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Fussball

Wolfsburg verpasst vorzeitigen Achtelfinaleinzug

Von Stefan Rommel
Josue (r.) muss nach der Pleite gegen ZSKA Moskau mit Wolfsburg ins "Endspiel" gegen ManUtd
© Getty

Der VfL Wolfsburg muss bei seiner ersten Teilnahme an der Champions League bis zum letzten Spieltag um den Sprung ins Achtelfinale bangen.

Der deutsche Meister verlor am 5. Spieltag der Gruppenphase beim schärfsten Kontrahenten ZSKA Moskau und hat damit beim abschließenden Heimspiel gegen Manchester United ein echtes Endspiel um Platz zwei vor der Brust.

Beim 1:2 (1:0) vor lediglich 28.000 Zuschauern im halbleeren Luschniki-Stadion in Moskau brachte Edin Dzeko mit seinem dritten CL-Tor die Gäste vor der Pause in Führung (19.).

Tomas Necid nutzte nach knapp einer Stunde eine Unachtsamkeit der Wolfsburger zum Ausgleich (58.), der Serbe Milos Krasic besorgte nur kurze Zeit später den Siegtreffer für die Russen (66.).

Durch den Sieg schließt ZSKA nach Punkten zu Wolfsburg auf (beide 7 Punkte), bleibt aber durch den direkten Vergleich nach dem 1:3 vom Hinspiel hinter dem VfL.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Moskau im 4-4-2, mit Supertalent Dzagoew im Sturm neben Necid. Die beiden Berezutskis in der Innenverteidigung bzw. auf der rechten Abwehrseite. Links beginnt der blutjunge Schennikow.

Wolfsburg mit zwei Änderungen im Vergleich zum Nürnberg-Spiel: Für den gesperrten Grafite stürmt erneut Martins. Und Kahlenberg, der nicht für die CL gemeldet ist, muss im rechten Mittelfeld Hasebe weichen.

19., 0:1, Dzeko: Martins hat Zeit und Platz und steckt auf Dzeko in die Gasse durch. Der Bosnier nicht im Abseits. Akinfeew verkürzt gut den Winkel - trotzdem versenkt Dzeko das Ding über den Keeper hinweg uns lange Eck.

22.: Krasic spaziert durch die Wolfsburger Deckung, auch Madlung bleibt weg. Der Serbe zehn Meter vor dem Tor, Costa bedrängt ihn. Den Flachschuss pariert Benaglio mit dem Fuß.

32.: Dzeko legt schön auf Misimovic quer: Der Bosnier versucht es aus vollem Lauf und knallt das Leder deutlich vorbei.

40.: Aleksei Berezutski kommt nach einer Ecke im Fünfer frei zum Abschluss, doch er bringt keine Kraft hinter die Kugel - Benaglio ist aufmerksam und rettet mit einem schnellen Reflex zur Ecke.

Halbzeit-Fazit: Durchaus verdiente Führung der Wölfe, die vorne effektiv und hinten bis auf wenige Ausnahmen konzentriert sind.

50.: Krasic macht Schäfer nass und bringt den Ball von der Grundlinie scharf in die Mitte. Doch die Kugel geht an Freund und Feind vorbei.

58., 1.1, Necid: Aldonin flankt von rechts unbedrängt in die Mitte, dort steht Necid völlig frei und trifft per Kopf in die rechte Ecke! Keine Chance für Benaglio. Aber wo war Madlung?

66., 2:1, Krasic: Der Serbe fasst sich aus 25 Metern ein Herz, weil ihn auch kein Wolfsburger angreift. Satter Schuss, halbhoch ins rechte Eck. Benaglio sieht den Ball zu spät und ist machtlos.

85.: Schäfer streichelt den Ball von links aufs Tor. Akinfeew ist überrascht, kratzt den Ball aber mit den Fingerspitzen noch raus.

88.: Krasic flankt von rechts auf den zweiten Pfosten. Dzagoew völlig blank, scheitert aber aus acht Metern an Benaglio.

Fazit: Insgesamt ein verdienter Sieg für aktivere Russen. Wolfsburg wachte im zweiten Durchgang zu spät auf.

Der Star des Spiels: Milos Krasic sorgte schon im Hinspiel für Wolfsburger Kopfzerbrechen. Und auch im Luschniki-Stadion war der Serbe von den Gästen nicht in den Griff zu bekommen. Seine Dribblings stürzten Schäfer und Gentner häufig in schwere Verlegenheiten, selbst zwei oder drei Gegenspieler konnten Krasic nicht stoppen. Die Krönung vollzog Krasic mit seinem Tor zum 2:1 selbst.

Die Gurke des Spiels: Alexander Madlung erwischte einen gebrauchten Tag. Schon in der ersten Halbzeit war er unfreiwillig an den beiden besten Moskauer Chancen beteiligt, als er zweimal böse patzte. Beim Ausgleich von Necid pennte der Innenverteidiger dann komplett, stand fünf Meter vom Mann entfernt. Auch wenn Madlung sonst recht solide spielte - in den entscheidenden Szenen hatte er zu viele Blackouts.

Die Pfeife des Spiels: Nicola Rizzoli aus Italien hatte mit dem zwar intensiven, aber fairen Spiel keinerlei Probleme. Das Gespann lag bei jeweils einer kniffligen Abseitsentscheidungen auf beiden Seiten jeweils richtig.

Die Lehren des Spiels: Moskau musste gewinnen - nur spielten die Russen über weite Strecken nicht so. Im Gegenteil: ZSKA war zögerlich und ohne Mumm. Einzig Dzagoew und der quirlige Krasic sorgten über die starke rechte Seite für Wirbel.

Sehr oft versuchten sich die Russen mit dem frühen Ball in die Tiefe. Da war Wolfsburgs Mannschaft aber meist aufmerksam auf der Hut. In der zweiten Halbzeit lullten die Russen den VfL aber immer mehr ein und wurden im dem Maße stärker, wie Wolfsburg abbaute. Da offenbarte sich dann auch die Offensiv-Power, die die Russen zu leisten imstande sind.

Der VfL dagegen verlor immer mehr das richtige Maß zwischen konzentrierter Defensivarbeit und kontrollierter Offensive. Teilweise ging jegliche Struktur verloren, offenbarten sich in der Deckung haarsträubende Lücken.

Die Gäste agierten zu Beginn deutlich defensiver als in den bisherigen CL-Spielen, selbst im Old Trafford war Wolfsburg von der Ausrichtung her offensiver. Offenbar hatte das Nürnberg-Debakel vom Wochenende noch heilende Wirkung, was sich in einer deutlich stabileren Defensive als im Bundesliga-Alltag niederschlug.

Die 20 Minuten nach der Pause waren aber ein böser Rückfall und hätten dem VfL fast alle guten Optionen auf das Achtelfinale geraubt.

Offensiv zeigte der deutsche Meister viele Überbleibsel aus der Magath-Ära: Oft überbrückten die Gäste mit langen Bällen in die Spitze das Mittelfeld - allerdings rückten Misimovic, Gentner und Hasebe viel zu zögerlich nach, um die Russen wirklich dauer- und ernsthaft in Gefahr zu bringen.

Wolfsburg schien sich nach der Pause seiner Sache zu sicher zu sein und bekam prompt die Quittung serviert.

Trainer Armin Veh reagierte und verstärkte mit Ziani das Mittelfeld. Ein kluger Schachzug, weil Wolfsburg danach wieder stabiler wurde und aus der kompakteren Defensive heraus gegen müder werdende Russen sogar noch auf den Ausgleich drängte.

Außerdem bleibt der VfL durch die knappe Niederlage im direkten Vergleich mit den Russen vorne und hat es jetzt im letzten Spiel gegen Manchester United vor heimischem Publikum selbst in der Hand, das Achtelfinale klarzumachen. Trotzdem war in Moskau deutlich mehr drin.

ZSKA Moskau - VfL Wolfsburg

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