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Fussball

Und wieder einen Schritt weiter

Von Stefan Rommel
Die deutsche Nationalmannschaft hat sich ohne Punktverlust für die EM 2012 qualifiziert
© Getty

Das Personal: Die Fluktuation hielt sich in Grenzen. Das liegt zum einen daran, dass die Mannschaft im Altersschnitt relativ jung daher kommt und so die altersbedingte Auslese nicht zum Tragen kommt. Einzig Jörg Butt hatte seinen Rücktritt bekanntgegeben.

Trotzdem hat sich die Struktur ein wenig verändert. Löw hat seinen Fundus an Offensivspielern weiter ausgebaut oder beobachtet noch, auch wenn für einige die EM noch zu früh kommen dürfte. Für Lewis Holtby und Kevin Großkreutz etwa, oder den Leverkusener Sydney Sam, der im Dunstkreis der Mannschaft auf seine Chance lauert.

Bis auf die Position rechts in der Viererkette sind alle Posten im Team mindestens doppelt mit ausgewiesenen Spezialisten besetzt. Besonders eng geht es im Mittelfeld zu und bei den Innenverteidigern. Hier hat Löw eine enorm große Auswahl.

Rene Adler kein Thema mehr

Dafür haben sich einige Spieler während der letzten 15 Monate auch vorerst aus der Mannschaft verabschiedet. Schleichend passierte dies bei Heiko Westermann, Piotr Trochowski oder Stefan Kießling.

Rene Adler, vor der WM noch zur Nummer eins erklärt, hat seit eineinhalb Jahren kein Spiel mehr für Deutschland bestritten und ist überhaupt nicht mehr auf dem Radar. Manuel Neuers Leistungen und auch sein Wechsel zu den Bayern dürften es für alle anderen Anwärter auf Jahre hinaus schwer machen, Neuer von der Nummer eins zu verdrängen.

Dazu kommt im Fall Adler auch die nachrückende Generation, die nicht mehr nur Druck macht, sondern zum Teil auch am Leverkusener Dauerpatienten vorbeigezogen ist. Ähnlich liegt der Fall bei Arne Friedrich, der zunächst verletzt war und sich mit seiner freiwilligen Vertragsauflösung bis zum Start der Rückrunde quasi selbst auf Eis gelegt hat.

Marin und Tasci auf Tuchfühlung

Leichte Tuchfühlung zum Kader haben derzeit noch Marko Marin und Serdar Tasci, die sich in dieser Saison verbessert zeigen.

Die Tendenz bei der künftigen Startelf, und dazu wurde Löw unfreiwillig gezwungen, geht aber stark in Richtung eines Bayern-Blocks. Schon bei der WM waren acht Spieler vom Rekordmeister im Kader.

Durch die Wechsel von Neuer und Jerome Boateng nach München verschiebt sich das Übergewicht noch weiter. Gegen die Türkei standen sieben Bayern-Profis in der Startelf, selbst gegen Belgien waren es trotz vieler Wechsel noch fünf. Eigentlich legt Löw keinen gesteigerten Wert darauf, unterm Strich kann er den kleinen Vorteil als Bonus aber gerne einstreichen.

Ganz sorgenfrei ist die Konstellation aber trotz der enormen Tiefe und Qualität im Kader auch nicht. Dafür gibt es im Team noch zu viele ungeklärte Fragen, es sind einige Positionen offen. Der Bundestrainer zitiert dann gerne den Konkurrenzkampf und dass er mit dem Begriff des Stammspielers nichts mehr anfangen könne.

Entscheidende Tage in Südfrankreich

Löw hat allein 17 Spieler in 17 Spielen seit der WM in der Defensive ausprobiert. Bis heute hat sich aber weder ein Rechtsverteidiger, noch einer der beiden Innenverteidiger herauskristallisiert. Löw verlässt sich in der Beziehung auf die Lernfähigkeit seiner Mannschaft, die es vor den großen Turnieren zuletzt immer wieder geschafft hat, ihre Defensive in kurzer Zeit einzuspielen und zu stabilisieren.

Der Fokus auf die Defensivabläufe soll in den Trainingslagern vor dem Turnier im kommenden Jahr gelegt werden, vor allem die zehn Tage in Südfrankreich bekommen dann eine ganz entscheidende Bedeutung.

Der Trainerstab bleibt aber auch deshalb so gelassen, weil alle Kandidaten eine grundsätzliche Qualität mitbringen, wie offenbar noch nie. Löw betonte offen, dass er bislang immer einige Spieler mitnehmen musste, "von denen ich fußballerisch nicht überzeugt war. Jetzt werde ich im kommenden Jahr 20, 25 Spieler vorfinden, die ich jederzeit bedenkenlos einsetzen kann."

Ein Ausblick: Deutschland zählt natürlich zum engen Kreis der Favoriten im nächsten Jahr. Ausnahmslos alle im Team identifizieren sich mit dem großen Ziel und sprechen die Dinge auch klar an, ohne dabei überheblich oder arrogant zu wirken.

Lange Zeit hat der Bundestrainer immer wieder Spanien als Vorbild für seine Mannschaft erkoren und den Welt- und Europameister als den einen großen Konkurrenten definiert. Am Dienstag erweiterte er den Kreis derer, die in Polen und der Ukraine um den Titel spielen werden.

"Ich habe mich von dem Duell Deutschland gegen Spanien verabschiedet. England, Portugal, Frankreich, die Niederlande - es werden mehrere eine Hauptrolle spielen", so Löw.

Bis zur Kaderbekanntgabe im Mai bleiben nur noch drei Länderspiele, jetzt im November in der Ukraine, danach gegen die Niederlande und im Februar dann zu Hause gegen Frankreich. Echte Gradmesser sind das und für jeden einzelnen Spieler eine große Herausforderung auf dem Weg zur EM.

Deutschland hat starke Einzelspieler und ein gefestigtes Kollektiv. Dazu kommt ein Unterbau, von dem andere Favoriten wie England oder Portugal nur träumen können. Das Gesamtpaket passt, ab sofort geht es an die Feinjustierung.

So marschierte Deutschland durch die EM-Quali

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