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Fussball

Das Passspiel und Müllers List

Von Für SPOX beim DFB-Team: Stefan Rommel
Die Drei sollen es bei der EM richten: Thomas Müller, Mesut Özil und Miroslav Klose (v.l.n.r.)
© Getty

Die Sonderstellung von Özil und Müller

Richtig turbulent wird es etwas weiter vorne. In der Offensivreihe haben Mesut Özil und Thomas Müller enorm viele Freiheiten und einen großen Bewegungsradius. Lukas Podolski auf der linken Seite zieht auch ab und an zur Mitte, das aber vornehmlich, um dem nachrückenden Philipp Lahm die Bahn frei zu machen oder einen günstigeren Winkel für den Ball in die Tiefe zu bekommen.

Oder er nutzt seine Dynamik, um mit Zug selbst in den Strafraum zu gelangen. Auch deshalb steht er bei Löw, der Podolskis Durchschlagskraft und dessen Tempo schätzt, immer hoch im Kurs.

Özil bewegt sich sehr oft horizontal von links nach rechts oder umgekehrt. Wobei er sich eine Spur öfter rechts aufhält als auf der anderen Seite. Dadurch soll er in den kleinen Raum zwischen gegnerischer Viererkette und defensivem Mittelfeld kommen.

Nur wenn der Gegner seine Linien eng und kompakt zusammenhält und wenig Platz bietet, lässt er sich auch tiefer fallen, um das Spiel vor sich zu haben.

Özil: Die Sprungfeder

Ansonsten bleibt er aber am Anfang des letzten Angriffsdrittels und gibt von da aus die Impulse, die die Mannschaft braucht. Dabei sind es weniger die großen, ausladenden Zuspiele oder Dribblings, die sein Spiel kennzeichnen. Sondern vielmehr kleine Bewegungen und Pässe, die aus einem trägen Angriff plötzlich einen Schnellzug machen.

Leicht versetzt auf einer der beiden Seiten spielt er dann die Bälle in die Spitze, meist durch den kleinen Spalt zwischen Außen- und Innenverteidiger. Oder er verlagert die Seite. Seine Leichtigkeit ist die Sprungfeder des deutschen Spiels in der gefährlichen Zone.

Neben Özil ist auch Müllers Spiel von besonderer Natur. Es dürfte unter allen EM-Teilnehmern keinen anderen Spieler geben, der so schlau und clever die Räume besetzt, aufreißt, nutzt wie Müller.

Selbst einen schnöden Einwurf auf der linken Seite, 20 Meter vor dem Tor, macht er sofort zu einer scharfen Gefahr, weil er sich bis zur Torauslinie hinter die Abwehr schleicht. Dann bricht er aus seiner Flanke aus, geht den langen Weg.

Müllers großer Vorteil

Oder er hinterläuft, bleibt plötzlich stehen, verschafft sich durch die Richtungsänderung schnell Raum und Zeit. Er kann wie Özil aus dem Nichts den Ball schnell machen und damit das Tempo anziehen, und vor allem: Müller bleibt nach einer Aktion nie stehen.

Er bleibt immer in Bewegung, und wenn es nur dazu dient, ein wenig Verwirrung zu stiften oder Platz für den Mitspieler zu schaffen.

Müller deckt die klassischen Begabungen allesamt ab, aber er sticht nirgends groß heraus. Er hat keinen besonders wuchtigen Abschluss, ist nicht der Schnellste und schon gar nicht sonderlich robust. Auch das Kopfballspiel ist ausbaufähig. Aber er ist dem Gegner fast immer gedanklich einen halben Schritt voraus. Eine Gabe und ein kaum zu kontrollierender Vorteil.

Miroslav Kloses Rolle

Der Römer stieß alles andere als fit zum Team, sieht sich einige Tage vor dem Auftaktspiel aber fast schon wieder in seiner besten Verfassung. Mario Gomez ist sicherlich der kühle Knipser, im Strafraum gefährlicher als Klose. Für den Spielfluss der Mannschaft bringt der Routinier aber eine Spur mehr Impulse mit.

Klose spult dabei das komplette Repertoire des modernen Angreifers ab: Schneidet geschickt, läuft ein, lässt den Ball gut prallen, geht dann wieder tief oder windet sich durch eine einfache Gegenbewegung um den Gegner.

Dabei interpretiert er seine Rolle nicht so sehr über den eigentlichen Torabschluss. Sondern vielmehr darüber, ob und wie er am besten Lücken reißen kann für die flinken Mittelfeldspieler.

Eine seiner großen Stärken ist dabei, dass er sich im Prinzip als verkappter Spielgestalter sieht und das nötige Auge und die Erfahrung mitbringt. Erst seine Laufwege lassen Chancen entstehen. Er versteht es wie nur wenige, einen Innenverteidiger geschickt aus der Viererkette zu ziehen, indem er seine Position bewusst verlässt und sich etwas tiefer anbietet, um den Raum dahinter freizumachen für Müller, Özil oder Podolski.

Die offensiven Standards

Ein Ärgernis seit Jahren. Angesichts der Vorbereitung im Salamiformat blieb aber auch dieses Mal nur wenig bis gar keine Zeit, sich dem an sich wichtigen Thema ausführlicher zu widmen.

Weder Freistöße aus dem Halbfeld noch die Eckbälle der deutschen Mannschaft verursachen beim Gegner Schweißausbrüche. Auffällig ist, dass offenbar auch angesichts fehlender einstudierter Varianten ein Eckstoß immer öfter kurz ausgeführt wird.

Der kleine Vorteil: Aus der Gleichzahl auf dem Flügel kann der Ball an die Strafraumkante zurückgespielt und in einem deutlich günstigeren Winkel zur Mitte geflankt werden. Oder aber flach in die Gasse gespielt werden.

Ansonsten sind Überraschungsmomente kaum eingestreut - den Rückpass an den Sechzehner zum direkten Torabschluss ausgenommen. Wenn man so will, eine der wenigen Schwächen des deutschen Offensivspiels.

EM 2012: Der Spielplan

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