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Fussball

BVB siegt in Sevilla und bleibt rätselhaft: Wie im Training!

Der BVB hat beim FC Sevilla mit 3:2 gewonnen.

Borussia Dortmund gewinnt nach zuletzt mauen Spielen verdient in der Champions League beim FC Sevilla und bleibt damit ein kaum erklärbares Rätsel. Folgt auf dieses Ausrufe- nun das nächste Fragezeichen?

Man kann die Sache im Grunde recht schnell erledigen: "Ich habe darauf keine Antwort", sagte Edin Terzic nach seinem gelungenen Debüt als Cheftrainer in der Champions League. Die Frage, die ihm zuvor gestellt wurde: Warum trat Borussia Dortmund beim 3:2-Hinspielsieg gegen den FC Sevilla auf einmal wieder ganz anders auf als in den Wochen zuvor?

Terzics Replik war grundehrlich, denn der BVB bleibt weiter ein Rätsel, das kaum zu erklären ist - ein Phänomen, das nicht nur auf diese Saison beschränkt ist. Dortmunds Team deckt schon seit längerer Zeit in regelmäßigen Abständen die gesamte Bandbreite ab, schwankt aber besonders gern zwischen den Extremen: mal uninspiriert und unaufmerksam, dann wieder energetisch und erbarmungslos.

Weshalb vor allem zuletzt zu selten die richtige Balance und die nötige Konstanz gefunden wurde, dafür gibt es dutzende Erklärungsansätze, aber augenscheinlich keine Lösung. Vor und nach den mauen Spielen der jüngeren Vergangenheit betonten Terzic, auch Sportdirektor Michael Zorc und Lizenzspielerchef Sebastian Kehl immer wieder: Im Training funktioniert alles wunderbar, dort setzt die Mannschaft die Anweisungen und Vorgaben richtig um.

Allerdings ist im Training in dem Sinne eben kein Gegner anwesend und dieser verkompliziert im Fußball bekanntlich die Dinge ungemein. Die konzentrierte und geschlossene Leistung des BVB in Sevilla dürfte daher eine derart gewesen sein, die zuletzt nur im Stadtteil Brackel zu bewundern war. Doch es hilft dem Verein alles nur wenig, wenn das große Potential des Kaders lediglich punktuell abgerufen wird.

BVB gelingt es fast nie, den eigenen Anspruch zu bestätigen

Dortmund war in Spanien zudem alles andere als der Favorit, denn Sevilla kam aus einem echten Lauf und war konträr zu vielen Kontrahenten in der Bundesliga darauf aus, das eigene Spiel aufzuziehen. Bereits am Samstag im womöglich vorerst letzten Revierderby im Oberhaus gegen Schalke werden die Voraussetzungen wieder gänzlich andere sein, auch die Psyche spielt dann aufgrund der Fallhöhe gegen den Tabellenletzten wieder eine Rolle.

"Jedes Spiel stellt uns vor neue Herausforderungen", sagte Terzic. "Das war heute eine ähnliche Herausforderung, wie wir sie zum Beispiel vor ein paar Wochen in Leipzig hatten. Aber am Samstag wartet schon wieder die nächste Aufgabe auf uns, mit veränderten Themen."

Blickt man lediglich auf die laufende Spielzeit, gelang es dem BVB fast nie, nach einem überzeugenden Sieg den eigenen hohen Anspruch zu bestätigen: Zum Saisonstart folgte auf eine gute Leistung gegen Gladbach eine Pleite in Augsburg, nach dem Sieg in Brügge verlor Dortmund gegen Köln, Mainz holte ein Remis bei der Borussia nach deren bislang besten Auftritt unter Terzic in Leipzig.

BVB und die Grundtugenden: Warum nicht häufiger?

Was man als BVB-Verantwortlicher aber von seinem Team erwarten können muss, sind die simplen Grundtugenden dieses Sports, die den überzeugenden Auftritten meist zugrunde lagen: Kampf, Leidenschaft, Geschlossenheit, Teamgeist, Einstellung. "Jeder war heute im Kopf bereit", sagte Terzic am Mittwochabend - nicht der erste vielsagende Satz eines Dortmunders in letzter Zeit.

Für Matchwinner Erling Haaland, der nun 41 Tore in 42 Pflichtspielen für Schwarzgelb erzielte, war die Mannschaft "motivierter, leidenschaftlicher, einfach fokussierter" als zuletzt. "Der Schlüssel war, dass jeder mitgezogen hat. Das macht eine Mannschaft aus", sagte Torschütze Mahmoud Dahoud. Und Marco Reus meinte: "Am besten kommt man da raus, wenn man die Spiele aggressiv angeht und kämpft."

Werden die Spieler gefragt, weshalb sie diese Eigenschaften nicht konservieren und häufiger zum Vorschein bringen können, heißt es meist: Wenn wir wüssten wie, würden wir es ändern.

BVB: Fragezeichen folgt auf Ausrufezeichen

So steht fürs Erste lediglich ein sportliches Ausrufezeichen, dem gewissermaßen unmittelbar ein nächstes Fragezeichen folgt, da die Auswirkungen des Auftritts in Andalusien auf den weiteren Saisonverlauf unklar sind.

Freilich würde ein Derbysieg zur kurzfristigen Beruhigung der angespannten Lage beitragen, er muss aber nicht zwingend den beachtlichen Sechs-Punkte Rückstand auf CL-Platz vier - das Dortmunder Minimalziel - verkürzen. Um bis zum Schluss in allen drei Wettbewerben im Rennen zu bleiben, benötigen die Westfalen im letzten Saisondrittel schleunigst eine positive Serie, deutlich mehr Selbstvertrauen und viele Spieler, die nicht mehr unterhalb ihres Leistungsniveaus agieren.

"Der BVB hat sich zur Zukunft geäußert, ich bin für die Gegenwart zuständig", sagte Terzic zur Verpflichtung seines Nachfolgers Marco Rose. Es stehen zwar noch mindestens 15 Begegnungen an und es ist weiterhin alles drin und vieles möglich. Doch die Zeit wird knapper.

Mehr als vier Pflichtspielsiege in Folge gelangen der Borussia in dieser Spielzeit nicht. Ihren Anfang nahm diese Serie im Oktober gegen Schalke - vielleicht ja ein gutes Omen.

BVB: Die nächsten Spiele im Überblick

DatumUhrzeitWettbewerbGegner
20. Februar18.30 UhrBundesligaFC Schalke 04 (A)
27. Februar15.30 UhrBundesligaArminia Bielefeld (H)
2. März20.45 UhrDFB-PokalBorussia Mönchengladbach (A)
6. März18.30 UhrBundesligaFC Bayern München (A)
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