"Keine Diskussion": Lahm bleibt Kapitän

Von SID/SPOX
Aussprache mit Jogi Löw: Philipp Lahm (r.) bleibt weiterhin Kapitän der Nationalmannschaft
© Getty

Die deutsche Nationalmannschaft trifft am 2. September in Gelsenkirchen im EM-Qualifikationsmatch auf Österreich. Mit einem Sieg hätte das Team von Bundestrainer Joachim Löw das EM-Ticket bereits sicher in der Tasche. Löw und Kapitän Philipp Lahm stellten sich am Dienstag den Fragen der Journalisten - und sprachen dabei hauptsächlich über Lahms Buch und die daraus entstandenen Diskussionen. Löws Fazit: "Es gab keine Diskussion, ob er als Kapitän abgesetzt wird."

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Als ihn Joachim Löw in aller Deutlichkeit rügte, blickte Philipp Lahm betroffen zu Boden - wie ein kleiner Schuljunge, der von seinem Lehrer einen Rüffel erhält. "Ich halte das für falsch, wenn ein aktueller Spieler über seine ehemaligen Trainer urteilt. Das habe ich ihm gesagt. Das steht niemandem zu", sagte der Bundestrainer streng.

Zuvor hatte er seinem Kapitän in der "Buch-Affäre" die Leviten gelesen und nochmals eindringlich auf den Verhaltenskodex verwiesen, im Beisein des Trainerstabs der Nationalmannschaft und von Teammanager Oliver Bierhoff.

Lahm: "Es war ein Fehler, die Trainer zu kritisieren"

Entsprechend kleinlaut präsentierte sich Hobby-Autor Lahm dann auch am Dienstag im Düsseldorfer Kongress-Zentrum. "Es war ein Fehler, die Trainer zu kritisieren. Das macht man nicht. Der Trainer hat klargestellt, dass er das nicht mehr will. Daran werde ich mich halten. Ganz klar", sagte der 27-Jährige, der mit seinem Buch "Der feine Unterschied" in den vergangenen Tagen für reichlich Wirbel gesorgt hatte.

Eine Tatsache, die Löw sauer aufstieß: "Es stört mich, dass man im Kreis der Nationalmannschaft ständig andere Themen diskutieren muss." So musste der Bundestrainer auch am Dienstag weniger über sportliche Dinge, wie etwa über die Österreicher, Gegner im EM-Qualifikationsspiel am Freitag (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) in Gelsenkirchen, sein System oder den Ausfall von Sven Bender referieren als über das Werk seines Kapitäns.

Keine Konsequenzen für Lahm

Auch wenn Löw und Lahm bemüht waren, das Thema nicht weiter anzuheizen, war eine gewisse Distanz am Dienstag spürbar - nicht nur, weil auf dem Podium zwischen beiden gut ein Meter Platz war. Das führt aber nicht dazu, dass Lahm weiterführende Konsequenzen zu befürchten hat.

"Wir sind alle der Meinung, dass Philipp keine Interna verbreitet hat. Ich bin überzeugt, dass er das auch nie tun würde. Deshalb gab es auch keine Diskussion, ihn als Kapitän abzusetzen", sagte Löw. Ganz abgeschlossen ist der Fall aber noch nicht. Nachdem am Dienstagmorgen bereits die gesamte Mannschaft in einer Sitzung einvernommen worden war, ist nun noch ein Gespräch mit dem Spielerrat geplant. Erst dann, so Löws Hoffnung, sei "das Thema erledigt".

Lahm-Buch führt Bestsellerlisten an

Lahm selbst wird sein am Montag erschienenes Erstlingswerk, das bereits die Bestsellerlisten anführt, aber sicher noch einige Zeit verfolgen. Immerhin räumte der Bayern-Profi ein, "dass die letzten Tage nicht gerade angenehm waren". Beim Treffen der DFB-Auswahl am Montagabend im Düsseldorfer Hyatt-Hotel seien die Reaktionen der Kollegen aber wie immer gewesen. Mit der öffentlichen Resonanz habe er aber "nicht gerechnet".

Dass er das Buch geschrieben hat, sieht der Münchner, der sich negativ über die Methoden seiner Ex-Trainer Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Louis van Gaal und Felix Magath geäußert hatte, aber nach wie vor "nicht als Fehler" an.

Er habe zeigen wollen, dass die Anforderungen an einen Profi in der heutigen Zeit weitaus höher seien, als nur 90 Minuten Fußball zu spielen: "Das ist von Seite 1 bis 272 ein leises Buch, eine Erklärung. Ich wollte keinen Trainer in die Pfanne hauen. Das ist eine Darstellung, die so nicht gewollt war."

Per Mertesacker einen Tag freigestellt

Am bislang guten Verhältnis zwischen Bundestrainer und Kapitän soll die leidige Geschichte deshalb auch nichts ändern. Dies sei weiterhin "vertrauensvoll", berichtete Löw: "Wir werden die Dinge weiter offen ansprechen. Philipp ist in seinen Vorstellungen authentisch, ehrlich, klar."

Über Fußball durfte Löw am Dienstag übrigens auch reden. Mitzuteilen hatte der Bundestrainer, dass er Per Mertesacker für einen Tag freistellte, damit der Abwehrspieler seinen Wechsel von Werder Bremen zum FC Arsenal perfekt machen konnte.

Keine Nachnominierung nach Bender-Verletzung

Zudem muss Löw neben Sami Khedira, Torjäger Mario Gomez und Marco Reus auch auf Sven Bender von Borussia Dortmund wegen einer Sprunggelenksverletzung für die Partie gegen Österreich und das Länderspiel am 6. September in Danzig gegen Polen verzichten. Auf eine Nachnominierung verzichtete Löw jedoch.

Mit einem Sieg gegen Österreich wäre die deutsche Nationalelf bereits für die EM 2012 in Polen und der Ukraine qualifiziert. "Das ist für uns eine Riesenchance, alles klar zu machen. Wir haben den Anspruch, alle Spiele in der Qualifikation zu gewinnen. Wir wollen am Freitag zeigen, dass für Österreich nichts zu holen ist", verdeutlichte Lahm. Wichtig ist Löw derzeit aber vor allem eines: "Dass wir uns wieder auf den Fußball fokussieren."

Seite 2: Die Pressekonferenz zum Nachlesen