Nach der EM-Schande 2004: Wie Jürgen Klinsmann zum DFB kam

 
Die EM 2004 in Portugal – ein Schandfleck der deutschen Fußballgeschichte. Heute vor 16 Jahren scheidet das DFB-Team durch ein 1:2 gegen Tschechien schon in der Turnier-Vorrunde aus. Es ist der Startschuss für Klinsis Sommermärchen. Ein Rückblick.
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Die EM 2004 in Portugal – ein Schandfleck der deutschen Fußballgeschichte. Heute vor 16 Jahren scheidet das DFB-Team durch ein 1:2 gegen Tschechien schon in der Turnier-Vorrunde aus. Es ist der Startschuss für Klinsis Sommermärchen. Ein Rückblick.
Die Erwartungen ans deutsche Team sind groß, schließlich stand man zwei Jahre zuvor noch im WM-Finale. Der Auftakt verspricht einen guten Turnierverlauf. Frings schießt die DFB-Elf nach 30 Minuten gegen die Niederlande in Führung.
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Die Erwartungen ans deutsche Team sind groß, schließlich stand man zwei Jahre zuvor noch im WM-Finale. Der Auftakt verspricht einen guten Turnierverlauf. Frings schießt die DFB-Elf nach 30 Minuten gegen die Niederlande in Führung.
Doch dann geht es bergab für Völlers Mannschaft. Van Nistelrooy gleicht in der 81. Minute aus. Gegen Lettland kommt die ideenlose DFB-Elf nicht über ein 0:0 hinaus. Das 1:2 gegen die Tschechen ist dann der trostlose Schlusspunkt. Aus in der Vorrunde.
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Doch dann geht es bergab für Völlers Mannschaft. Van Nistelrooy gleicht in der 81. Minute aus. Gegen Lettland kommt die ideenlose DFB-Elf nicht über ein 0:0 hinaus. Das 1:2 gegen die Tschechen ist dann der trostlose Schlusspunkt. Aus in der Vorrunde.
Zum dritten Mal nach 1984 und 2000 scheidet Deutschland in der Gruppenphase einer EM aus. Dabei spielt Tschechien im letzten Gruppenspiel mit sechs Punkten auf dem Konto nur noch mit einer B-Elf. Ein Tor von Ballack reicht jedoch nicht für den Sieg.
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Zum dritten Mal nach 1984 und 2000 scheidet Deutschland in der Gruppenphase einer EM aus. Dabei spielt Tschechien im letzten Gruppenspiel mit sechs Punkten auf dem Konto nur noch mit einer B-Elf. Ein Tor von Ballack reicht jedoch nicht für den Sieg.
Vor allem die fehlende Durchschlagskraft nach vorn ist das Manko. "Dass wir keine Tore schießen, ist unser großes Problem”, konstatiert Ballack. Die Experten sprechen vom deutschen Rumpelfußball.
© imago images / Laci Perenyi
Vor allem die fehlende Durchschlagskraft nach vorn ist das Manko. "Dass wir keine Tore schießen, ist unser großes Problem”, konstatiert Ballack. Die Experten sprechen vom deutschen Rumpelfußball.
Mit Blick auf den Kader ist das Abschneiden noch mehr eine Enttäuschung. Schließlich ist darin eigentlich eine gesunde Mischung aus Routiniers und einigen "Jungen Wilden" zu finden.
© imago images / Horstmüller
Mit Blick auf den Kader ist das Abschneiden noch mehr eine Enttäuschung. Schließlich ist darin eigentlich eine gesunde Mischung aus Routiniers und einigen "Jungen Wilden" zu finden.
Für Philipp Lahm (in allen drei Spielen in der Startelf), Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski ist es beispielsweise das erste Turnier mit dem DFB-Team.
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Für Philipp Lahm (in allen drei Spielen in der Startelf), Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski ist es beispielsweise das erste Turnier mit dem DFB-Team.
Im Mittelfeld verfügt man um Ballack herum um einige arrivierte Kräfte. Weder Didi Hamann, Thorsten Frings, Bernd Schneider oder auch Jens Jeremies finden aber zu ihrer Form. Christian Ziege wird gar nicht eingesetzt.
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Im Mittelfeld verfügt man um Ballack herum um einige arrivierte Kräfte. Weder Didi Hamann, Thorsten Frings, Bernd Schneider oder auch Jens Jeremies finden aber zu ihrer Form. Christian Ziege wird gar nicht eingesetzt.
Im Sturm ist Fredi Bobic neben Kevin Kuranyi wirkungslos, Miroslav Klose und Thomas Brdaric als Einwechselspieler ebenfalls. Christian Wörns und Jens Nowotny erweisen sich zudem in der Innenverteidigung als nicht immer sattelfest.
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Im Sturm ist Fredi Bobic neben Kevin Kuranyi wirkungslos, Miroslav Klose und Thomas Brdaric als Einwechselspieler ebenfalls. Christian Wörns und Jens Nowotny erweisen sich zudem in der Innenverteidigung als nicht immer sattelfest.
"Ich habe Vertrag bis 2006 und gehe eigentlich davon aus, dass es weitergeht", sagt Teamchef Rudi Völler noch nach dem Spiel gegen Tschechien. In der Nacht nach dem Aus folgt das Umdenken und er tritt zurück.
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"Ich habe Vertrag bis 2006 und gehe eigentlich davon aus, dass es weitergeht", sagt Teamchef Rudi Völler noch nach dem Spiel gegen Tschechien. In der Nacht nach dem Aus folgt das Umdenken und er tritt zurück.
Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat nämlich eine klare Analyse des Scheiterns gefordert. Außerdem hätten ihm Völler und sein Co-Trainer Michael Skibbe ein klares Konzept im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Land vorlegen sollen.
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Der damalige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder hat nämlich eine klare Analyse des Scheiterns gefordert. Außerdem hätten ihm Völler und sein Co-Trainer Michael Skibbe ein klares Konzept im Hinblick auf die WM 2006 im eigenen Land vorlegen sollen.
Im Anschluss erklärt Mayer-Vorfelder die Suche nach dem Völler-Nachfolger zur "alleinigen Chefsache" und macht sich damit wenig Freunde. MV präferiert Ottmar Hitzfeld, der wenige Monate zuvor den FC Bayern verlassen hat, und bietet ihm den Job an.
© imago images / Sven Simon
Im Anschluss erklärt Mayer-Vorfelder die Suche nach dem Völler-Nachfolger zur "alleinigen Chefsache" und macht sich damit wenig Freunde. MV präferiert Ottmar Hitzfeld, der wenige Monate zuvor den FC Bayern verlassen hat, und bietet ihm den Job an.
Hitzfeld lehnt damals jedoch wegen gesundheitlicher Probleme ab. "Ich hatte nach sechs erfolgreichen, aber auch stressigen Jahren bei Bayern eine Art Burnout in Form von leichten Depressionen, die behandelt wurden", sagt er der Bild.
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Hitzfeld lehnt damals jedoch wegen gesundheitlicher Probleme ab. "Ich hatte nach sechs erfolgreichen, aber auch stressigen Jahren bei Bayern eine Art Burnout in Form von leichten Depressionen, die behandelt wurden", sagt er der Bild.
Selbst Franz Beckenbauer kann Hitzfeld 2004 nicht überreden. Am 1. Juli sagt Hitzfeld den DFB ab. Mayer-Vorfelder erklärt, dass es keinen Plan B gebe. Nach Griechenlands EM-Sieg wird Otto Rehagel aber schnell zum Top-Kandidaten des Präsidenten.
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Selbst Franz Beckenbauer kann Hitzfeld 2004 nicht überreden. Am 1. Juli sagt Hitzfeld den DFB ab. Mayer-Vorfelder erklärt, dass es keinen Plan B gebe. Nach Griechenlands EM-Sieg wird Otto Rehagel aber schnell zum Top-Kandidaten des Präsidenten.
Wenige Tage später gibt es eine Art Revolte gegen MV. Er wird zwar nicht abgelöst, aber am 5. Juli entsteht die legendäre Trainerfindungskomission bestehend aus WM-OK-Chef Beckenbauer, Liga-Präsident Hackmann, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und MV.
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Wenige Tage später gibt es eine Art Revolte gegen MV. Er wird zwar nicht abgelöst, aber am 5. Juli entsteht die legendäre Trainerfindungskomission bestehend aus WM-OK-Chef Beckenbauer, Liga-Präsident Hackmann, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt und MV.
Wenig später sagt auch die zweite Wunschlösung, Rehagel, dem DFB ab. Lothar Matthäus bietet sich an, den Beckenbauer als zu jung abtut. Stattdessen hält der Kaiser Guus Hiddink, Morten Olsen und Winfried Schäfer für mögliche Optionen.
© imago images / Sven Simon
Wenig später sagt auch die zweite Wunschlösung, Rehagel, dem DFB ab. Lothar Matthäus bietet sich an, den Beckenbauer als zu jung abtut. Stattdessen hält der Kaiser Guus Hiddink, Morten Olsen und Winfried Schäfer für mögliche Optionen.
Immer mehr Namen schwirren ergebnislos durch die Medien. Der DFB gerät zunehmend in die Kritik. "Im Prinzip müsste man den ganzen Laden auseinander nehmen", wettert Jürgen Klinsmann in einem Interview mit der SZ.
© imago images / Michi Ishijima
Immer mehr Namen schwirren ergebnislos durch die Medien. Der DFB gerät zunehmend in die Kritik. "Im Prinzip müsste man den ganzen Laden auseinander nehmen", wettert Jürgen Klinsmann in einem Interview mit der SZ.
Nur zwei Tage danach erfährt das Gremium über Berti Vogts, dass Klinsmann, der damals für Los Angeles Galaxy arbeitet, für den Job bereit wäre. Die DFB-Entourage reist in die USA zu Verhandlungen.
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Nur zwei Tage danach erfährt das Gremium über Berti Vogts, dass Klinsmann, der damals für Los Angeles Galaxy arbeitet, für den Job bereit wäre. Die DFB-Entourage reist in die USA zu Verhandlungen.
Am 24. Juli gibt Klinsmann bekannt, er wolle DFB-Teamchef werden. Den neuen Posten der Nationalmannschaftsmanagers übernimmt Oliver Bierhoff. Außerdem soll Beckenbauers ehemaliger Co-Trainer Holger Osieck Klinsi zur Seite gestellt werden.
© imago images / Pressefoto Baumann
Am 24. Juli gibt Klinsmann bekannt, er wolle DFB-Teamchef werden. Den neuen Posten der Nationalmannschaftsmanagers übernimmt Oliver Bierhoff. Außerdem soll Beckenbauers ehemaliger Co-Trainer Holger Osieck Klinsi zur Seite gestellt werden.
Osieck und Klinsmann können sich jedoch nicht einigen. Somit wird Klinsi am 29. Juli 2004 als alleiniger Bundestrainer vorgestellt. Einen Tag später wird Joachim Löw als neuer Co-Trainer bestätigt. Über einen Monat, nachdem Völler zurückgetreten war.
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Osieck und Klinsmann können sich jedoch nicht einigen. Somit wird Klinsi am 29. Juli 2004 als alleiniger Bundestrainer vorgestellt. Einen Tag später wird Joachim Löw als neuer Co-Trainer bestätigt. Über einen Monat, nachdem Völler zurückgetreten war.
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