Frankreich entzaubert deutsche Elf

Von Daniel Börlein / Fabian Huwe
Miroslav Klose scheiterte in dieser Szene an Frankreichs Keeper Hugo Lloris
© Getty

Die deutsche Nationalmannschaft hat im ersten Länderspiel des Jahres eine Niederlage kassiert. Gegen Frankreich unterlag das Team von Bundestrainer Joachim Löw mit 1:2 (0:1).

Anzeige
Cookie-Einstellungen

Im ausverkauften Bremer Weserstadion brachte Olivier Giroud die Gäste in Führung (21.). Nach der Pause besorgte Florent Malouda das 2:0 (69.). Cacau gelang in der Nachspielzeit lediglich noch der Anschlusstreffer (90.+1).

Für die deutsche Elf war es die erste Niederlage in einem Länderspiel seit der Pleite gegen Australien im März 2011. Am 26. Mai steht in der Schweiz die nächste Partie des DFB-Teams an.

Reaktionen:

Bundestrainer Joachim Löw: "Wenn man ein Spiel verliert, ärgert man sich. Ich ärgere mich aber auch ein bisschen darüber, wie wir es verloren haben. Im Laufe des Spiels war uns Frankreich spielerisch überlegen. Im zweiten Durchgang haben wir nicht mehr zu unserem Spiel gefunden. Deshalb war es verdient, dass Frankreich gewonnen hat."

Frankreichs Nationaltrainer Laurent Blanc: "Das Ergebnis hat mich gar nicht interessiert, wir wollten nur einen Schritt nach vorne machen. Wir hatten die Deutschen gut analysiert. Wir haben versucht, möglichst hoch zu stehen, um ihre Offensive nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Das hat geklappt. Ich habe das Spiel sehr genossen."

Thomas Müller: "Über so ein Spiel kann man noch viel sprechen. Es war ein bisschen undiszipliniert. In der zweiten Halbzeit hatten wir ein bisschen eine zweigeteilte Mannschaft. Wir haben die Verteidigung schön alleine gelassen. Der Termin lag ungünstig, uns haben einige gefehlt, aber das ist keine Entschuldigung, dass wir das Spiel so herschenken."

Mats Hummels: "Die Balance hat nicht immer ganz gestimmt. Nach dem 0:1 und 0:2 haben wir viele Räume offen gelassen. Die Franzosen haben nach dem 0:1 die Räume gut zugemacht, wir haben das weniger gut gemacht. Wenn alle da sind, haben wir eine überragende Mannschaft zusammen. Heute war das vielleicht noch nicht so eingespielt."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Wiese steht im DFB-Team zwischen den Pfosten. Auf links ersetzt Aogo den verletzten Lahm, Boateng erhält auf rechts den Vorzug. Im Mittelfeld feiert Reus sein Startelfdebüt. Klose ist Kapitän.

16.: Nach einer Ecke von rechts kommt Cabaye frei zum Kopfball. Wiese verhindert mit einem klasse Reflex das Tor.

21., 0:1, Giroud: Valbuena wird stark über rechts von Debuchy freigespielt. Der überläuft Aogo und passt in die Mitte auf Giroud. Der Stürmer schiebt Wiese den Ball aus zehn Metern durch die Beine.

33.: Kroos bringt einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld in die Mitte. Klose kommt völlig frei an den Ball. Pflückt diesen mit der Brust runter und knallt den Ball auf den Kasten. Lloris ist zur Stelle.

34.: Wieder ist es Kroos, der von links einen gefährlichen Ball in die Mitte bringt. Aus sehr spitzem Winkel kommt Badstuber zum Kopfball. Diesmal ist Lloris geschlagen, aber der Pfosten hilft den Franzosen.

41.: Khedira spielt einen präzisen Ball über rechts in Özils Lauf. Der bringt den Ball in die Mitte und Klose kommt zum Abschluss. Loris ist aber wieder zur Stelle.

67.: Müller flankt einen Ball sehr scharf vor den Kasten. Gomez verpasst knapp und der Ball rauscht nur knapp am langen Pfosten vorbei.

69., 0:2, Malouda: Debuchy enteilt Aogo und kann ungehindert in die Mitte flanken. Dort versucht Giroud den Ball über die Linie zu bringen, scheitert aber. Boateng kann im Fallen nicht mehr klären und Malouda, ebenfalls schon fast im Liegen, haut den Ball unter die Latte ins Tor.

90.+1, 1:2, Cacau: Müller dringt nach Kroos-Pass über rechts in den Strafraum ein und schiebt den Ball flach und hart vor das Tor. Am zweiten Pfosten steht Cacau ganz allein und schiebt ein.

Fazit: Frankreich verteidigte geschickt und diszipliniert und spielte nach Ballgewinn zielstrebig nach vorne. Deutschland verpasste es vor der Pause, die Tore zu machen und fand in Durchgang zwei nie richtig ins Spiel.

Der Star des Spiels: Samir Nasri. Der ManCity-Star war Frankreichs Zehner und Dreh- und Angelpunkt im Spiel nach vorne. Hatte viele gute Ideen, ging weite Wege, verlor den Ball nur ganz selten und traf fast immer die richtige Entscheidung. Stark auch: Keeper Hugo Lloris.

Voting: Jetzt die deutschen Spieler selbst benoten!

Der Flop des Spiels: Dennis Aogo. Der Hamburger erhielt auf links den Vorzug vor Marcel Schmelzer als Lahm-Ersatz. Eigenwerbung konnte er allerdings nicht unbedingt betreiben. Begann recht ordentlich, war dann allerdings maßgeblich am 0:1 beteiligt, fortan schwächster Deutscher und sah auch beim 0:2 schlecht aus.

Der Schiedsrichter: Paolo Tagliavento. Dem Italiener war anzumerken, dass er viel laufen lassen wollte. Nicht immer war das die richtige Entscheidung. Auch in Sachen Körpersprache und Kommunikation mit den Spielern etwas nachlässig. Ahndete Debuchys Check gegen Schürrle, bei dem sich der Deutsche an der Nase verletzte, nicht.

Analyse: Die deutsche Elf begann, wie man sie zuletzt stets erlebt hatte: spielfreudig, kombinationsstark und passsicher. Nach zehn Minuten, in denen Frankreich fast nicht aus der eigenen Hälfte kam, hatten sich die Gäste besser darauf eingestellt. Die Blanc-Elf stellte vorne drei Mann ab, die den deutschen Spielaufbau störten, wodurch Deutschland sich schwer tat, ruhig und geordnet nach vorne zu kombinieren.

Frankreich nutzte diese Phase, um selbst offensiv Akzente zu setzen. Nach einem sehenswerten Angriff, bei dem sich Badstuber und vor allem Aogo schlecht anstellten, führten die Franzosen plötzlich mit 1:0. Nach einer halben Stunde fand die DFB-Elf dann wieder zurück in die Partie. Der sehr engagierte Özil ließ sich immer wieder zurückfallen, um das Spiel aus der Tiefe anzukurbeln.

So erspielte sich das Löw-Team bis zur Pause noch einige Gelegenheiten, vergab den verdienten Ausgleich allerdings jeweils. Nach dem Wechsel erhöhte die deutsche Elf die Schlagzahl, was allerdings zulasten der Kompaktheit ging. Die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld stimmten häufig nicht mehr. Zudem leistete man sich viele einfache Fehler.

Frankreich nützte dies immer wieder geschickt aus und kam so zu einigen Chancen. Im deutschen Spiel schafften es weder Kroos noch Khedira, aus dem defensiven Mittelfeld Ordnung und Struktur ins Spiel zu bringen. Stattdessen schalteten die Gäste nach Ballgewinn immer wieder schnell um und kamen so schließlich auch zum 2:0.

Die deutsche Elf gab sich zwar auch danach nicht auf, schaffte noch den Anschlusstreffer durch Cacau, kassierte aber dennoch im ersten Länderspiel des Jahres eine Niederlage.

Deutschland - Frankreich: Daten und Fakten zum Spiel

Artikel und Videos zum Thema