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Fussball

Die neue Nähe

Von Für SPOX bei der Nationalmannschaft: Stefan Rommel
Die deutsche U 21 wurde beim Turnier in Schweden Europameister
© Getty

Deutschland kann auf den besten Unterbau aller Zeiten zurückgreifen. Zusammen mit einem klaren Konzept sieht die Zukunft rosig aus. Nur ein Mannschaftsteil macht etwas Sorgen.

Im Kölner Hotel InterContinental bereitet sich die deutsche Nationalmannschaft auf das Testspiel gegen Südafrika (Sa., 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) und das WM-Qualifikationsspiel am kommenden Mittwoch gegen Aserbaidschan vor.

Aber entgegen unzähliger anderer Vorbereitungen in unzähligen anderen Hotels ist diesmal eine Sache doch anders: Die DFB-Auswahl ist nicht allein. Sie wird flankiert von ihrem wichtigsten Unterbau.

A-Team und U 21 unter einem Dach

Die U 21 residierte ebenfalls in Köln, im selben Hotel. Die neue Nähe war nicht zufällig gewählt. Die U 21 geht in ihre EM-Qualifikation gegen San Marino als Titelverteidiger. Und selten zuvor waren die Grenzen zwischen A-Team und der ältesten Juniorenmannschaft so fließend wie jetzt.

Im Kader der Nationalmannschaft sind fünf U-21-Europameister, einige davon schon fest etabliert, andere schnuppern das erste Mal in die Mannschaft. Dem normalen Werdegang wollte der DFB aber noch einen draufsetzen und holte deshalb die nachrückende Generation der U 21 mit ins selbe Hotel - samt dem neuen Trainer Rainer Adrion.

DFB-Unterbau stark wie nie

Was wie eine Teambuildingmaßnahme aussieht, ist auch ein Zeichen einer neuen Zusammengehörigkeit der beiden Flaggschiffe des deutschen Fußball Bundes. Adrion war der Wunschkandidat von Bundestrainer Joachim Löw für die Nachfolge von Horst Hrubesch, der das Team nur übergangsweise übernommen hatte.

Beide sind sich in ihren Ideen und Ansichten sehr ähnlich und bestärken damit die stringente Linie und das Konzept, das Sportdirektor Matthias Sammer seit Jahren vorgibt. "Die Zusammenarbeit ist sehr eng. Es gibt eine klare Struktur und Planung", sagt Adrion, der die gute Kooperation mit Sammer und Löw hervorhebt.

Dazu kommt, dass Deutschland durch seinen Unterbau die Quantität in der absoluten Spitze deutlich erhöht hat. Mit anderen Worten: So viele gute, junge Spieler mit Ambitionen hatte der DFB fast noch nie.

Der große Gewinner: Das A-Team

Nach dem EM-Desaster 2000 leitete der Verband erste Maßnahmen zur Förderung der Jugendarbeit ein. Die war über Jahre hinweg beinahe nur noch dahin vegetiert, übertüncht von Erfolgen und Teilerfolgen der 90er Jahre.

Plötzlich flossen Gelder in die richtige Richtung, wurden flächendeckend Stützpunkte errichtet, die Talentsichtung beginnt seitdem bereits in der Schule. Es folgten Eliteschulen des Fußballs, weitere Stützpunkte, eine deutlich verbesserte Ausbildung der Jugendtrainer. Und zu guter Letzt die Einstellung Sammers.

Der drückte beim DFB eine einheitliche Linie im Umgang mit allen Jugendmannschaften bis runter zur U 14 durch. Innerhalb eines Jahres gewann Deutschland dann mit der U 17, der U 19 und der U 21 die kontinentalen Titelkämpfe - und verfügt über den talentiertesten Nachwuchs Europas.

Der große Gewinner ist neben den Spielern, die zur A-Nationalmannschaft aufrücken, die A-Nationalmannschaft selbst. "Es kommen immer wieder neue Spieler nach, die den Druck auf die anderen erhöhen", sagt Per Mertesacker.

Überangebot in der Abwehr

Druck erzeugt Konkurrenzkampf und der erzeugt bessere Leistungen. Rund zehn potenzielle Nationalspieler unter 20 Jahren werden bereits nach der WM im nächsten Jahr an Joachim Löws Tür klopfen - exklusive der fünf Europameister, die jetzt schon im Kader stehen. Einige davon schaffen den Sprung vielleicht sogar noch vor der WM.

Vor allem in der Abwehr hat das ehemalige Land der Vorstopper und Manndecker ein echtes Überangebot. Neben den etablierten Mertesacker, Serdar Tasci, Arne Friedrich, Heiko Westermann, Philipp Lahm, Marcel Schäfer, Andreas Beck oder Marcell Jansen lauern Talente wie Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Holger Badstuber, Mats Hummels, Christian Träsch, Gonzalo Castro, Marcel Schmelzer oder Dennis Diekmeier.

Der entscheidende Vorteil im Vergleich zu früheren Jahrgängen: Fast alle sind bereits Stammspieler in ihren jeweiligen Vereinen. Auch auf der Torhüterpositon gibt es - fast schon traditionell in Deutschland - keine Probleme. Manuel Neuer und Rene Adler sind 23 beziehungsweise 24 Jahre alt. Dahinter lauern die Europameister Ron-Robert Ziegler und Marc-Andre ter Stegen.

Im Mittelfeld sind Patrick Ebert, Thomas Müller oder Sebastian Rudy auf mittelfristige Sicht Kandidaten, und natürlich der ewige Toni Kroos.

Problemgebiet Angriff

Nur im Sturm drückt der Schuh. Die Jahrgänge von 1988 bis 1991 haben keinen echten Torjäger hervorgebracht. Bei der U-21-EM waren Zweitligaspieler Sandro Wagner und der gelernte Mittelfeldspieler Ashkan Dejagah die Sturmalternativen. Langzeitperspektiven haben Richard Sukuta-Pasu und Savio Nsereko.

Aber noch ist ja Zeit. So ganz schnell wie früher wird es nämlich nicht mehr gehen. Nur noch in Ausnahmefällen werden Spieler aus dem Jugendalter sofort in die A-Nationalmannschaft gezogen. Der Letzte von ihnen war Marko Marin. "Der Weg in die Nationalmannschaft", sagt Rainer Adrion, "geht über die U 21."

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