden und ist in Berufung gegangen.

Rein sportlich wird es für den 33-Jährigen eine große Herausforderung, doch noch auf den WM-Zug aufzuspringen. Vor allem weil sich neben Abwehrchef Antonio Rüdiger Thilo Kehrer in der Abwehr unter Flick festgespielt hat. Zudem gilt je nach taktischer Grundordnung auch Niklas Süle als gesetzt, auch wenn der Bayern-Verteidiger vergangene Woche wegen eines positiven Coronatests vorzeitig abreisen musste.

Der schon zuvor nachnominierte Jonathan Tah gab beim 4:1 in Armenien nach einjähriger Abwesenheit sein DFB-Comeback und sammelte dabei durchaus Pluspunkte. Als weitere Kandidaten fürs Abwehrzentrum stehen Gladbachs Matthias Ginter und der zuletzt regelmäßig nominierte, aber noch auf sein Länderspieldebüt wartende Nico Schlotterbeck parat. Ganz zu schweigen von Hummels, der seit Sommer mit hartnäckigen Patellasehnenproblemen zu kämpfen hat, bei hundertprozentiger Fitness aber auch wieder eine Option für Flick darstellt.

FC Bayern: Boateng bekam unter Flick "faire Chance"

Komplett zu ist die Tür für Boateng nicht, zumal Flick als großer Fan des gebürtigen Berliners gilt. Schließlich blühte der 2014er Weltmeister unter ihm in seinen letzten beiden Jahren beim FC Bayern nochmals auf. Er habe unter Flick "eine faire Chance bekommen. Eine, bei der es um Leistung geht", sagte Boateng in einem Sport1-Interview im September.

Auch vor seinem Wechsel nach Frankreich holte sich Boateng demnach Rat bei Flick. "Das mache ich aber immer, weil ich zu Hansi schon immer ein gutes Verhältnis habe", berichtete Boateng von dem Austausch: "Er hat mir gesagt, dass ich die Entscheidung allein treffen muss und am Ende auf mein Bauchgefühl und mein Herz hören soll."

In Lyon war die Verpflichtung Boatengs an hohe Erwartungen geknüpft. Und nachdem er seinen Fitnessrückstand zu Saisonbeginn aufgeholt hat, füllt Boateng im Team von Ex-BVB- und -Leverkusen-Trainer Peter Bosz mittlerweile die Rolle des Abwehrchefs aus. In seinen acht Einsätzen in der Ligue 1 kommt er dabei auf eine gute Passquote von 86,1 Prozent und eine ordentliche Zweikampfquote von 60,7 Prozent. Allerdings kassierte er vor der Länderspielpause mit OL beim 1:4 bei Stade Rennes eine heftige Abreibung und rutschte auf Platz sieben ab.

Boateng bei Lyon Abwehrchef - aber zuletzt in der Kritik

Auch Boateng, der wie seine Teamkollegen keinen guten Tag erwischte, wurde anschließend medial kritisiert. "Er stand neben sich und spielte wie ein Geist", schrieb die Zeitung L'Equipe über Boatengs Auftritt. Er sei wie seine Mitspieler von Rennes' "Dynamik und Aggressivität überwältigt" gewesen.

Boateng gab sich nach der Klatsche kämpferisch. "Das ist überhaupt nicht die Art und Weise, wie wir die Länderspielpause verbringen wollten", schrieb er auf Französisch auf Instagram. "Wir müssen wachsen und als Team zusammenhalten und hart arbeiten, um auf dem Platz unsere Leistung zu bringen. Ich glaube an die Stärke dieses Teams und der Spieler, aber wenn wir nicht in jedem Spiel 100 Prozent geben, wir es schwierig, unsere Ziele in der starken Ligue 1 zu erreichen."

Boateng will bei OL vorangehen. Und wenn es ihm gelingt, konstant seine Leistung abzurufen, könnte sich vielleicht auch die Tür zur Nationalmannschaft wieder etwas weiter öffnen.

Jerome Boateng: Leistungsdaten für Lyon in dieser Saison

WettbewerbSpieleMinutenToreAssists
Ligue 18 / 9581 / 990--
Europa League2 / 4134 / 360-1
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