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Fussball

Thilo Kehrer im DFB-Team: Der unverhoffte Gewinner unter Hansi Flick

Von Maximilian Lotz
Thilo Kehrer stand in jedem Länderspiel unter Hansi Flick in der Startelf

Thilo Kehrer bestritt ein Jahr lang kein Länderspiel, doch seit Hansi Flicks Übernahme ist er gesetzt. Im PSG-Starensemble muss er unterdessen um seinen Platz kämpfen.

Nur sieben Minuten verpasste Thilo Kehrer in den Länderspielen unter Hansi Flick. Beim 6:0 gegen Armenien nahm ihn der neue Bundestrainer in der Schlussphase vom Feld, aber da war das Spiel eh schon längst entschieden. In den übrigen vier Partien stand Kehrer jeweils über die vollen 90 Minuten auf dem Platz.

Kehrer ist unter Flick der Defensivspieler mit der meisten Einsatzzeit. Nur Niklas Süle stand - wie der Defensivallrounder von Paris Saint-Germain - in jedem der vergangenen fünf WM-Qualifikationsspiele in der Startelf. Dass ausgerechnet Kehrer zu den großen Gewinnern unter Flick zählt, ist durchaus überraschend.

Vor seinem DFB-Comeback gegen Liechtenstein Anfang September hatte Kehrer, der am 9. September 2018 unter Joachim Löw debütierte, ein Jahr kein Länderspiel bestritten. Wegen langwierigen Adduktorenproblemen verpasste der 24-Jährige im Sommer die Teilnahme an der Europameisterschaft.

Er hätte "die EM natürlich super gern gespielt", sagte Kehrer kürzlich in einem kicker-Interview: "Andererseits merke ich jetzt, dass mir die Sommerpause nach zwei schwierigen Jahren, in denen ich oft auch mit Schmerzen gespielt habe, richtig gutgetan hat. Ich habe mich körperlich und mental einmal komplett runtergefahren, um dann mit Vorbereitungsbeginn richtig angreifen zu können."

Thilo Kehrer erkämpfte sich Stammplatz bei PSG

Und das hat sich ausgezahlt. Zu Saisonbeginn hatte sich Kehrer im PSG-Starensemble einen Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpft. Doch nach einem unglücklichen Auftritt als Rechtsverteidiger am 19. September gegen Olympique Lyon (2:1), bei dem ihm die L'Equipe "viele Schwierigkeiten" auf seiner Seite attestierte, rutschte Kehrer aus der ersten Elf. Seither wartet er in Paris auf seinen nächsten Einsatz.

"Ich weiß, dass da ein großer Konkurrenzkampf herrscht. Wie auch hier bei der Nationalmannschaft. Den nehme ich an", betonte Kehrer kürzlich. Das Training in Paris mit Superstars wie Lionel Messi und Neymar bringt den Ex-Schalker, der seit 2018 für PSG spielt, auf jeden Fall weiter: "Es ist etwas sehr Besonderes, bei PSG zu spielen. Da sind so viele Weltklasse-Spieler mit so viel Erfahrung. Ich profitiere davon und haue mich jeden Tag rein. Man muss sich dem Niveau natürlich anpassen."

Wechsel zum FC Bayern? Für Kehrer aktuell kein Thema

Dass im Sommer zeitweise über eine Bundesliga-Rückkehr und einen Wechsel zum FC Bayern spekuliert wurde, hat Kehrer zwar auch registriert, ein Abschied aus der französischen Hauptstadt ist für ihn aber aktuell kein Thema.

"Ich habe die Berichte mitbekommen, und Bayern München ist sicherlich einer der größten Klubs der Welt und fest im europäischen Spitzenfußball etabliert", sagte Kehrer der Welt am Sonntag. Er wolle sich aber "komplett auf meine sportlichen Aufgaben konzentrieren und versuchen, mich in Paris durchzusetzen und meine Qualitäten einzubringen".

Die schätzt auch Bundestrainer Flick, der Kehrer vorwiegend in der Innenverteidigung einsetzte, in Abwesenheit des verletzten Robin Gosens aber auch schon links hinten in der Viererkette aufstellte. "Er ist körperlich in einer sehr guten Verfassung", sagte Flick über Kehrer. "Er kann alle Positionen spielen hinten. Er kann - wenn Not am Mann ist - sogar auf der Sechs spielen." Kehrer selbst fühlt sich im Abwehrzentrum am wohlsten: "Als Innenverteidiger kann ich meine Stärken am besten abrufen."

Innen oder außen? Kehrer fühlt sich im Abwehrzentrum wohl

Beim 2:1-Sieg gegen Rumänien am Freitag hatte Kehrer als Linksverteidiger zunächst Probleme, ins Spiel zu finden. Auch beim frühen Gegentor durch Ianis Hagi machte er eine unglückliche Figur. Doch er steigerte sich im weiteren Spielverlauf.

Beim 4:0 in Nordmazedonien bildete Kehrer nach dem Ausfall von Antonio Rüdiger (Rückenprobleme) zusammen mit Süle das Innenverteidiger-Duo. Fehlerlos agierte Kehrer auch in Skopje nicht, allerdings rettete er zweimal stark in brenzligen Situationen und kam auf eine starke Passquote (96,3 Prozent).

Mit dem Erfolg machte die DFB-Auswahl die Qualifikation für die WM in Katar im nächsten Jahr klar. Es wäre Kehrers erstes großes Turnier mit der Nationalmannschaft. Wenn er von Verletzungen verschont bleibt und weiter seine Leistung bringt, hat er gute Chancen auf ein WM-Ticket.

Defensivspieler mit der meisten Einsatzzeit unter Flick:

NameMinutenSpiele
Thilo Kehrer4435
Niklas Süle4205
Antonio Rüdiger2703
Jonas Hofmann2665
Lukas Klostermann1403
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